Studie: Ausbau der Erneuerbaren Energien muss nicht auf Stromspeicher warten

Gastautor Portrait

Christiane Schatzmann

EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Christiane Schatzmann-Felden studierte Politikwissenschaften in Bonn und absolvierte danach ein Zeitungsvolontariat. Anschließend arbeitete sie u.a. als Pressereferentin im Bundesministerium für Verkehr und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag. Seit 2001 kümmert sie sich in der Berliner Hauptstadtrepräsentanz der EnBW als Projektleiterin um Kommunikationsformen rund um die Energiepolitik.

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06. Februar 2015

„Die Erzeugung von Strom aus Wind- und Solarenergieanlagen richtet sich nach dem Wetter und nicht nach der Nachfrage nach Strom. Daher liegt es nahe, Strom in Zeiten von viel Sonne und Wind zu speichern, um ihn in Zeiten von wenig Sonne und Wind zu verbrauchen.“ In Anbetracht dieser Tatsache hat die „Agora Energiewende“ in einer Studie die Frage untersucht, wie viele Stromspeicher in Deutschland für die Energiewende gebraucht werden. Dabei wird  zwischen Lang- und Kurzzeitspeichern unterschieden. Die Autoren legen den Schwerpunkt ihrer Untersuchung auf die Betrachtung der Kosten des Stromsystems bei einem Ausbau Erneuerbarer Energien bis zu 90 Prozent in Deutschland und betrachten dies vorwiegend aus der Perspektive der Systemgesamtkosten. Ergänzend  analysieren sie weitere Märkte für Speicher in anderen Sektoren als der traditionellen Stromwirtschaft sowie die Verteilnetz-Ebene.

Die Studie simuliert drei Zeitpunkte in der Zukunft. Die Jahre 2023 und 2033 sowie einen Zeitpunkt, bei dem der Anteil Erneuerbarer Energien bei 90 Prozent Beteiligung an der deutschen Stromversorgung liegt. Hierbei verfolgt die Studie einen europäischen Ansatz: Sie bezieht den Anteil Erneuerbarer Energien in Europa mit ein, geht dabei aber davon aus, dass der europäische Erneuerbaren-Anteil auch künftig unter dem deutschen Anteil liegen wird. Wahrscheinlich sei in Zukunft ein europäisch vernetzter Strommarkt mit moderatem Ausbau von Grenzkuppelstellen und anderer Flexibilitätsoptionen.

Agora Energiewende Ausbau Erneuerbare Speicher

Die Autoren kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien nicht auf Stromspeicher warten müsse. Vielmehr könne in den kommenden 10 bis 20 Jahren benötigte Flexibilität im Stromsystem durch andere Flexibilitätsoptionen günstiger verfügbar gemacht werden. Dies könne zum Beispiel durch flexible Fahrweise fossiler Kraftwerke, aktives Lastmanagement beim industriellen Stromverbrauch, den vernetzten Einsatz von Stromspeichern, E-Autos und Speicher, die für die private und gewerbliche Nutzung angeschafft wurden, und durch Stromhandel mit Nachbarstaaten erreicht werden. Wirklich benötigt würden eigens für die Systemstabilität konzipierte neue Stromspeicher erst bei einem sehr hohen Anteil von Erneuerbaren Energien. Trotz dieser Analyse werde der Markt für neue Energiespeicher dynamisch wachsen. Dies läge vor allem an neuen Absatzgebieten für Batterien und Power-to-X im Verkehrs- und Chemiesektor. Die Autoren der Studie fordern, dass Speicher gleichberechtigten Zugang zu Märkten für Flexibilität erhalten müssen. Märkte wie der Regelleistungsmarkt oder ein zukünftiger Kapazitätsmarkt sollten daher technologieoffen ausgestaltet werden.

Die Studie wurde im Netz bereits heftig diskutiert und (aufgrund den Inhalt nicht wieder gebender Überschriften) falsch interpretiert und kritisiert. Daher geben wir den Inhalt der Studie jetzt noch einmal wieder und empfehlen in diesem Fall ausdrücklich, sich selbst ein Bild zu machen und die Studie zu lesen, statt sich auf Sekundärquellen zu verlassen.

Die Studie finden Sie hier.

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  1. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Auch ich verstehe nicht, wo das Problem liegt. Man kann Lastmangement betreiben, wenn man nur will. Wärmepumpen als Beispiel können gezielt als Lastsenke genutzt werden ( Der Bundesverband Wärmepumpe hat hier gute Vorschläge gemacht ) Aber wie so oft in unserem Land - wenn man Dinge nicht wirklich will, dann ist es oft einfacher, zum Mars zu fliegen.

  2. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Die Energiewende kommt sicherlich auch ohne Stromspeicher voran. Schon mehrere Studien haben ergeben dass die Energiewende nicht von Stromspeichern abhängig ist. Stromspeicher nicht wirklich für.... “, schreiben z. B. die Wissenschaftler um den Energiespeicher-Experten Michael Sterner von der Technischen Hochschule Regensburg. Dabei setzt die Bundesregierung auf Stromspeicher, um Energie aus Wind und Sonne zu horten. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eröffnet an diesem Dienstag einen großen Batteriespeicher in Schwerin. Herr Gabriel ist meiner Meinung nach ein Wunderkind was der alles weiß und wie der sich in all diesen Themen auskennt......
    Die Realität ist dass viele Wissenschaftler in diversen Studien argumentieren, dass es allemal wirtschaftlicher ist die Produktion anderer Kraftwerke an das schwankende Ökostromangebot anzupassen, die Stromnachfrage gerade großer Verbraucher zu flexibilisieren und das europäische Stromnetz auszubauen, als in teure Speichertechnologien zu investieren. Sie geben sich sogar sicher, dass ihre Rechnung selbst dann aufgeht, wenn diese Anpassungen langsamer vonstattengehen als geplant. Erst nach 2030 und bei sehr hohen Anteilen von erneuerbaren Energien könne „ein geringer Ausbau von Langzeitspeichern gesamtwirtschaftlich sinnvoll werden“.

    Stromspeicher und Energiewende passt zusammen muß aber nicht unbedingt sein!!!! „Für die nächsten 15 bis 20 Jahre haben wir noch genügend andere, günstigere Flexibilitätstechnologien zur Verfügung“, heißt es laut diversen Studien. Bis dahin soll sich der Ökostromanteil am Verbrauch auf bis zu 60 Prozent mehr als verdoppeln. Für die Bundesregierung und den die Energiepolitik verantwortenden Wirtschaftsminister Gabriel haben Fachleute folgenden RAT: „Zusätzliche Markteinführungsprogramme für Stromspeicher im Elektrizitätssektor sind aus unserer Sicht nicht notwendig.“

  3. martin kerntke

    vor 4 Jahren

    (1) Deutschland verfügt über zahlreiche Salzspeicher unter der Nordsee, dort wo Windstrom entsteht; derzeit ungenutzt und diesbezüglich kaum untersucht.
    (2) Mit der Power-to-Gas Technologie kann unter gleichzeitigen Aufbau kleiner Stromspeicher in jedem Haushalt zu einem Verzicht neuer Stromtrassen unter Ausnutzung bestehender Gaspipelines führen.
    (3) Clevere Nachstromtarife könnten den Bedarf harmonisieren, das müsste allerdings auch der Gesetzgeber den Herstellern von Elektrogeräten baldmöglichst vorgeben.
    (4) Getriebelose Windturbinen, die Vorort zunächst Gleichstrom erzeugen, können Offshore Wechselstromumformer (Offshoretransformatoren) überflüssig machen.
    (5) Das oberflächennahe Geothermie-Potential Deutschlands ist bisher in weiten Teilen erst kaum genutzt
    (6) Griechenland hat großes Photovoltaic, Geothermie, und z.T. auch Wind-Potential, das würde auch der dortigen Wirtschaft helfen!
    (7) Die Kosten für Atomstrom berücksichtigen nicht Abriss und Entsorgung nur zu kleinem Teil, weil Sie auf Jahrtausende ausgelegt sein müssten. Sie werden weiter ansteigen, aber sie sind unfairer Weise nicht beim derzeitigen Verbrauch eingepreist, sondern führen erst langfristig zur Verschuldung der öffentlichen Hand . Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung.
    (8) Völlig unverständlich ist auch, dass Ägypten sich um den Bau einer Atomkraftanlage bemüht obwohl das Land geographisch und klimatisch perfekt für Photovoltaic wäre.
    Leider spricht über all das kaum jemand!

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