Sollte der Kauf von Elektro-Fahrzeugen staatlich gefördert werden?

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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26. August 2014
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell
Sollte der Kauf von Elektro-Fahrzeugen staatlich gefördert werden?

Das wollten wir in unserer letzten Umfrage von Ihnen wissen. 48 Prozent der Teilnehmenden befürworten eine Subventionierung, um einen Massenmarkt zu erreichen. Weitere 27 Prozent sprechen sich für eine Förderung aus, wenn nicht nur Elektro-Fahrzeuge, sondern auch andere umweltfreundliche Antriebsarten unterstützt werden. Das Geld sei besser in Forschung und Entwicklung der Elektromobilität meinen 25 Prozent.

Eine Millionen Elektroautos will die Bundesregierung bis 2020 auf die Straße EnBW_Ladestation_car2goKleinbringen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie einen ganzen Strauß von Unterstützungsmaßnahmen aufgelegt, die auf mehr als 30 Seiten im Regierungsprogramm Elektromobilität beschrieben sind. Es gibt ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm, ein Beratungsgremium eine gemeinsame Geschäftsstelle Elektromobilität sowie zahlreiche Ideen zur Verkaufsförderung – von der Ausweitung der Steuerbefreiung von fünf auf zehn Jahre über die Freigabe von Busspuren bis hin zu Sonderregelung bei der Besteuerung von Dienstfahrzeugen. Wer die Förderberatung für Elektrofahrzeuge sucht, hat gleich vier Ministerien zur Auswahl: Zuständig sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).  

In seinem Blogbeitrag bei uns hatte Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität e.V., beklagt: Leider beobachten wir in der politischen Praxis, dass häufig streng nach Zuständigkeit der Ministerien wichtige Teil-Aspekte der Mobilitätswende ausgeblendet werden oder Kompetenzgerangel sachdienliche Lösungen verzögert oder gar verhindert.“ Das Sprichwort von den vielen Köchen und dem Brei – auch bei der Förderung von Elektro-Fahrzeugen drängt es sich auf.  

Laut Kraftfahrzeugbundesamt nimmt die Zulassungsstatistik bei den Elektrofahrzeugen Fahrt auf. Erwartet wird, dass sich in 2014 der Bestand an Elektroautos in Deutschland von 13.000 zum Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Um das Millionenziel bis 2020 zu erreichen, wäre in den nächsten Jahren aber eine Verzehnfachung der Neuanmeldungen notwendig.

Eine große Mehrheit von 75 Prozent der Teilnehmenden an unserer Umfrage hat sich für eine Verkaufsförderung von umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen ausgesprochen. Damit liegt sie auf der Linie der Bundesregierung. Allerdings gibt es in Deutschland keine direkte Förderung über einen Zuschuss beim Kaufpreis wie in anderen Staaten. In Norwegen zum Beispiel wird beim Kauf von Elektro-Fahrzeugen keine Mehrwertsteuer erhoben. Wenn der Erfolg ausbleibt und absehbar wird, dass der erhoffte Bestand von einer Millionen E-Fahrzeugen in 2020 nicht erreicht werden kann, wird die Politik die Förderung nachjustieren. Möglich wäre aber auch, dass durch Innovationen, Kostenreduktionen und ein Mehr an Komfort Elektrofahrzeuge ohne weitere staatliche Unterstützung im Wettbewerb bestehen und zum Massenprodukt werden.   

 

 

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  1. dieter götz

    vor 3 Jahren

    Bei all der Diskussionen frag ich mich, wo der Strom für die Autobatterien herkommt! Es ist ja so, das immer noch viele, viele Jahre der größte Teil an Strom aus konventionellen Kraftwerken ( Braunkohle Steinkohle, Gas) kommt. Ich kaufe also von den Stromerzeugern teuren Strom aus Braunkohlekraftwerken (Wirkungsgrad 30%) Lade meine Autobatterie und verschmutze ab sofort keine Umwelt mehr?
    Die Autoindustrie hat Großaufträge durch Auto Subventionierung , der Stromerzeuger wird subventioniert und wir haben den blauen Himmel und das grüne Wasser?

    Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie meine Meinung korrektieren würden

    Gruß
    Dieter Götz

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