Zusammen wird ein Schuh draus: Strom, Wärme, Mobilität

Gastautor Portrait

Hermann Albers

Bundesverband WindEnergie

Hermann Albers ist seit 2007 mit einjähriger Unterbrechung Präsident des mit 20.000 Mitgliedern größten Verbandes der Erneuerbaren Energien. Zugleich ist er als Vize-Präsident im Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) aktiv. Als Windenergieunternehmer plant, entwickelt und betreibt er Windparks in mehreren Bundesländern.

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04. August 2014

Zum Jahresende 2013 gab es in Deutschland 23.645 Windkraftanlagen. 10.168 standen in den norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Hamburg.

Bisher nur 2.500 Anlagen erzeugen in den süddeutschen Ländern Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern sauberen Strom. Das Potenzial der Windenergie ist gerade im Binnenland weiter groß, zumal der dezentrale Ausbau im ganzen Land wirtschaftlich möglich und volkswirtschaftlich geboten ist. Deutsche Hersteller haben in den letzten Jahren leistungsfähige Anlagen für das Binnenland entwickelt. Der Ausbau hier trägt deutlich zur Netzstabilität bei.

Im Wandel zu einer dezentralen Energiewirtschaft
Die Energiewende bietet die Chancen, die Abhängigkeit Deutschlands von Rohstoffimporten zu vermindern und für eine starke Wertschöpfung in den Regionen zu sorgen. Wir befinden uns mitten im Wandel von einer zentralen Energieversorgung hin zu einer dezentralen Windkrafträder (Bild Nr. 12043)Energiewirtschaft, die viele unterschiedliche Akteure kennt. Gerade der dezentrale Ausbau öffnet zusätzlich Chancen für lokale Vermarktungsmodelle und gibt Impulse, regional an Speichermöglichkeiten zu arbeiten. Dabei gilt es den gesamten Energiesektor in den Blick zu nehmen. Denn noch viel zu oft ist, wenn über Erneuerbare Energien gesprochen wird, allein der Strommarkt gemeint. Dabei müssen im Zeitalter der erneuerbaren Energien, auf das wir uns selbst angesichts der zögerlichen Rahmensetzungen der Bundesregierung zubewegen, Strom, Mobilität und Wärme immer gemeinsam betrachtet werden.

Durch ein intelligentes Netzmanagement zu einer neuen Qualität
Die Erneuerbaren Energien sind längst der Nische entwachsen. In diesem Jahr werden die Erneuerbaren auf dem Strommarkt nahe an die 30 Prozent-Marke heranrücken. Damit gewinnen Fragen nach einem intelligenten Netz, in welchem neben der Stromproduktion auch Verbraucher koordiniert, an Bedeutung.  Die Versorgungssicherheit ist auch in einem von Wind und Fotovoltaik getragenen System gesichert. Dafür ist mehr Abstimmung im Netz erforderlich und hier eröffnen sich gerade für die vielen kleineren, regional stark verankerten Stadtwerke neue Chancen. Sie halten den Schlüssel in der Hand, um den neuen Energiemarkt Kavernenkraftwerk (Bild Nr. 7953)zusammenzuführen. Wo ein intelligentes Netzmanagement Wind und Fotovoltaik mit effizienten KWK-Anlagen kombiniert und größere Verbraucher wie Wärmepumpen, Warmwasserspeicher, Tiefkühler, Autobatterien einbezieht, erreichen wir eine neue Qualität der Energiewirtschaft.

Neben dem Wärmesektor, wo zum Beispiel über Power to Heat als Flexibilitätsoption für den sicheren Betrieb der Stromnetze noch viele Chancen zu heben sind, ist der Bereich der Mobilität aus zwei Gründen unerlässlich. Zum einen ist der Straßenverkehr für 20 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich. Wer die Klimaschutzziele erreichen will, muss deshalb hier ansetzen und fossile Energieträger aus dem Verkehrssektor zurückdrängen. Zum anderen können E-Autos wie Speicher eingesetzt werden. Deshalb muss die Politik hier deutlich stärker aktiv werden. Die Fahrzeugflotten von Bund, Ländern und Kommunen könnten viel zügiger auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden. Ein so zu erreichender deutlicher Nachfrageimpuls würde diesen Fahrzeugen auch den Weg in den Massenmarkt ebnen.
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Redaktionelle Hinweise:
Zum Bundesverband Windenergie
Elektromobilitäts-Infografik
Zahlen zur Windenergie
Artikel zur Vernetzung von Windstrom und Elektroautos

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Elektromobilität als Teil der Energiewende
Bisher erschienen:

E-Mobilität im ländlichen Raum, Alexander Bonde (Minister f. ländlichen Raum und Verbraucherschutz)
>> Zusammen wird ein Schuh draus, Hermann Albers (Bundesverband WindEnergie)
Elektromobilität trifft erneuerbare Energien, Kai (EnBW)
Der lange Weg zur Normalität, Dirk Bischoff (EnBW Energie Baden-Württemberg AG)
Infografik E-Mobility, Jacek (EnBW)
Keine Energiewende ohne Mobilitätswende, Kurt Sigl (Bundesverband eMobilität)

Diskutieren Sie mit

  1. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Wie hier im Beitrag richtig beschrieben kann sich die volle Wirkung der Energiewende nur entfalten wenn Synergieeffekte die entstehen perfekt genutzt werden.
    Das Loblied auf den Gasantrieb wie es in dem Beitrag "Wieso fahren Sie noch kein Elektrofahrzeug" gesungen wird ist echt unerträglich und zeigt ganz deutlich das wohl viele die Energiewende noch nicht verstanden haben.
    Beim Gas muss weiter Rohstoff importiert werden und die Preisbildung wird wie beim Benzin ablaufen.
    Nix Unabhängigkeit, Nix Kostenkontrolle, Nix Alternative für die Weltbevölkerung.
    Durch die E-Mobilität in Verbindung mit intelligenten Stromnetzen kann hier richtig Zukunft entstehen.
    Wind wird uns den Weg weisen, Sonne Ihn erleuchten und die Kraft des Wassers Ihn ebnen.
    Die Energiewende ist eine gute Sache

  2. Rainer M. Schubert

    vor 4 Jahren

    Hier darf die Erzeugung von speicherbarem Wind-Gas nicht unerwähnt bleiben. Außerdem gefährdet eine weitere kritiklose Erzeugung von volatil übervergütetem Wind-Strom nicht nur die Akzeptanz der Windenergie selbst, sondern auch auch EEG bzw. die gesamte Energiewende + entsorgungsoffen überfälligen Atomausstieg!

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  3. Rainer M. Schubert

    vor 4 Jahren

    Wenn hier über Windenergie gesprochen wird, darf die Erzeugung von speicherbarem Wind-Gas nicht unerwähnt bleiben. Eine weitere kritiklose Erzeugung von volatil übervergütetem Wind-Strom gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Windenergie selbst, sondern auch auch EEG bzw. die gesamte Energiewende + entsorgungsoffen überfälligen Atomausstieg!

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