Energiewende aktuell: Stromspeicher als Massenmarkt?

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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30. März 2015
Wann werden Stromspeicher zum Massenmarkt?

Eine aktuelle Studie macht Hoffnung. Kann eine der zentralen Herausforderungen, vor die uns die Energiewende – nicht nur auf dem Strommarkt –  stellt, bald bewältigt werden? Die Studie “Der positive Beitrag dezentraler Batteriespeicher für eine stabile Stromversorgung”, erweckt den Eindruck, dass Stromspeicher schon in naher Zukunft eine bedeutende Rolle im Strommarkt spielen werden.

Stromspeicher noch unbedeutend und zu kostspielig

Speicher, Energiewende, Stromspeicher
Das Laufrad eines Pumpspeicherkraftwerks

Doch noch ist es (lange?) nicht so weit. Derzeit stehen in deutschen Haushalten ca. 17.000 moderne Stromspeicher, die zusammen auf eine Kapazität von weniger als 80 MWh kommen. Das ist eine Größe im Bereich von einem Promille des deutschen Strombedarfs. Was die Speicherung einer Kilowattstunde in einem Akku der neuesten Generationen kostet, wissen wir noch nicht genau. Die Kosten variieren je nach den konkreten Bedingungen des Einsatzes, der Integration in das jeweilige System und der Lebensdauer der Stromspeicher. Nachgefragt werden sie derzeit häufig bei der Installation einer PV-Anlage, denn da fallen die Kosten für den Anschluss gering aus und obendrein gibt es noch eine Förderung der KfW. Noch ganz selten sind chemisch-elektrische Speicher mit einer Größe von mehren MW.

Stromspeicher sind Alleskönner im Netz

Stromnetz und moderne Batterien bilden ein Dreamteam, wenn es darum geht, das Netz genau auszutarieren und zu stabilisieren. Moderne Speicher sind schnell, können sowohl Strom bereit stellen, als auch bei Bedarf als Verbraucher fungieren. Alles, was das Netz braucht – von der Bereitstellung gesicherter Leistung über die Blindleistung bis hin zum Re-Dispatch und der Fähigkeit zum Schwarzstart -, haben die Speicher drauf. Um viele kleine Speicher zu einem virtuellen Großspeicher zusammen zu schließen, sie damit marktfähig und in Summe systemdienlich zu machen, bedarf es eines technischen Regelwerkes und Standards der Kommunikation. Prof. Sterner, der an der vorliegenden Studie verantwortlich mitgewirkt hat, hatte bereits in einer früheren Studie für die Agora-Energiewende darauf hingewiesen, dass die Energiewende ohne eigens dafür konzipierte Speicher die nächsten Entwicklungsschritte gehen kann. Die massenhafte Verwendung von Speichern, die vorwiegend für die private Anwendung gedacht sind, würden parallel Systemdienste im Stromnetz erbringen.

Preise sinken – Massenmarkt aber noch nicht in Sicht

In den letzten fünf Jahren sind die Kosten der Stromspeicher um 30 Prozent gesunken und dennoch sind die Preise von dem Punkt entfernt, an dem sich die Investition rechnen würde. Das muss aber passieren, damit ein Massenmarkt entsteht. Weitere Kostenreduzierungen werden im Zusammenhang mit dem Bau der Giga-Fab von Tesla und den Plänen zur Installation riesiger Batteriespeicher in Texas erwartet (der Energiewendeblog berichtete darüber).  Und auch das Vorhaben der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen, ist noch nicht vom Tisch. Auch das wird Einfluss auf die Preisentwicklung der Speichertechnologien haben.

Wann werden Stromspeicher ein Massenmarkt?

Theoretisch könnten in Deutschland 40 Mio. Wohneinheiten und ca. 40 Mio. Pkws mit Stromspeichern ausgerüstet werden. Um diesen riesigen Markt zu bedienen, müsste jährlich ein Prozent der theoretischen Nachfrage befriedigt werden. Eine jährliche Installation von 400.000 Speichern würde bei einer durchschnittlichen Kapazität von 5 kWh jedes Jahr zwei virtuelle Großkraftwerke von zwei GWh ans Netz bringen. Das wäre der Beginn eines Massenmarktes. Und wann wird es so weit sein?

Und so einfach können Sie abstimmen: Eine Antwortmöglichkeit auswählen, auf „Abstimmen“ klicken und schon sehen Sie das aktuelle Abstimmungsergebnis. Unsere Umfrage läuft bis Sonntag, den 12. April 2015

Nutzen Sie gerne auch die Kommentarfunktion, um Ihre Antwort auf die Umfrage oder eine Einschätzung individuell zu formulieren oder zu begründen.

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  1. Feststellung

    vor 3 Jahren

    Die erneuerbaren Energien und der europäische Strommarkt sind nicht kompatibel.
    für die unregelmäßige Einspeisung von Wind- und PV- Strom wird Regelenergie benötigt, am idealsten wären Speicher, hier hinkt die Entwicklung aber hinterher.
    Wurde die Speichertechnik mit Absicht ausgebremst, um dafür die Notwendigkeit der gigantischen Stromtrassen begründen zu können? Es sieht fast so danach aus.
    Als Zwischenlösung könnten Gaskraftwerke dafür eingesetzt werden die Stromlücken von PV-und Windstrom zu füllen, aber das versucht man ebenfalls zu verhindern. Gaskraftwerke lassen sich schnell rauf und runter fahren sind also in der Lage sich der unregelmäßigen Einspeisung schnell anzupassen. Seit der Liberalisierung des Strommarktes wird dort nach dem Merit Order Effekt eingespeist, d. h. der billigste Anbieter darf zuerst einspeisen, dann der nächst teure usw. bis das Gaskraftwerk mit seinem hohen Preis an der Reihe ist, ist schon keine Nachfrage mehr vorhanden, so werden sie wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen, statt dass welche gebaut werden, weil der Zappelstrom sie dringend braucht. Sie müssten zusammen mit den Erneuerbaren subventioniert werden, dann muss PV- und Windstrom nicht mehr abgeregelt werden. Die erneuerbaren Energien fordern eine gleichmäßige Verteilung über das ganze Land, Kraftwerk nahe am Verbraucher, das bedeutet wenig Verluste. Der durch Kleinkraftwerke erzeugte Wind- und PV-Strom wird in der Mittelspannungsebene von 0-50kV eingespeist. Bisher speisen die Großkraftwerke in die oberste Spannungsebene mit 380kV ein und der Strom wird dann runter transformiert bis er auf der Niederspannungsebene zuletzt beim Haushaltsstrom mit 230V ankommt. Jetzt sind die Kraftwerke auf der unteren Ebene warum soll der Strom nun hochtransformiert werden wenn er größtenteils unten gebraucht wird.
    Fortsetzung folgt.

  2. Feststellung

    vor 3 Jahren

    Fortsetzung zu 1
    Nimmt man die Gaskraftwerke mit ins Boot dann könnten auch die hoch mit CO2 Ausstoß belasteten Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. In Arzberg stand z.B. ein Kohlekraftwerk, das den besten Schadstofffilter Europas hatte, es belieferte einmal den ganzen nordbayrischen Raum mit Strom, nach der Wende als die vielen Dreckschleudern der damaligen DDR ans Netz gingen, hieß es, es ist nun unrentabel und wird geschlossen und einige Jahre später abgerissen, damit gingen damals auch 250 oder mehr Arbeitsplätze verloren und kein Hahn hat danach gekräht. Da nichts so bleibt wie es ist, sind nun die dran die damals profitierten, sie müssen sich eben auch anders orientieren, alles ist im ständigen Wandel. In 15 Jahren müsste es zu schaffen sein ordentliche Speicher mit einem guten Wirkungsgrad zu entwickeln, wobei ich auf Wasserstoff den LOHC Speicher setze.
    Warum wird das nächste Problem geschaffen mit dem überdimensionierten Ausbau der Offshore Windenergie, die doppelt so hoch subventioniert wird wie Onshore, nur damit diese jährlichen Überschusse an Strom ständig steigen. Bis 2005 hatten wir einen jährlichen ausgeglichenen Stromhaushalt, von da an fingen die Ergebnisse an jährlich immer mehr zu steigen. Kann Deutschland das denn nicht verstehen, dass jedes Land Strom erzeugen will, aber nicht Strom von Deutschland kaufen will, denn Strom ist heute das was die Geldwirtschaft im Blickwinkel hat.

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