Gas: Geplatzter Traum oder Rückgrat der Energiewende?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
29. April 2016

Im jüngsten Debattenabend der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg ging es am 21. April um das Thema Gas. Schon die Ankündigung der Veranstaltung mit dem Titel „Gas: Geplatzter Traum oder Rückgrat der Energiewende“ versprach für uns als Blogredaktion eine spannende Diskussion rund um die Rolle von Gas in der deutschen Energiepolitik. Schließlich befasst sich die Debatte, nicht nur bei uns im Blog, häufig mit den Themen Strom und Öl. Unterdessen rückt die Rolle von Gas bisweilen etwas in den Hintergrund. Dabei galt Gas einst als CO2-armer Energieträger der Zukunft, der andere fossile Energieträger ablösen sollte.

In der Diskussion zum Thema Gas unterhielten sich die Teilnehmer des Abends unter anderem über die Rolle von Erdgas für die Energiewende sowie seinen Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen.Der Moderator des Abends Oliver Bettzüge vom Kölner EWI brachte es eingangs folgendermaßen auf den Punkt: Es gehöre zu den Paradoxa der Energiewende, dass in Deutschland die Nachfrage nach Erdgas, dem unbestritten klimafreundlichsten fossilen Energieträger, in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen sei. Gleichwohl gebe es das „goldene Gas-Zeitalter“, allerdings in anderen Regionen der Welt, zum Beispiel in den USA. Dort habe der Fracking-Boom nicht nur zu einer Belebung der Industrieproduktion geführt. Die Vereinigten Staaten stehen auch bei den CO2-Emissionen deutlich besser da als der „selbsternannte Klimaretter Deutschland“.

Der Energieträger Gas habe alle Voraussetzungen, um in der Klima- und Energiepolitik eine nachhaltige Rolle für eine CO2-arme Energielandschaft zu spielen. Davon ist Ludwig Möhring, Geschäftsführer der WINGAS, überzeugt. Während in anderen Regionen der Welt die Bedeutung von Erdgas für eine wirksame Reduktion der CO2-Emissionen erkannt werde, spiele dieser Energieträger in der deutschen Klimapolitik, so Möhring, keine wesentliche Rolle. Der Energiemanager vermisse mit Blick auf die politische Agenda ein „ernst genommenes Ziel“, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken.

Dass Erdgas in Deutschland und Europa nicht der erwartete „Gamechanger“ in der Energiewirtschaft geworden ist, hat für Felix Matthes, vom Freiburger Öko-Institut, mehrere Gründe. Zentral sei, dass Gas in den Märkten, in denen es langfristig eine Rolle spielen könne, aus ökonomischen Gründen nicht interessant sei, weil wir den Zertifikatehandel nicht zum Laufen gebracht haben.

Der Beitrag von Gas am Strommix sei weltweit mit sieben Prozent pro Jahr deutlich gewachsen, in Europa und Deutschland habe er tendenziell jedoch abgenommen, so Ulf Heitmülller. Der EnBW-Manager leitet den Geschäftsbereich Handel und ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des kürzlich von der EnBW übernommenen Leipziger Gasversorgers VNG. Bei der EnBW glaube man, dass sich längerfristig die Erkenntnis durchsetzen werde, dass Gas der ideale Partner der Erneuerbaren und damit ‚alternativlos‘ ist.

Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Internetseite der Stiftung Energie und Klimaschutz.

Übrigens werden auch wir uns im Energiewendeblog in unserem nächsten Schwerpunkt mit dem Energieträger Gas beschäftigen. Zahlreiche Gastautoren werden das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Wir freuen uns, wenn auch Sie mit uns diskutieren – sei es in Form von Kommentaren, Leserartikeln oder auch als Gastautoren!

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