Energiewende aktuell: Kann die Power-to-Gas-Technologie das Speicherproblem lösen?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
21. September 2015
Energiwende aktuell: Power-to-gas
Kann die Power-to-Gas-Technologie das Speicherproblem im Rahmen der Energiewende lösen?

Das wollten wir bei unserer letzten Umfrage von Ihnen, den Leserinnen und Lesern des Energiewendeblogs, wissen. Bei noch ungelösten Fragen der Energiewende setzen Politik, Wirtschaft und auch Forschung auf Technologie-Offenheit. D. h., keiner technischen Lösung wird der Vorzug gegeben, mehrere konkurrierende Verfahren werden parallel gefördert, untersucht und erprobt. Dem neigt auch eine relative Mehrheit der Abstimmenden zu. Denn sie votierte mit 42 Prozent dafür, dass Power-to-Gas in der Zukunft eine Technologie von mehreren sein wird. 26 Prozent sagten uneingeschränkt Ja zu Power-to-Gas, während fast ein Drittel (32 Prozent) diesen technischen Pfad auch langfristig als unwirtschaftlich einschätzt.

Im Energiewendeblog haben wir in einer Infografik illustriert, wie das Verfahren funktioniert und welche Wirkungsgrade es erzielt. Bei der Stromspeicherung liegen sie noch unter 50 Prozent, bei der Herstellung von Wasserstoff kommt Power-to-Gas schon in den Bereich eines Wirkungsgrades von 80 Prozent. Trotz jahrelanger Forschung konnte die Rentabilität des Verfahrens aber noch nicht so weit gesteigert werden, dass von Wettbewerbsfähigkeit gesprochen werden kann. Christoph Brunner hat jüngst hier dargelegt, dass die mangelnde Wirtschaftlichkeit in der Energiewende aktuell die große Bremse für Power-to-Gas (PtG) ist. Gegen Lastmanagement oder Verteilung hat PtG keine Chance. Und wenn PtG-Anlagen nur dann eingesetzt werden, nach dem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, entsteht durch den niedrigen Grad der Auslastung ein wirtschaftliches Folgeproblem.

Aber noch ist für PtG noch nicht aller Tage Abend. Denn noch sind wir weit entfernt vom flächendeckenden Einsatz und damit auch von der Massenproduktion: In Deutschland gibt es derzeit nur über 20 Forschungs- und Pilotanlagen, in denen das PtG-Verfahren eingesetzt und weiterentwickelt wird. Die Projekte haben unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele. Bei allen geht es darum, die technische Machbarkeit zu demonstrieren, Standardisierung und Normierung zu erreichen, die Kosten zu senken und Geschäftsmodelle zu erproben.

Derzeit sucht die dena nach den besten Standorten für PtG-Projekte

Potentialatlas soll entwickelt werden

>>Die Strategieplattform Power-to-Gas der Deutschen Energie-Agentur untersucht gemeinsam mit Partnern aus Politik, Energiewirtschaft und Industrie, welche Potenziale die Power-to-Gas-Technologie Power-to-gas, Energiewende aktuellin den verschiedenen Regionen Deutschlands hat. Ziel ist es, einen Potenzialatlas für Deutschland zu erarbeiten. Dieser soll Unternehmen helfen, geeignete Standorte für Power-to-Gas-Anlagen zu finden. Zudem werden politische Entscheidungsträger dabei unterstützt, regionale Einsatzmöglichkeiten für Power to Gas besser einschätzen zu können.
„Mit dem Potenzialatlas gehen wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Marktreife von Power to Gas. Die Technologie kann einen wichtigen Beitrag zur effizienten Integration erneuerbarer Energien in das Energiesystem leisten. Wir wollen zeigen, wo Power to Gas bereits jetzt oder in Kürze eingesetzt werden und die regionale Wirtschaftsentwicklung unterstützen kann“, so Annegret-Cl. Agricola, Leiterin des dena-Geschäftsbereichs Energiesysteme und Energiedienstleistungen.
Die dena und ihre Partner untersuchen insbesondere, in welchen Regionen Strom aus erneuerbaren Energien und Absatzmärkte für Wasserstoff oder Methan aus Power-to-Gas vorhanden sind. So können beispielsweise Standorte identifiziert werden, an denen Windparks als Stromquelle und Chemieunternehmen als Abnehmer für Wasserstoff nah beieinander liegen. Eine Zusammenführung verschiedener Akteure über Power to Gas kann helfen, die Wertschöpfung in einer Region zu steigern. Der Potenzialatlas wird darüber hinaus auch eine Grundlage für die regionale Strom- und Gasnetzplanung sowie die Raumordnungs- und Flächennutzungsplanung liefern. Der Potenzialatlas erscheint im Frühsommer 2016. >>

Im Ergebnis unserer Umfrage kommen die Hoffnungen zum Ausdruck, die offenbar auch Industrie, Energiewirtschaft und Forschung teilen. Auf der Strategieplattform Power-to-Gas versammeln sich als Partner zahlreiche Unternehmen, die am Thema arbeiten.

Unsere Umfrage lief vom 31. August bis zum 14. September. An ihr nahmen 80 Personen teil. Zu unserer aktuellen Umfrage: „Lohnen sich Batteriespeicher für Privathaushalte bereits jetzt?“ geht es hier entlang.

Diskutieren Sie mit

  1. Windmüller

    vor 3 Jahren

    Zwar nicht zum Thema power to gas , aber aus aktuellem Anlass:

    GLÜCKWUNSCH - ZUR iNBETRIEBNAHME VON EnBW BALTIC 2 !!

  2. Günter Reiche

    vor 3 Jahren

    Baltic 2: Den Glückwünschen kann man sich nur anschließen.

    Weiterhin viel Erfolg beim Umbau - auf hoher See wie auf dem Land.

  3. Anita Dieminger

    vor 3 Jahren

    "...Bei der Stromspeicherung liegen sie noch unter 50 Prozent, bei der Herstellung von Wasserstoff kommt Power-to-Gas schon in den Bereich eines Wirkungsgrades von 80 Prozent."
    Das ist doch ein super Wert. Der Wirkungsgrad des Atomkraftwerks Gundremmingen liegt bei nur 35% und ein moderneres Kohlekraftwerk schafft gerade mal 40%. Daher finde ich es sehr schade, dass in den Diskussionen immer von "nur" ...% Wirkungsgrad bei Power to Gas gesprochen wird!

  4. Hubertus Grass

    vor 3 Jahren

    Danke, Frau Dieminger, für Ihren Kommentar.
    Sachlich wäre zu ergänzen, dass man die Effizienz von Power-to-Gas nur mit anderen Möglichkeiten der Speicherung vergleichen kann. Und da schneidet PtG vergleichsweise schlecht ab in Relation zur chemisch-elektrischen Speicherung in Batterien oder den Pumpwasserspeichern. Wirtschaftlich muss PtG auch mit anderen Flex-Optionen wie der Weiterleitung übers Netz oder der Anpassung der Nachfrage konkurrieren.
    Power-to-Gas kommt ja erst zum Einsatz, nach dem der Strom in Wind- oder Solaranlagen gewonnen wurde. Der Wirkungsgrad dieser Anlagen (Wind ca. 45%, Sonne ca. 20%) müsste in eine Energieflussberechnung einbezogen werden.
    Grundsätzlich sollte gelten, dass Erneuerbare Energien kostbar sind und wir effizient mit ihnen umgehen müssen. Da gibt es bei PtG noch Nachholbedarf. Mit Vertrauen in die Kunst der Ingenieure wird das schon werden.

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