Wir brauchen Energiespeicher für das Gelingen der Energiewende

Gastautor Portrait

Stephan Grüger

MdL, EUROSOLAR e.V.

Stephan Grüger studierte Philosophie, Biologie und Politikwissenschaften. Bevor er 2014 für die SPD in den hessischen Landtag gewählt wurde, arbeitete er 13 Jahre in verschiedenen verantwortlichen Funktionen in der Energiewirtschaft. Bereits seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Stephan Grüger für eine dezentrale Energiewende. Er ist stellvertretender Präsident des von Hermann Scheer gegründeten Vereins EUROSOLAR e.V.

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26. Mai 2015
HGÜ, Energiewende aktuell

Netzausbau ja – aber keine HGÜ-Leitungen

Einfache Geschichten lassen sich leicht verbreiten – das sagt aber nichts über ihren Wahrheitsgehalt aus. Zu diesen einfachen Botschaften gehört seit der 2005 von einem Konsortium aus den drei damaligen Netzbetreibern E.ON Netz, RWE Transportnetz Strom, Vattenfall Europe Transmission erstellten sogenannten „DENA-Netzstudie“ die Tatsachenbehauptung, dass in naher Zukunft „im Norden“ der Strom durch Windkraftanlagen produziert werde, der allerdings im Süden nach Abschaltung der dortigen Atomkraftwerke dringend benötigt wird. Daraus hat sich dann der landläufige Glaube entwickelt, es würde „im Norden“ in baldiger Zukunft mehr Windstrom produziert, als dort verbraucht werden könne.

Kein „Windstromüberschuss“ im Norden – auch nicht mit Seatec /Offshore-Windkraft

Tatsache ist aber, dass in den Ländern nördlich von Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen mit rund 306 TWh pro Jahr mehr Strom verbraucht wird, als selbst in der optimistischsten Planung on- und offshore Windstrom produziert werden wird. Bei 40 GW installierte Leistung Windkraftanlagen an Land („onshore“, in der EUROSOLAR-Diktion „Landwind“) und 15 GW installierte Leistung Windkraftanlagen auf See („offshore“, in der EUROSOLAR-Diktion „Seatec“) würden im so definierten Norden Deutschlands rund 150 TWh/a Windstrom produziert – also deutlich weniger, als Strom bei der Nutzung umgewandelt („verbraucht“) wird.  Die Pläne der Bundesregierung, bis zum Jahre 2030 eine Leistung von 15 GW Seatec am Netz zu haben, werden allerdings inzwischen in der Höhe innerhalb der Bundesregierung in Frage gestellt. Aktuell sind rund 0,6 GW Seatec an das Netz angeschlossen. Was die hier angenommenen 40 GW installierte Leistung Landwind angeht, so sind die genannten Länder in dieser Hinsicht auf einem guten Weg: Ende 2014 waren dort rund 35 GW Landwind am Netz. Das heißt, die aktuelle Windstromproduktion im Norden beläuft sich auf rund 55 TWh/a  – bei 306 TWh/a Verbrauch.  Diese Zahlen passen nicht so ganz zu der Geschichte von dem Windstromüberschuss im Norden, der – weil überschüssig – in den Süden gebracht werden muss. Vor allem passen diese Zahlen so gar nicht zu der großen Erzählung von dem vielen Offshore-Windstrom, der im Norden überschüssig sei.

Dezentrale Energiewende geht überall – auch in Bayern

Die Zahlen beleuchten aber noch eine andere interessante Tatsache: Das große Potenzial der Onshore-Windstromerzeugung, die ja bekanntermaßen deutlich kostengünstiger ist, als Seatec/Offshore und zudem eine eher mittelständisch/genossenschaftliche Energieanlagenform ist. Dieses Potenzial gibt es aber nicht nur im Norden Deutschlands, sondern auch im Süden. Auch die südlichen Flächenländer Deutschlands können ihren Strombedarf aus allein auf ihrer Landesfläche produziertem Strom aus Erneuerbaren Energien decken. EUROSOLAR hat dies bereits 2008 in einer Studie zum Potenzial in Hessen belegt. Dass das Potenzial für Landwind in Deutschland um mehr als doppelt so groß ist, als der Gesamtstromverbrauch in Deutschland, hat das Umweltbundesamt in einer im Juni 2013 veröffentlichten Studie eindrucksvoll beschrieben. Dieses Potenzial besteht natürlich auch und gerade in Bayern, wo allerdings die Energiewende und speziell die Windkraft von Horst Seehofer und seiner CSU massiv behindert wird. Wie bei einem flächendeckenden Ausbau von Landwindkraft Flexibilität durch regionalen Austausch entstehen kann, hat Agora Energiewende in einer ebenfalls im Juni 2013 veröffentlichen Studie aufgezeigt. Dieser regionale Stromaustausch ist freilich auf ein gut ausgebautes und vermaschtes Höchstspannungs-Drehstromnetz sowie ebensolche Mittelspannungsnetze angewiesen. Punkt-zu-Punkt-Übertragung durch HGÜ-Leitungen helfen hierbei nicht weiter.

Energiespeicher und NEUE ENERGIEMARKTORDNUNG statt „Strommarktdesign“ und teure HGÜ-Leitungen

Was aber soll mit den Leistungsspitzen geschehen, die in den ca. 200 Stunden Starkwindaufkommen (zur Erinnerung: das Normaljahr hat 8.760 Stunden) entstehen? Schließlich muss, egal ob Landwindkraft oder Seatec, auf Grund der Tatsache, dass Windkraft, Energiewende, NetzausbauWindkraftanlagen weniger als 8.760 Benutzungsstunden haben, mehr Windkraftleistung installiert sein, als insbesondere nachts verbraucht wird. Welchen Sinn würde es aber machen, an 3% des Jahres Strom-Leistungsspitzen mit Hilfe von drei 22 Mrd. € teuren HGÜ-Leitungen nach Süden zu schaffen, wo sie auch nicht gebraucht werden? Dabei könnten wir mit nur einem kleinen Teil dieser Kosten Speichermöglichkeiten am Ort der Produktion schaffen. Hierfür bietet sich Power-to-Gas und die Nutzung des bestehenden Erdgasnetzes an. Hier zeigt sich, dass für das Gelingen der Energiewende die Integration von Energiespeichern viel entscheidender ist als der Ausbau von Stromnetzen. Die Vernachlässigung der Energiespeicherfrage und die überzogene Fixierung auf den Netzausbau kommt einem manchmal so vor, als würde ein Bauherr das für das Dach zurückgelegte Geld für den Bau eines zweiten – aber eigentlich unnötigen – Badezimmers aufwenden.  EUROSOLAR weist schon seit Jahren auf diese Schieflage der öffentlichen und vor allem veröffentlichten „Diskussion“ hin. Selbst „Agora Energiewende“, die ja landläufig als Verfechter der Übertragungsnetzausbau- und auch HGÜ-Orientierung gilt, hat in der im September 2014 veröffentlichten Studie „Stromspeicher in der Energiewende“ die Notwendigkeit unterstrichen, mit der Einführung der Speicher JETZT zu beginnen, damit diese in 15 Jahren zur Verfügung stehen, wenn sie im Massemarkt gebraucht werden. Der regulatorische Rahmen hierfür müsse, so auch Agora Energiewende, JETZT geschaffen werden. Interessanterweise berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ, dass die Studie sich für Netzausbau STATT Stromspeicherausbau ausgesprochen habe – und (fast) alle Medien schrieben diese Falschmeldung ab. Einfache Geschichten… siehe oben. Es ist wohl leider notwendig, an dieser Stelle noch einmal auf die simple industriepolitische Tatsache hinzuweisen, dass mit industrieller Massenproduktion einen massive Preisdegression einhergeht. Dies war ja auch die Grundidee des Erneuerbare Energien Gesetzes EEG, das eine Massennachfrage für Solaranlagen und eine industrielle Massenproduktion induziert und durch die stetige Degression der Einspeisetarife eine massive Preisdegression verursacht hat. Ohne SolarBaumEEG gäbe es heute keine kostengünstigen Solarzellen und keine Kostendegression. Ähnliches muss auch mit dem Speichermarkt geschehen. Dort reicht jedoch eine geringe Anschubförderung, viel wichtiger ist die Schaffung eines regulatorischen Rahmens, der es z.B. Stadtwerken und mittelständischen Unternehmen erlaubt, mit Stromspeichern regionalen Energiemärkten Flexibilität (z.B. Ausgleichsenergie) zu verkaufen. Das wird natürlich nur gegen den vehementen Widerstand der Noch-Oligopolisten im Ausgleichsenergiemarkt durchzusetzen sein – inklusive der damit erfahrungsgemäß verbundenen Desinformation und Propaganda, einschließlich einfacher Geschichten, die dann von der Bundeskanzlerin herumerzählt werden können. Zu diesen einfachen Geschichten gehört auch das Märchen vom „Strommarktdesign“, das es zu finden gelte. Dabei kann die Energiewende auf Grund der Konvergenz vieler Erneuerbarer Energien nur in einer Konvergenz der Energiemärkte (Strom, Wärme, EE-Gas, Mobilität) funktionieren. Daher fordert EUROSOLAR in der Stellungnahme zum Grünbuch des Bundeswirtschaftsministers eine „NEUE ENERGIEMARKTORDUNG statt nur eines Strommarktdesigns“. Eine gesonderte Betrachtung und Regulation der einzelnen Energiemärkte läuft der Energiewende zuwider – allein schon auf Grund der Konvergenz zwischen Strom- und Wärmemarkt bei Power-to-Gas und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Ein Schelm also, wer Böses dabei vermutet, wenn die Möchtegern-Oligopolisten von Big Energy die getrennte Betrachtung der Energiemärkte einfordert und die Ministerialbeamten des jahrelang von der FDP beherrschten Wirtschaftsministeriums brav folgen.

Der (Braun)Kohledeal

Wo aber kommt denn nun der immer wieder zitierte Stromüberschuss im Norden her, wenn gar nicht mehr Windstrom produziert als verbraucht wird? Im Norden von Deutschland stehen viele Kohle- und Braunkohlekraftwerke – und sie stehen nicht nur dort, sondern sie produzieren munter Strom, egal ob der Wind weht oder ob die Sonne scheint. Sinnvoll wäre es natürlich, Stromtrasse_08wenn diese Kraftwerke abgeregelt würden, wenn die bestehenden Netze „überquellen“. Dies würde sicherlich auch irgendwann geschehen, wenn der (Braun)Kohlestrom nur in das Höchstspannungsdrehstrom-Übertragungsnetz eingespeist werden kann, in dem dann ja auch der Windstrom wäre. Wenn man aber an den Braunkohlekraftwerken bei Garzweiler und in der Lausitz eine HGÜ-Leitung beginnen lassen würde – könnte man den schrittweise wegfallenden Atomstrom im Süden durch Braunkohlestrom ersetzen. Und weiter richtig gut Geld verdienen mit längst abgeschriebenen Kraftwerken. Und wenn man dann noch einen Teil des Windstroms durch eine Punkt-zu-Punkt-Mittelleitung an den Kohlekraftwerken in Hamburg, Niedersachsen und NRW vorbei nach Süden leiten könnte, können auch diese Kraftwerke weiter Profite mit Kohlestrom machen. Wenn also schon die Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen, dann sollen wenigstens die Kohlekraftwerke bis zum Sankt Nimmerleinstag weiterlaufen, als kleine Kompensation. Voraussetzung hierfür sind aber Punkt-zu-Punkt-Leitungen ohne „Ab- und Auffahrten“. Deshalb übrigens ist die Bezeichnung der HGÜ-Leitungen als „Stromautobahn“ reine – aber zugegebenermaßen geschickte – Propaganda. „Autobahn“ ist in Deutschland ein positiv besetzter Begriff, zudem insinuiert der Begriff, dass das bestehende Höchstspannungsdrehstromübertragungsnetz eigentlich kein gutes Fernleitungsnetz ist, was noch durch die Behauptung unterstrichen wird, die Übertragungsverluste wären bei HGÜ-Leitungen um ein Vielfaches geringer als bei Drehstromleitungen. Dies stimmt aber nur, wenn man die Konverterverluste unterschlägt. MIT Konverterverlusten (etwa 2% pro Konverter) sind die Übertragungsverluste auf 1000 km etwa gleich groß. Es gibt keinen ökonomischen Vorteil von HGÜ-Leitungen.

Die Vorstände von E.ON, RWE, Vattenfall, ABB und Siemens müssen sich weggeworfen haben vor Lachen, dass die Bundesregierung diese doch sehr durchsichtige Selbstabsicherungsstrategie aus den beiden sogenannten „DENA-Netzstudien“ in die Bedarfsplanung übernommen und der Bundestag diese dann zum Gesetz erhoben hat. Dies ist sicherlich ein Meisterstück langfristiger und generalstabsmäßiger Lobbyarbeit, Chapeau! Und man kann den Atomausstieg opportunistisch natürlich auf diese Weise organisieren, zumal die damals massiv gegen die Energiewende eingestellten Landesregierungen der deutschen Südländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen damit aus der Notwendigkeit entlassen wären, ihren – dezentralen – Anteil zu einer Energiewende in ganz Deutschland beizutragen, vor allem mit Landwindkraft und PV-Zubau. Diesen faulen Zaubertrick allerdings als „Energiewende“ zu verkaufen, ist politischer Illusionismus – oder Agitation und Propaganda. Südlink ist also NICHT das „Backbone der Energiewende“, sondern eher die Garantie für den Fortbetrieb der alten Kohlekraftwerke – und auch für den Bau von neuen Kohlekraftwerken, wie noch im ersten Entwurf eines Zweiten Gesetzes über Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus Elektrizitätsnetze vorsorglich formuliert war.[1]

Netzentwicklungsplan, Energiewende, Netzausbau

Lieber Drehstrom als Drehhofer

Und was ist mit Seehofer? Der bayrische Ministerpräsident ist wahrscheinlich nur ein mutloser Opportunist und Populist. Er ist ja nicht nur gegen HGÜ-Leitungen, sondern auch gegen Drehstromleitungen und Windkraftanlagen. Das Urteil würde freilich anders ausfallen, wenn Bayern seine Potenziale in der Windkraft offensiv nutzen würde und sich die bayrische Landesregierung für eine neue klein-KWK-Offensive einsetzen würde, um in Form eines virtuellen Gas-Kraftwerkes für die Flexibilität zu sorgen, die zur Zeit noch fehlt. Dies wäre ein ungeheures Konjunkturprogramm und würde viele Arbeitsplätze in Handwerk und Mittelstand schaffen. Es wäre aller Mühen wert. Aber Seehofer müsste sich dafür mit der alten und noch immer mächtigen Energieplanwirtschaft anlegen… Das wäre dann etwas anderes, als ein Opperettenkonflikt mit dem von Seehofer verhassten Bundeswirtschaftsminister von der von ihm noch verhassteren SPD. Außerdem ist da noch immer die Möglichkeit, dass die Verhinderung der HGÜ-Leitungen UND die gleichzeitige Verhinderung einer zügigen Energiewende die Perspektive eröffnet, in Kürze nach einer Laufzeitverlängerung für bayrische AKW zu rufen, die Dankbarkeit der Betreiber wäre ihm gewiss.

Bedarfsplanung muss auf einen unabhängigen Prüfstand

Ein großer Teil der Wiederstände gegen die HGÜ-Leitungen rühren aus der Tatsache, dass den Menschen ein X für ein U vorgemacht wird. Berechtigte, weil auf offensichtlichen Tatsachen beruhende Zweifel werden nicht selten unter Verweis auf angeblich höhere Einsicht einfach vom Tisch gewischt. Damit beschädigt man nicht nur das Vorhaben selbst und die (zu Unrecht, wie wir gesehen haben) zur Begründung herangezogene Energiewende, sondern das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie.

Der gesamte Bundesbedarfsplan muss daher auf den Prüfstand. Die Bundesnetzagentur hat sich allerdings nicht als neutraler Sachwalter erwiesen, daher muss die Prüfung unabhängig und unter Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen erfolgen.

Klar muss aber auch sein: Die Alternative zu HGÜ ist nicht gar kein Infrastrukturausbau. Wer keine HGÜ-Leitungen, aber die Energiewende will, muss sich für die Entwicklung der Windkraft an Land einsetzen. Auch das Drehstromnetz muss verstärkt und ausgebaut werden, nicht so sehr wegen der Energiewende, sondern weil die Übertragungsnetzbetreiber jahrzehntelang zu wenig in die Netze investiert haben, hier besteht großer Nachholbedarf. Wer die Annehmlichkeiten einer entwickelten Industriegesellschaft nutzen und auch genießen, vor allem aber als Staatsbürger ernstgenommen werden will, kann nicht gegen jegliche Infrastrukturmaßnahme sein.

[1] „Insbesondere der im Norden Deutschlands erzeugte Strom aus Windenergieanlagen und neuen konventionellen Kraftwerken muss zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden und Westen Deutschlands geleitet werden.“

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  1. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Kompliment - und Hut ab !
    Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können - aber das Spiel ist mir nicht neu.
    Ich mahle seit 18 Jahren Wind zu Strom, und ich kenne diese Absurditäten gar nicht anders.

  2. Günter Reiche

    vor 4 Jahren

    Mit Verlaub, werter Herr Abgeordneter, Ihre Argumentation trägt nicht. Netze werden nicht gebaut, um die Strommengen, die einem Jahr erzeugt werden mit dem Jahresverbrauch in Einklang zu bringen, sondern sie werden für Bedarfs- und Erzeugungsspitzen ausgelegt. In Ihren Rechenoperationen stellen sie der jährlichen Windstrom-Erzeugung den jährlichen Bedarf im Norden gegenüber. So sieht es aus, als ob es passt. Jetzt müssen sie die Windräder nur noch überreden, dass sie sich entsprechend des Bedarfs auch drehen...

    Genug mit dem Blödsinn. Seite II des Netzentwicklungsplans sagt, dass wir in 2035 einen stabilen Netzbetrieb mit 110 GW installierter Windleistung und 60 GW Fotovoltaik hin bekommen müssen. Die gesamte Kohlefraktion wird dann nur noch 20 GW ausmachen. Wenn im Norden Deutschlands dann pro Stunde (!!!) 80 und mehr Gigawatt erzeugt werden, muss dieser Strom irgendwo hin. Die Verbrauchsspitze der von Ihnen charakterisierten Nordländer liegt bei ca. 38 GW. Selbst ein gigantischer Zuwachs der Speicherkapazitäten wird diesen Energieüberschuss in der Größenordnung von über 40 GW bei starkem Wind nicht aufnehmen können, schon gar nicht zu einem akzeptablen Preis, denn es ist immer kostengünstiger, Strom zu leiten, als ihn zu speichern.

  3. Windwahn Therapeut

    vor 3 Jahren

    Lieber Herr Reiche,
    Danke, dass Sie mit freundlichen Worten diesen Unfug der Jahresproduktionssummen aufzeigen. Mir ballt sich die Faust, wenn ich daran denke, dass Abgeordnete, die solch abstruse Rechenleistungen veröffentlichen, darüber entscheiden dürfen, wie unsere Energieversorgung in Zukunft funktionieren soll.
    Es braucht nur wenig Klicks, um die unnütze Stromüberproduktion der Windkraftanlagen z.B. in Schleswig-Holstein im Internet zu finden:
    "Auf Basis der Prognosen der Netzbetreiber und einer Studie ist zu erwarten, dass bis 2025 in Schleswig-Holstein rechnerisch dreimal so viel erneuerbarer Strom produziert wie hier verbraucht werden wird. Den wichtigsten Beitrag dazu leistet die Windenergie." Zitat Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, http://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/V/v_node.html,
    Dieser Windstrom soll über SUEDLINK nach Bayern transportiert werden. Länderfinanzausgleich Bayern->SH!
    Herr Krüger, verlassen Sie sich nicht auf Beifall von grünen Ideologen, die nur Klatschen und Singen in der Schule hatten, sondern fragen Sie bitte vor einer Veröffentlichung weiterer Argumente zur Energieversorgung jemanden, der rechnen kann. [Anmerkung des Moderators: Bitte in Zukunft sachlich bleiben. Falls es schwer fällt, fragen Sie jemanden, der schreiben kann.]
    Siehe auch: http://windwahntherapie.blogspot.com

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  4. Werner Weindorf

    vor 4 Jahren

    Richtig ist, dass einige HGÜ-Trassen wohl eher den Transport von Braunkohlestrom dienen als dem Transport von Strom aus erneuerbaren Energien. Zu den "Braunkohle-Trassen" gehört mit Sicherheit die Süd-Ost-Passage, da diese direkt nach "Lignite Country" führt (zu den Braunkohletagebaugebieten). Der Südlink führt hingegen an die Nordseeküste. Dort gibt es keinen Braunkohletagebau (allenfalls das neue Steinkohlekraftwerk Moorburg, das natürlich auch eine Steinkohlekraftwerk zu viel ist). Man muss sich also jede HGÜ-Trasse genau anschauen, ob sie dem Transport von erneuerbarem Strom dient oder nicht. Auch hier gibt es keine einfache Antwort.

    Den Bau von 380 kV-Drehstromtrassen als Alternative zur HGÜ halte ich nicht für sinnvoll. Der Platzbedarf von HGÜ-Leitungen (Trassenbreite) ist kleiner als bei 380 kV-Drehstromsystemen. Und man hat weniger Leitungen an den Masten hängen. Längere Kabeltrassen (mehr als etwa 60 km) funktionieren nur mit HGÜ. Ein neues 525 kV-Kabel von ABB soll 1,5 bis 2 GW übertragen können und der auszubaggernde Graben ist viel schmäler als bei einer 380 kV-Drehstrom-Kabel-Trasse (die darüber hinaus auf 60 km begrenzt ist).

    Richtig ist, dass man auch in Bayern endlich mehr Windräder bauen sollte und insgesamt die erneuerbaren Energien-Anlagen besser über das Land verteilt werden sollten. Genauso können Stromspeicher auf lokaler Ebene Netzausbau einsparen. Überhaupt sind die Verteilnetze viel wichtiger für den Ausbau der erneuerbaren Energien als die Übertragungsnetze. Aber für den im Artikel erwähnten verbleibenden Ausbaubedarf bei den Übertragungsnetzen sollte man auf jeden Fall auch die HGÜ in Betracht ziehen.

  5. Walter Kufner

    vor 3 Jahren

    Meiner Meinung nach sind die HGÜ-Trassen zumindest für Privatleute völlig überflüssig. Sie nutzen allenfalls der Industrie.
    Ich befasse mich seit ca. 30 Jahren mit erneuerbaren Energien und bin heute mehr denn je der Meinung, dass die Energiewende nur von unten kommen kann. Von der Politik ist m.E. nichts zu erwarten. Die Gründe warum das so ist, sind hinlänglich bekannt.
    Reden, bzw. schreiben alleine bringt auch nicht viel, man muß handeln!
    Ich selber produziere auf dem Dach unseres Einfamilienhauses knapp 10.000 KWh Strom pro Jahr, was ungefähr das 5fache dessen ist, was wir selber verbrauchen. Dazu kommt eine Beteiligung an einer Windkraftanlage, was dazu führt, dass unsere Familie ca. 80 mal soviel Strom pro Jahr produziert, wie wir selber verbrauchen. Darüber hinaus heizen wir im Winter gelegentlich mit einer holzbefeuerten Dampfmaschine, die auch noch etwas Strom produziert und in einen Akku einspeist. Holz ist numal nach wie vor der beste und sauberste Langzeit-Energiespeicher! Was mir noch fehlt ist ein geeigneter Stromspeicher für den Tag-/Nacht- und Kurzzeitausgleich. Den werde ich mir aber auch noch zulegen. Im Prinzip kann das eigentlich jeder Hausbesitzer so machen, man muß es nur wollen. Wer sich dafür interessiert kann ja mal www.kufner-stirling.com anklicken.

  6. Cornelia Hegele-Raih

    vor 3 Jahren

    Was Sie da machen ist keine Energiewende, sondern völlig bedarfsfern Zappelstrom zu produzieren,
    den die Allgemeinheit teuer bezahlen muss. Wenn Sie mal Stromspeicher haben (momentan viel zu teuer und die Speicherung des überflüssigen WInd-und Sonnestrom würde jeden Bürger mind 7000 Euro
    pro Jahr kosten. Wenn Sie den Speicher selber bezahlen wollen gerne, dan ist das sicher eine gute Sache, auch Solarthermie macht sinn. Aber sonst macht es keinen Sinn.
    Holz ist mittlerweile knapp und trägt übrigens mehr zur Feinstaubproduktion bei als die sauberen Diesel von VW. Die Wälder werden mittlerweile brutalstmöglich ausgeräumt wegen all der Leute, die angeblich "sauber" heizen.

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