Energiewende aktuell: Eine Million Elektroautos bis 2020?

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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20. August 2015
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell

Das wollten wir bei der letzten Umfrage von unseren Leserinnen und Lesern wissen. Mangelt es in Vertrauen in die Technologie? Oder in den politischen Gestaltungswillen der Bundesregierung, die das Ziel eine Million Elektroautos bis 2020 gesetzt hat? Wir wissen es nicht. Aber die Botschaft des Votings ist eindeutig: 70 Prozent sind der Auffassung, dass das Ziel nicht und 30 Prozent der Auffassung, dass es erreicht wird.

Gründe, das Ziel zu erreichen und für Vertrauen in die neue Technologie zu werben, gibt es viele. Ein zentraler ist der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen. Während in den anderen Sektoren (Strom, Wärme) der Ausstoß der Treibhausgase seit 1990 sank, gelang das im Verkehrssektor nicht. Das sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger bei der Vorstellung der „Daten zur Umwelt 2015“: „Weil immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden und der Trend zu mehr PS und schwereren Fahrzeugen geht, haben die sparsameren Motoren dem Klimaschutz wenig genützt.“ Der Verkehr verursacht derzeit rund 18 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Eine Million mit Ökostrom betankte (!!) Elektroautos wären da schon mal ein Anfang, dass der Straßenverkehr ein wenig ökologischer wird.

Energiewende aktuell im Verkehr noch Fehlanzeige

Welche Hemmnisse den Einsatz von Elektroautos im Alltag noch behindern, verdeutlicht ein Bericht über eine Gruppenausfahrt, der auf den Sonnenseiten erschien. Fazit der Reise: Elektroautos sind alltagstauglich … Stromtankstellen noch lange nicht!

Dazu passt die Nachricht, dass Daimler die Produktion des elektrischen Smart eingestellt hat. Wie der Tagessspiegel berichtet bietet der Hersteller, der sich selbst als Vorreiter der Elektromobilität versteht (??), derzeit nur noch ein Modell ab rund 40 000 Euro als rein elektrisches Fahrzeug an. Das Einsteigermodell Smart – für die Hälfte des Preises – wird nicht mehr geliefert. Ab Ende 2016 soll es dann mit einer neuen Modellreihe beim Smart elektrisch weiter gehen. Nur beim Trabi musste man einst noch länger warten. Nicht genug der negativen Trends: Daimlers Carsharing-Tochter Car-2-Go schmiss in Berlin die E-Smarts aus der Flotte. So wird das nichts werden mit der Million Elektroautos…..

Eine Million Elektrofrahrzeuge, Energiewende aktuell, UBA_spezifische-emissionen-pkw_2015-05-07

Kurt Sigl vom Bundesverband eMobilität ist ein leidenschaftlicher Kritiker der mangelnden Bewegung in der Branche und dem ebenso zaghaften wie chaotischen Ausbau der Infrastruktur. Über die Beschlüsse der Nationalen Konferenz für Elektromobilität sagte er diesen Monat: “Die fangen an zu forschen, wie Ladesäulen funktionieren.” Sogar das Laden des eAutos beim Arbeitgeber müsse versteuert werden. Quintessenz des Berichts im Oberpfalz-Netz: Elektroauto kommt nicht in Fahrt.

Positiv aufhorchen ließ dagegen eine Überschrift beim Aktionär:

„Neue Elektroautos von BMW und Audi besser als Tesla“

Im nachfolgenden Artikel und dem Interview mit dem Autoexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer fehlt dann aber leider jeder Beleg für diese steile These.  Ob die Einschätzung des Experten richtig ist, dass Tesla letztlich nur sehr viele Batterien verbaue und der technologische Vorsprung für die alten Autobauer aufzuholen sei, muss sich erst noch erweisen. Eine deutliche Warnung in Richtung der Industrie hat Dudenhöffer aber doch parat: Statt ein wenig mit dem Elektroauto und der Hybridvariante zu spielen, sei es nun an der Zeit, dass die deutschen Autobauer sich jetzt „engagiert und nicht halbherzig“ dem Thema zuwenden.

Vielleicht klappt es dann ja doch noch, eine Million Elektroautos bis 2020 auf Deutschlands Straßen zu bringen. Die (Noch-) Mehrheit der Skeptiker würde es freuen.

Unsere Umfrage lief vom 16. Juli bis zum 16. August. An ihr nahmen 211 Personen teil. Zu unserer Umfrage „Sind die Klimaschutzpläne von Obama realisierbar?“ geht’s hier lang.

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  1. ZOE elektrisierend

    vor 3 Jahren

    Dudenhöffers Aussage sehe ich vor allem unter dem Motto "eine starke Behauptung ist besser als ein schwacher Beweis" - eine Begründung hat er wie ja schon festgestellt nicht geliefert. Mir scheint eher, dass er es sich nicht ganz mit den den deutschen Autobauern verscherzen will. Das Tesla jede Menge Vorsprung hat, sieht man doch auch daran, dass die komplette Technik in der elektrischen B-Klasse von Tesla stammt. Zudem wurde Tesla gerade von Forbes zum innovativsten Unternehmen gewählt (http://www.forbes.com/sites/michelinemaynard/2015/08/19/4-differences-between-tesla-and-other-carmakers/).
    Nachdem ich einmal eine Probefahrt in einem Model S gemacht habe, frage ich mich, warum sich überhaupt noch Leute Oberklasseautos mit Verbrennungsmotor kaufen - was viele Schweizer offenbar auch so sehen: http://teslamag.de/news/tesla-model-s-bisheriger-absatz-3727

  2. Alfred A. Wilhelm

    vor 3 Jahren

    Die begrenzte Reichweite der Elektrofahrzeuge ist wohl noch ein Problem.

    Mein Vorschlag:
    Reisen Sie bequem und sicher mit dem Elektrofahrzeug auf einem Autozug der DB..
    Dabei werden die Batterien bis zum Zielort aufgeladen und die Reichweite wird nahezu unbegrenzt.
    Die Autobahn wird entlastet und das Interesse an umweltfreundlicher Mobilität bei großer Freiheit gesteigert.
    Alfred A. Wilhelm, Köln, Freier Erfinder
    .

  3. ZOE elektrisierend

    vor 3 Jahren

    Laden auf dem Autozug, finde ich eine klasse Idee. Der Zug fährt sowieso elektrisch und genug Leistung ist von der Oberleitung her auch vorhanden. Das wäre mal ein echter Mehrwert der Bahn.

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