Energiewendejahr 2015?

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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21. Dezember 2015
Energiewendejahr

War 2015 ein gutes Jahr für die Energiewende? Wer den Blick auf die vergangenen zwölf Monate richtet, wird feststellen, dass es ein sehr ereignisreiches Jahr war. Als wir im Januar dieses Jahres nach dem zentralen Thema der Energiewende fragten, vermuteten die Leserinnen und Leser, dass der Ausbau der HGÜ-Leitungen das Top-Thema 2015 werden würde.  Jetzt wissen wir: Die Diskussionen im Energiewendejahr 2015 verliefen anders als gedacht.

Dass der Klimawandel und die Senkung der Treibhausgasemissionen zum Top-Thema 2015 wurden, hat mehrere Ursachsen. Da gab es einerseits den Schlingerkurs von Gabriel, der im März einen nationalen Klimaschutzbeitrag der Kohleindustrie forderte, dann zurück ruderte und schließlich den Klimaschutzbeitrag in einen Zuschuss umwandelte. Der Klimawandel war aber auch das beherrschende Thema beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau.  Wir alle waren überrascht, als die führenden Industriestaaten die vollständige Dekarboniserung bis zum Ende des Jahrhunderts als Ziel proklamierten. Und mit dem Weltklimagipfel von Paris avancierte zum Jahresende der Klimaschutz endgültig zum Top-Thema des Energiewendejahres 2015.

Ein Thema, das wir im Januar nicht auf der Liste hatten, sorgte wieder Erwarten für Furore: Energiespeicher. Wir haben Speicher dann zu einem Schwerpunkt im Blog gemacht, denn nach der Ankündigung von Tesla Anfang Mai, ins Geschäft mit den Speichern einzusteigen, kam Bewegung in einen Markt, der zuvor ein Nischendasein fristete. Die Powerwall von Tesla ist zum Jahresende zwar immer noch nicht erhältlich, aber andere Player bedienen die wartenden Kunden schon fleißig. Und das Geschäft läuft nicht nur bei den Anbietern von privaten Energiespeichern rund, die Popcorntechnologie der Energiewende bricht über das gesamte Segment auf.

Prägend für das Energiewendejahr 2015 war auch das Thema Digitalisierung. Wie der Energiemarkt der Zukunft aussehen könnte, das zeichnete sich 2015 erstmals ab. Smart Grid, Smart Home oder Internet der Dinge (IoT) – das waren vor einem Jahr noch Schlagworte, mit denen nur Eingeweihte konkrete Vorstellungen verbinden konnten. In 2015 lernten wir, die Veränderungen der Energiewelt klarer zu sehen.

Energiewendejahr 2015Ob spätere Generationen auf 2015 einmal zurück blicken werden als das Jahr, in dem politisch und technisch der Grundstein für den Durchbruch der globalen Energiewende gelegt wurde? So viel steht fest: 2015 war ein energiereiches Jahr. Es verlangt geradezu nach einer Rast. Wir im Blog melden uns am 7. Januar wieder und wünschen Ihnen ein friedvolles, besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest. Möge 2016 ein gutes Jahr werden.

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  1. Windmüller

    vor 3 Jahren

    Ich denke, das Jahr 2015 ist ein sehr durchwachsenes Jahr. Es gab Fortschritte mit der Fertigstellung der Thüringer Strombrücke. Der Anteil erneuerbarer Energien ist bei uns so hoch, wie nie zuvor. Und weltweit erleben erneuerbare Energien den Durchbruch. In 2015 wurde weltweit mehr Geld in den Ausbau grüner Stromerzeugung gesteckt, als in den Bau von Kohle- und Kernkraftwerken. Auf der anderen Seite erleben wir auch Rückschritte. Die Energiewende beim Thema Wärme ist am Boden. Ölheizungen erleben ein comeback, während Solarthermie und Wärmepumpen derbe Rückgänge erleben. Bürgerenergiegenossenschaften werden von der Politik abgewürgt, bei der Photovoltaik erreichen wir nicht mal mehr den Zubaulevel, den man nach Fukushima vereinbart hatte. In Bayern ist der Zuabu von Windkraftanlagen mit der 10H Regelung mausetot. Das Jahr 2015 hat gezeigt, dass in der Politik die fossile Fraktion immer noch gewaltigen Einfluss hat.

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