Wir sind bereit, uns dem Wandel zu stellen!

Gastautor Portrait

Dr. Frank Mastiaux

EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Der 49-jährige Frank Mastiaux ist gebürtiger Essener und promovierter Chemiker. Ins Berufsleben startete er im Vertrieb von Veba Oel. Später ging der passionierte Läufer für BP nach London. 2007 wechselte Mastiaux zu Eon. Er baute als Chef der Eon Climate & Renewables die Sparte der erneuerbare Energien auf. 2010 bis 2012 verantwortete Mastiaux die Expansion des Konzerns in Wachstumsmärkte außerhalb Europas. Seit 2012 lenkt er als Vorstandschef die EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Mit seiner Frau, den gemeinsamen drei Kindern und dem vierbeinigen Familienmitglied Bobby zog er 2013 nach Baden-Württemberg. Er will bleiben und mit der EnBW zum Gelingen der Energiewende beitragen.

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30. Januar 2014

Das unternehmerische Umfeld hat sich im Zuge der Energiewende radikal verändert. Nahezu alle etablierten Strategien und Strukturen werden in Frage gestellt oder sind bereits Makulatur. Auch wir, die großen Energieversorger, müssen unsere Rolle und unser Selbstverständnis neu erfinden. Das ist nicht immer einfach. Es geht darum, Geschäftsmodelle und -prozesse bis zu den Wurzeln zu überdenken und neue Wege zu wagen. Und genau da setzt die Idee dieses Blogs an – wir werden Sie auf dieser herausfordernden und zugleich spannenden Reise als wichtigen Partner direkt mitnehmen. Wir sind der Überzeugung: Die Energiewende kann nur gemeinsam gelingen. Es ist an der Zeit neue Wege zu gehen.

Die Energielandschaft in Deutschland wandelt sich schnell und tiefgreifend. Es ist ein Abschied von der alten Energiewelt – und ein Aufbruch zu einer dezentralen, erneuerbaren Energieversorgung. Das stellt gerade die Energieunternehmen vor die Wahl: Verändern oder Verschwinden. Die EnBW hat sich klar für Verändern entschieden. Das ist keine Frage der Werbung oder des Marketing, sondern der tatsächlichen Veränderung. Die Schnelligkeit und Ernsthaftigkeit, mit der diese Veränderung in der Wirklichkeit vorangetrieben wird, ist überlebenswichtig – der Veränderungsprozess fundamental. Wir werden 2020 ein völlig anderes Unternehmen sein. Mein Team und ich glauben daran, auch in der neuen Energiewelt einen Platz zu finden. Daran arbeiten wir konsequent und intensiv – jeden Tag.

Energiewende in der Praxis: Der EnBW-Windpark in Berghühlen.

Für das Gelingen der Energiewende ist aber nicht nur das „Neue“ entscheidend, sondern auch das „Beständige“ von enormer Bedeutung. Ich verspreche Ihnen, mein Unternehmen steht auch weiterhin für die Sicherheit der Energieversorgung in unserer Heimat. Im „Maschinenraum der Energiewende“ konzentrieren wir uns konsequent auf den Betrieb von systemkritischer Infrastruktur. Unsere Kraftwerke und Netze sind für die Energiewende und die Versorgungssicherheit in Deutschland zwingend notwendig – ihr Erhalt ist nicht selbstverständlich. Wir forcieren den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Entwicklung intelligenter Produkte für unsere Kunden und Partner. Was können Sie konkret von uns erwarten? Unter dem Leitmotiv „Energiewende. Sicher. Machen.“ wird die EnBW in den kommenden Jahren über sieben Milliarden Euro in die erneuerbaren Energien sowie in Netze und dezentrale Energielösungen „nahe am Kunden“ investieren. Die neue, einhundertprozentige Orientierung am Kunden steht für neue Lösungen und Produktinnovationen mit echtem Mehrwert und realen Mitgestaltungsmöglichkeiten. Unser Mitwirken an der Energiewende wird für jeden „anfassbar“ sein.

Als Energieversorgungsunternehmen sind wir ein Teil der Energiewende. „Neues“ und „Bekanntes“ miteinander zu verbinden, das ist die große Herausforderung für uns. Damit die Energiewende gelingt, braucht es aber noch einiges mehr. Neben entschlossenen  Akteuren, gezielten Investitionen sowie neuen Formen von Kooperation und Partnerschaft ist vor allem ein übergeordneter, energiepolitischer Rahmen entscheidend. Ein Rahmen, der das Gesamtsystem im Gleichgewicht hält und für die beteiligten Akteure verlässlich ist. Die Ausgestaltung der notwendigen EEG-Reform und ein Lösungsansatz für den Erhalt der als systemrelevant eingestuften, aber unwirtschaftlichen Kohle- und Gaskraftwerke sind dabei zwei zentrale Fragestellungen, die es von der Politik klar zu regeln gilt.

Und: Die Energiewende ist auch eine kommunikative Herausforderung. Der Start des Energiewende-Blogs ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz und Austausch. Wir öffnen uns – mit allen Chancen und auch allen Risiken. Dieser Austausch ist uns wichtig, denn er bringt uns weiter, indem er uns neue Sichtweisen eröffnet und uns unser Handeln und unsere Rolle in der Gesellschaft wiederspiegelt. Nutzen Sie also die Gelegenheit und sprechen Sie uns an, auch und gerade wenn Sie Kritisches zu sagen haben.

Ich persönlich verspreche Ihnen: Die EnBW steht „ohne Wenn und Aber“ mit ihrer Systemkompetenz und ihrer Integrität hinter der Energiewende und ihrem Gelingen. Wir sehen in der  Energiewende große Chancen für die Gesellschaft und für unser Unternehmen. Wir werden diese Chancen nutzen und einen wichtigen Beitrag leisten, wenn ehrliche und faire Rahmenbedingungen uns dazu die Möglichkeit geben. Wir sind bereit zum Wandel, bei dem es darauf ankommt, gemeinsam Energie neu zu denken.

Diskutieren Sie mit

  1. Dominik Pöschel

    vor 5 Jahren

    Hallo Herr Mastiaux,

    ich finde es ist die Aufgabe aller Energieversorger in Deutschland dafür zu sorgen dass die Energiewende klappen wird. Für ein gelingen der Energiewende reicht nicht allein politischer Willen, sondern man braucht Sachverstand, Kompetenz und Erfahrung. Ist wie immer hier bei uns in Deutschland: bereits alles vorhanden. Man braucht nix neu erfinden sondern kann diese Resource sofort nutzen bei uns EVU´s. Wir Herr Mastiaux als Energieversorger sind der Wandel und eine Betreitschaft neue Wege zu gehen kann seit 1999 der Energieversorgung niemand vorwerfen denn wir kamen aus einer Monopolstellung hinein in die Markwirtschaft. Der Wandel darf uns aber nicht aus Berlin diktiert werden sondern wir müssen selbst durch unsere Innovationen diesen vorantreiben und zugleich die EnBW sichern!! Wir brauchen Kapital für Netze nicht immer nur drüber reden sondern machen. Lassen sie uns doch eine Leitung legen für unsere Offshore Anlagen. Wir leiten den Strom zu uns in den Süden und andere die unser Netz nutzen zahlen Entgelte dafür. Wir müssen die Öffentlichkeit auf unsere Seite ziehen durch unsere Aktive gestaltung der Energiewende. Wir die EnBW sind bereit und motiviert auf gehts machen......

  2. Ueli Joss

    vor 5 Jahren

    Sehr geehrter Herr Mastiaux

    Ihre Initiative „Dialog, Energie, Zukunft“ verdient Respekt und Anerkennung. Ich hoffe, dass Sie als einer der 4 großen Energiekonzerne wirklich nachhaltige Veränderung zu Gunsten kommender Generationen anstreben und nur ein kleiner Teil Ihrer Initiative dem aktuellen Image Ihres Unternehmen dient und dass Sie auch im Rahmen des Möglichen das kurzfristige Erfolgs- und Gewinnstreben zu Gunsten der Nachhaltigkeit priorisieren.

    Ich bin überzeugt, dass die politisch beschlossene Wende auch unter hoffentlich bald radikal umgestalteten EEG-Bedingungen für Ihr Unternehmen und die Industrie große Chancen birgt. Unerreichbar scheinende Ziele haben in der Vergangenheit immer Innovationen hervorgebracht und das wirtschaftliche Wachstum gefördert.

    Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Günter Specht, Emeritus der Technischen Universität Darmstadt hat kürzlich den Vortrag „Ökostrompolitik - Ökologisch handeln mit Instrumenten der Ökonomie -“ an der Hochschule Aschaffenburg gehalten. Ich empfehle Ihnen dessen Lektüre unter http://www.gegenwind-stuehlingen.de/Inhalt.html

    mit freundlichem Gruß
    Ueli Joss

  3. Anja Ebert

    vor 4 Jahren

    Guten Abend Ueli Joss,
    vielen DANK für Ihre Nachricht an Frank Mastiaux und die motivierenden Worte!
    Gerade die großen Energieversorger müssen Geschäftsmodelle und -prozesse komplett überdenken und sich zu einem wesentlichen Teil neu erfinden. Das ist tatsächlich keine Frage der Werbung oder des Marketing, sondern der tatsächlichen Veränderung. Die Schnelligkeit und Ernsthaftigkeit ist überlebenswichtig. Die EnBW ist auf diesem anspruchsvollen Weg bereits ein gutes Stück vorangekommen, aber noch lange nicht am Ziel. Wir nehmen wahr, dass man uns den notwendigen Wandel zutraut. Wir stellen zunehmend unter Beweis, dass Partnerschaft für uns kein Etikett ist, sondern ein sichtbares Verhalten und Geschäftsmodell.
    Eine große Herausforderung ist sicherlich die Fähigkeit, mit Traditionen und Gewohnheiten zu brechen und neue Wege zu gehen. Insbesondere dann, wenn bisherige Geschäftsmodelle wegbrechen, während man versucht, neue nachhaltige Geschäfte aufzubauen. Hier liegen aber auch die Chancen. Letztendlich verschiebt die Energiewende die Ertragsquellen, weg z.B. vom konventionellen Kraftwerksgeschäft hin zu Erneuerbaren, E-Mobilität, smarten Technologien, Energieberatung usw.
    Das erfordert u.a. Innovationen und ein anderes Kundenverständnis. Mit neuen Strukturkonzepten und Führungsmodellen stellt sich die EnBW darauf ein. Wir bauen Komplexität ab und werden dadurch agiler. Wir schaffen Voraussetzungen und genügend Freiraum für eine kreative Start up-Kultur, um Innovationen zu beschleunigen. Und wir richten unsere Geschäftsprozesse am Kunden aus. Das alles sind wichtige Weichenstellungen für den zukünftigen Erfolg. Wir glauben fest daran, auch in der neuen Energiewelt einen Platz zu finden.
    Beste Grüße, danke für den Lektüre-Tipp und ein schönes, in den Startlöchern stehendes Wochenende!

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  4. Friedrich Kohmann

    vor 4 Jahren

    Warum muss der Schwächste in der Kette am stärksten belastet werden?
    Scham ist wahrscheinlich für manche Verantwortlichen ein Fremdwort.
    Für die Energiewende sind wohl alle Bürger, aber nicht so, wenn es auf Kosten der Schwächsten geht.

  5. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Hallo Herr Kohmann auf Ihre Frage warum uimmer der schwächste in der Kette am stärksten belastet wird ist so zu beantworten dass die Mehrheit der Bürger (Steuerzahler) vom Einkommen her gesehen den mittelstarken bis schwachen Bereich der Kette ausmachen. Ich möchte Ihnen entscheiden widersprechen das die Mehrheit der Bürger in diesem Land für die Energiewende sind. Wenn Sie in Zeiten eines Atmoaren Unglücks die Mehrheit fragen ist es doch logisch dass man sich am besten desssen entledigt was der Auslöser war. Genau das ist geschen in Deutschland. Nicht mit klarem Kopf wurde Entscheidungen getroffen was die Energiewende angeht das Ergebnis sieht man heute. Ganz anderst unsre Nachbarn da hat sich der Schock über Fukushima gelegt und man lebt auch in der Realität weiter nur wir Deutschen nicht. Stopt die Energiewende Stopt den ständigen Preisanstieg für Strom, Stop der Vernichtung der Wettbewerbsfähigkeit, Stop der ohne fachlichen Backround getroffenen Enscheidungen aus Berlin. Wenn alles das Eintrifft sind wir hier in Deutschland wieder zufrieden was den Strom angeht.

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  6. Peter Post

    vor 4 Jahren

    Schöne und gute Worte aus dem Zentrum der Macht. An "Schnelligkeit und Ernsthaftigkeit" wird man Sie messen. Ein wichtigste Akteur wurde aber nicht genannt. Ohne ihn läuft bei Wende gar nichts: Der Kunde, oder besser Verbraucher, zumindest so lange er noch kein Erzeuger ist.

    Denn die Energiewende findet ab jetzt nicht mehr im Fernsehen, sondern am Fernseher statt. Mal abschalten, mal verbrauchen wenn es sinnvoll ist. Und nicht wenn es einem gerade passt. Das ist eine viel härtere Nuss als das rhetorische Tennis zwischen Großerzeugern und Politik: Den Verbraucher zum Teilnehmer zu machen, anstelle zum Zuschauer. Dialog ist ein guter Anfang. Aber wir sind leider schon im vorletzten Akt. Diese Generation wird es richten müssen. Gebt ihnen die Mittel dazu.

    Google hat gerade 3,2 Milliarden hingeblättert für eine Firma mit einem einzigen Produkt: Einem intelligenten Thermostat. Damit können sie jetzt ausspionieren ob wir zu blöd sind ein Brot zu toasten ohne das Haus ein zu äschern. Vielleicht haben sie aber auch erkannt, dass das Ding Verhalten beeinflussen kann. Und DAS ist der heilige Gral des 21. Jahrhunderts. POSITIVE Beeinflussung von Verhalten. Politisch nicht ganz korrekt, aber für die korrekte Variante fehlen uns drei Jahrzehnte.

    Unsere Eltern konnten 50 Jahre lang telefonieren wann sie wollten. Wir haben in 5 Jahren gelernt, daß der Akku unserer Handys das neue Maß von Erreichbarkeit ist. Wir werden auch lernen, daß wir uns Freunde innerhalb der Reichweite unserer Elektroautos suchen sollten. Wer vom Energielieferanten zum Partner werden will, muß seine Kunden in diese neue Energiezukunft des "less is best" führen.

  7. Anja Ebert

    vor 4 Jahren

    Hallo Peter Post! Da sprechen Sie einen wichtigen Faktor an: Den Kunden. Bei der EnBW denken wir noch ein Stück weiter, denn als "Kunden" oder noch besser als "Partner" verstehen wir sowohl Kommunen als auch Industrie und private Kunden. Wir sind vollkommen mit Ihnen d'accord: JEDE gesparte Kilowattstunde ist wichtig - da freut sich nicht nur die Umwelt, sondern es schont auch den Geldbeutel eines jeden Einzelnen. Hier sind alle Akteure unserer Gesellschaft gefragt - das betrifft Schulgebäude oder Straßenlaternen genauso wie Produktionshallen oder auch Privathaushalte. Es gilt, über das eigene Nutzungs- und Verbrauchsverhalten nachzudenken und dieses zu optimieren. Wir unterstützen und begleiten dabei sehr gerne aktiv, hier bringen wir gezielt unsere Energiekompetenz ein: Vom Gebäude-Energieausweis über die Energieberatung oder einfach via Energiespartipps (www.enbw.com/energiesparen). Auch "intelligente" und innovative Lösungen werden eine immer wichtigere Rolle spielen. Erste Schritte unternehmen wir bspw. mit dem "EnBW schlauen Zuhause" für Privatkunden. Damit das Zuhause in Zukunft nicht nur nachhaltiger wird, sondern zugleich auch noch Spaß macht. Dabei liegen uns Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort besonders am Herzen.
    Übrigens: Eine unserer zwei strategischen Stoßrichtungen ist die einhundertprozentige Orientierung am Kunden. Wir beteiligen z.B. Kommunen partnerschaftlich an Windparks, erzeugen gemeinsam mit Industriekunden Energie vor Ort oder unterstützen Bürgerenergiegenossenschaften in der Region. Wie Frank Mastiaux in seinem Beitrag bereits als einen Aspekt erwähnte: Unsere Orientierung nahe am Kunden steht für neue Lösungen und Produktinnovationen mit ECHTEM MEHRWERT und REALEN MITGESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN. Unser Mitwirken an der Energiewende soll für jeden anfassbar werden. Und genau daran dürfen und sollen Sie uns auch messen. Wir beschreiten den Weg bereits - begleiten Sie uns als kritischer und aufmerksamer Weggefährte. Geben Sie uns Feedback :)

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  8. Hugo

    vor 4 Jahren

    Dr.Mastiaux sollte schon etwas konkreter werden. In Baden-Württemberg stammen 40% der
    Stromerzeugung aus Kernkraftwerken , die werden in spätestens 8 Jahren abgeschaltet. Die
    wenigen Windkraftwerke liefern im Jahresdurchschnitt in BW nur 10% der Nennleistung, die
    Windhöffigkeit ist hier einfach zu niedrig, mit Solaranlagen werden sie den gleichmäßigen
    Bedarf unserer hervorragenden Industriebetriebe nicht decken können. Wie wollen Sie das
    Land in 8 Jahren sicher versorgen, doch nicht mit offshore-Anlagen ? Können wir aus den
    Nachbarländern mit zuverlässiger Versorgung rechnen ? Wollen Sie emissionsfreie Kraft-
    werke durch konventionelle Kohlekraftwerke (Mannheim) ersetzen, die CO2 emittieren
    und die Feinstaubkonzentrationen wieder ansteigen lassen ? Die Nord-Süd-HGÜ Leitungen
    sind noch nicht konzipiert und im deutschen Netzverbund professionell integriert. Alternative
    Hochenergiespeicher zur Überbrückung der naturgegebenen Versorgungslücke sind nicht
    in Sicht. Ihre ökologische Gesinnung in Ehren, hier geht es um harte Fakten. Von den 10 Jahren
    nach dem emotionalen Fukushima-Beschluß sind schon zwei Jahre ohne konkrete
    Schritte verstrichen. Ich wohne seit Jahren in Sichtweite von zwei sicheren, sauberen Kern-
    kraftwerken, die Vorstellung demnächst von ihren vagen Absichtserklärungen abhängig zu
    sein, macht mir zunehmend Sorgen !

  9. Jacek

    vor 4 Jahren

    Hallo Hugo,
    ich habe dein Anliegen an einen Kollegen bei uns weitergegeben, der auf Fragen dieser Art spezialisiert ist. Ich melde mich schnellstmöglich mit einer kompetenten Antwort.
    Viele Grüße
    Jacek

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  10. Jacek

    vor 4 Jahren

    Hallo Hugo,

    wie versprochen hier nun die Antwort eines Experten aus unserem Hause:

    Laut Winterbericht der Bundesnetzagentur (BNetzA) werden netto (Saldo Zubau und erwartete Stilllegungen) südlich der Mainlinie ca. 7 GW gesicherte Kraftwerkskapazität bis 2020 ausscheiden, so dass in Süddeutschland bis auf weiteres eine angespannte Netzsituation besteht. Derzeit sehen die Übertragungsnetzbetreiber die Situation in Süddeutschland allerdings weniger dramatisch. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die BNetzA mit der Reservekraftwerksverordnung ein Instrument hat, die erwarteten Stilllegungen zu untersagen. Ferner gilt, dass nicht allein auf deutsche Anlagen zurückgegriffen werden muss. Für die Winterreserve werden heute schon Anlagen in Österreich kontrahiert; auch eine Kontrahierung von Anlagen in Italien wäre technisch möglich. Aufgegeben wird die Winterreserve erst dann, wenn der geplante Netzausbau vollzogen ist.
    Daneben muss ein weiteres Problem gelöst werden, nämlich die Bereitstellung von Blindleistung zur lokalen Spannungshaltung im Netz. Da Blindleistung nur über geringe Distanzen transportiert werden kann, ist sie örtlich bereitszustellen. Technisch wäre grundsätzlich denkbar, analog Biblis A, einen Generator von Grafenrheinfeld zur Bereitstellung von Blindleistung umzurüsten (Phasenschieberbetrieb). Auch alternative Verfahren sind möglich (Errichtung Kondensatorenbänke). Die SuedLink-Gleichstromtrasse, die in Grafenrheinfeld mündet, wird übrigens ebenfalls das Blindleistungsproblem lösen, weil der Gleichstrom-Wechselstrom-Konverter Blindleistung bereitstellen kann. Auch dieses Problem löst sich also mit dem geplanten Netzausbau.

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  11. Jacek

    vor 4 Jahren

    Passte nicht alles in einen Kommentar, hier der Rest der Aussage:

    Ein Importbedarf wird in Baden-Württemberg weiterhin bestehen, sowohl aus dem Ausland als auch innerdeutsch. Es stellt sich lediglich die Frage, ob die Importmengen weiter zunehmen. Abhängen wird dies vom Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Menge der stillgelegten Anlagen, dem zusätzlichen Ausbau konventioneller Kraftwerke und einer ggf. gesteigerten Energieeffizienz.

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  12. Atomix

    vor 4 Jahren

    Beachtlich wir brauchen das Ausland, damit bei uns nicht die Lichter ausgehen, wenn esmal richtig Kalt wird. Weshalb macht man sich denn so viel Gedanken wie man mit geziehlten Netzabschaltungen den Blackout verhintern kann. Weil wir Phisik nicht austricksen können. Auch Gesetzte können das nicht. Wie bemerkenswert, dass jetzt einige Fachleute (26.03.14) das EEG richig betwertet haben. Nix gebracht, aber vieeeeel Geld gekostet und die Kosten laufen auch weiterhin auf. Je selterner die EnBW-Kraftwerke Strom produzieren je Teurer wird die erzeugte kWh. Da die Herstellungskosten noch immer den gleichen Preis aufweisen wie vor 15 Jahren, sieht man wo die Zukunft hingeht. Wird es eine EnBW noch in 5 Jahren geben (können)??? Gute Nacht EnBW

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  13. Helge Barlen

    vor 4 Jahren

    Sehr geehrter Herr Mastiaux,

    vorab: diese Kommunikationsplattform finde ich hervorragend. Direkter Kontakt zwischen EnBW und Kunden ermöglicht vielleicht sinnvollere Einsichten und Teillösungen als ideologische Positionen, ob sie nun unnachgiebig pro Energiewende sind oder unnachgiebig contra. Wobei rein fachlich sicher gut begründbar ist, warum der aktuelle Weg eine besonders schädliche Kombination aus konfliktären Zielen, Aktionismus, Dirigismus, lokal beschränkter Sicht und absichtlichem Ignorieren der Kosten ist.

    Sie erwähnen, dass die Energiewende für EnBW Chancen bereithält. Welche sind das aus Ihrer Sicht?

    Beste Grüsse
    Helge Barlen

  14. Anja Ebert

    vor 4 Jahren

    Guten Abend Helge Barlen,
    wir haben uns riesig über Ihr Feedback gefreut! Alle Kollegen stecken hier viel Engagement und auch persönliches Herzblut rein. Kurzum: Da tut ein Lob zwischendrin einfach gut. Falls Sie einmal Anregungen oder Ideen haben - auch die sind herzlich willkommen.

    Nun zu Ihrer Frage nach den Chancen, die wir als EnBW in der Energiewende sehen. Lassen Sie mich die zentralen Punkte kurz zusammenfassen:
    - Ausbau der erneuerbaren Energien und die Erweiterung dieses Geschäftsfelds, gerade auch im Rahmen von Kooperationen oder mit Partnerschaftsmodellen
    - dezentrale Energieerzeugung vor Ort, also mit und für private Kunden, Industrie und Kommunen
    - Bereitstellen und Betrieb der für die Versorgungssicherheit notwendigen Infrastruktur
    - Umsetzung von Innovationen und Forschungsprojekten - ein Stichwort ist hier bspw. der Ausbau des intelligenten Netzes, das für den Ausgleich der zunehmenden Netzschwankungen (resultierend aus dem Umbau der Erzeugung) und für das Lastgangmanagement (also die Regelung von Erzeugung und Verbrauch) wichtig ist
    - Bewältigung der wachsenden Komplexität des Energiesystems/-markts durch unsere langjährige Systemkompetenz als einziges, integriertes Energieunternehmen in Dtld, das über alle Wertschöpfungsstufen hinweg tätig ist u. die komplexe Materie im Ganzen im Blick behält
    - Aufbau neuer Geschäftsmodelle rund um die Themenfelder Energieeffizienz, "smarter" Energiewelten und Produktinnovationen, die es unseren Kunden möglich sowie einfach machen, die Energiewende selbst mitzugestalten
    - Beratungskompetenz von der Erzeugung übers Netz bis hin zum Handelsgeschäft
    - Partnerschaftsmodelle auf allen Ebenen
    - last but nor least: unser vielfältiges u. kompetentes Team an Energie-Experten, die zum Gelingen der Energiewende beitragen u. sich einen Platz in der neuen Energiewelt erarbeiten wollen

    Konnte ich Ihnen damit einen besseren Eindruck verschaffen? Bei weiteren Fragen sind wir gerne für Sie da. Fürs Erste: Schönes Wochenende und herzliche Grüße aus Stuttgart!

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  15. Dirk Kaiser

    vor 4 Jahren

    @Jacek
    "Ferner gilt, dass nicht allein auf deutsche Anlagen zurückgegriffen werden muss. Für die Winterreserve werden heute schon Anlagen in Österreich kontrahiert;"
    ***************************************
    Ist es nicht ein Armutszeugnis, dass wir als Reserve ein Ölkraftwerk (Uralttechnik!!!!) bei Graz, also eins, das näher an der slowenischen Grenze liegt als an der deutschen, benötigen, um erforderlichenfalls unsere Netze zu stabilisieren... und das nur, weil wir aufgrund von ideologischen Vorgaben unsere sicheren KKW abschalten mußten?
    .
    Das ist alles krank!
    .
    Das Problem, dass man "drehende Teile" benötigt, um das Netz stabil zu halten, ist bekannt. Auch eins der im Rahmen des Moratorium stillgelegten KKW (war es Biblis? oder doch Neckarwestheim?) wurde zu diesem Zweck wieder eingesetzt (Keine Panik, liebe Angstbewegten, nur der Generator).

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