Wie lange dauert der Umbau der Netzinfrastruktur Strom?

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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13. Mai 2015
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell
Wie lange dauert der Umbau der Netzinfrastruktur im Rahmen der Energiewende?

Wie lange dauert der Umbau der Netzinfrastruktur Strom? Das wollten wir bei unserer letzten Umfrage von Ihnen wissen. Die große Mehrheit ist skeptisch, ob der Netzumbau im vorgesehenen Zeitplan gelingt. Nur 19 Prozent glauben, der NEP 2025 werde bis 2024 umgesetzt. Weitaus die meisten Leser rechnen beim Umbau der Netzinfrastruktur mit Verzögerungen. Mindestens bis 2030 dauere der Umbau, meinen 45 Prozent. Und mehr als ein Drittel (36 Prozent) sind der Ansicht, bis die Netzinfrastruktur Strom der Energiewende stehe, sei das Jahr 2030 vergangen.

 Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, schlägt Alarm

Die Skeptiker können sich auf einen prominenten und fachkundigen Zeugen berufen. Während unsere Umfrage lief, schlug der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, Alarm:  „Uns läuft allmählich die Zeit davon“, sagte er letzte Woche bei der Vorlage seines Jahresberichtes. Laut Strommagazin führte er aus: Allein der Bau der Thüringer Strombrücke, die 2016 in Betrieb gehen soll und auf einer Strecke und 165 Kilometer Strom von Norden nach Süden transportiert, habe sieben Jahre gedauert. Ungleich komplexer sei die geplante Südlink-Stromtrasse, die als Herzstück der Energiewende gilt und ebenfalls Strom von Norden nach Süden leiten soll. Noch seien die Zeitpläne für den Netzausbau zu halten, wenn die politische Unterstützung hierfür nicht nachlasse, meinte Homann.

NEP, Netzinfrastruktur, Energiewende akutell
Auszug aus dem genehmigten Szenariorahmen

Der genehmigte Szenariorahmen der Bundesnetzagentur sieht eine Reduzierung der Braunkohlekraftwerksleistung von heute 21, 2 GW auf 12,6 Gigawatt im Jahr 2025 vor (Szenario B1).  Im gleichen Zeitrahmen sollen die Kapazitäten der Erneuerbaren wachsen – Wind Onshore auf 63,8 GW, Offshore auf 10,5 und die Fotovoltaik auf 54,9 GW. In 2025 ständen dann Erzeugungskapazitäten bei den Erneuerbaren von 141,4 Gigawatt zur Verfügung; mehr als doppelt so viele wie bei den fossilen Kraftwerken (aus der Tabelle wurden die Pumpspeicherwerke nicht mitgerechnet).

Problem ist: Die Kapazitäten der Winderzeugung von 74,3 Gigawatt stehen überwiegend in den nördlichen Landesteilen, während vor allem im Süden die Erzeugung durch die Stilllegung durch die Atomkraftwerke (12 GW Leistung) zurück geht. Der Ausbau der Erneuerbaren ist 2025 noch lange nicht zu Ende. Für 2035 sind Kapazitäten von 107,3 GW bei der Windenergie und 60 GW bei der Fotovoltaik geplant. (Zur Orientierung: Der Spitzenverbrauch in Deutschland liegt derzeit bei maximal 80 GW.)

Die Erzeugung spiegelt nur einen Aspekt der Disparitäten in der Entwicklung des deutschen Stromnetzes wieder. In Bayern und Baden-Württemberg leben zusammen mehr als ein Viertel aller Deutschen, die industrielle Produktion der beiden Länder macht sogar ein Drittel des deutschen BIP aus. Folglich ist der Energieverbrauch in diesen beiden Länder höher als in dünner besiedelten Bundesländern. Immer mehr Strom muss von Nord nach Süd. Das ist die große Herausforderung einer zukunftsfähigen Netzinfrastruktur Strom.

Unsere Umfrage lief vom 27. April bis zum 10. Mai. An ihr nahmen 74 Personen teil.

Zu unserer aktuellen Umfrage: „Energiewende aktuell – Wird sich der Vorschlag einer Klimaabgabe durchsetzen?“ geht es hier entlang.

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  1. Matthias Grobleben

    vor 4 Jahren

    Sehr geehrter Herr Grass,
    als ökologischer Überzeugungstäter schreiben Sie solche Artikel?
    Dann erläutern Sie doch bitte weshalb in Wolmirsted oder Osterath milliardenschwere Wechselrichter gebaut werden. Ich weis, für die Übergangszeit benötigen wir den Braunkohlestrom, aber glauben Sie tatsächlich, dass die Wechselrichter nach 5-10 Jahren abgebaut werden, da wir ja keine Braunkohle mehr benötigen?
    Es gibt etliche Bürger in Deutschland, die haben auch Elektrotechnik studiert und können mit Rechnern umgehen, nicht nur die angeblichen Spezialisten die der Bundesnetzagentur das Blaue vom Himmel erzählen.
    Entschuldigung, diese Argumentationsweise ist eigentlich nicht mein Stil, aber nach dem Artikel sind mir die Pferde durchgegangen!

  2. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Herr Grobleben - da brauchen ihnen nicht die Pferde durchgehen. Ich bin auch ökologischer Überzeugungstäter, habe zwar nicht E Technik studiert, sondern bin Elektrotechniker, und kenne von daher auch mehr als das Ohmsche Gesetz. Wir werden noch eine Zeit Braunkohle benötigen, wenngleich ich die Verstromung auch nicht toll finde. Vor allem brauchen wir in Zukunft aber einen Netzausbau, da beisst die Maus keinen Faden ab. Bayern baut Biogas nicht weiter aus, man will keine Windräder in Bayern, und Masten will man auch nicht. Im Norden hingegen ist Windstrom im Überfluss vorhanden, wegen fehlender Netze kommt er aber schwer nach Süden. Da führt meiner Auffasung nach kein Weg am Netzausbau vorbei.

  3. Matthias Grobleben

    vor 4 Jahren

    Ich habe Ihren Artikel gelesen, sie brauchen die Argumente nicht zu wiederholen, dadurch werden sie auch nicht richtiger. Falsch bleibt Falsch.

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  4. Kilian Rüfer

    vor 4 Jahren

    Die im Artikel besagte 'Netzinfrastruktur' bezieht sich nur auf die Übertragung über größere Strecken. Es fehlt mir der Bezug zur Modernisierung der Verteilnetze. Diese werden von Befürwortern einer dezentralen Energiewende mit 100 % EE als wichtiger erachtet. Wie bei Umsetzung dieses Ansatzes der NEP aussehen müsste ist offen.

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