War watt? Die Werte in der neuen Energiewelt

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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30. Juni 2016

Was sind die Aktivposten eines Energieversorgers? Sie zu bestimmen, reichte früher ein Blick in die Bilanz. Da gab es Kraftwerke, Netze und andere Anlagen. Wer diese Werte gut pflegte und sein Assetmanagement up-to-date hielt, der stand am Ende des Tages in der alten Energiewelt gut dar Heute streichen die Wirtschaftsprüfer bei den Kraftwerken jedes Jahr Milliarden-Werte aus den Bilanzen der EVUs. Milliardeninvestitionen von gestern werden wertlos in der neuen Energiewelt. Aber was zählt stattdessen?

Kommunikation in der neuen Energiewelt

Am FZI, dem Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie, wird die Informationstechnologie anwendungsorientiert unter anderem im Energiesystem der Zukunft erprobt. Das FZI House of Living Labs wurde mit moderner Technologie zur dezentralen Bereitstellung, Speicherung und flexibilisierten Nutzung von elektrischer und thermischer Energie ausgestattet, um sehr konkret in der Praxis des Alltags zu schauen, wie smart sich die neue Energiewelt gestalten lässt. Das beginnt auf der Ebene des Kühlschranks und des Herdes, setzt sich fort in der Kommunikation der hauseigenen Erzeuger von Strom, Wärme und Kälte, geht über in die Einbindung so spezieller Anwendungen wie der Elektromobilität und hat auch die Kooperation mit zahlreichen Partnern in den smarten Netzen von Baden-Württemberg zum Gegenstand.

Allein im Keller des FZI werden drei verschiedene Sprachen gesprochen, denn das BHKW, der Wechselrichter der Solaranlage und die Heizungsanlagen kommunizieren auf der Ebene von unterschiedlichen Protokollen. Es ist Aufgabe der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), die Integration von Geräten unterschiedlicher Hersteller und deren optimales Zusammenspiel in der dezentralen Energiewelt der Zukunft zu organisieren. Alle Partner müssen am Ende eingebunden werden. Neben den Herstellern sind das die Handwerker (Elektriker, Klempner, Heizungsmonteure, u.a.), die Betreiber der Netze und nicht zuletzt wir, die Prosumer. Denn auch die stillen Konsumenten von einst wollen smart genug sein, unser smartes System zu verstehen.

Vom Energieversorger zum Energiepartner

In der neuen Energiewelt, die das FZI beispielhaft aufgebaut hat und betreibt, ist kein Platz mehr für den Energieversorger von gestern. Statt eines zentralen Erzeugers und Im FZI ist alles smart. In jedem Raum ein Tablet, das die Energiedaten erfasst und das eingreifen kann.Energieflüssen, die nur eine Richtung kennen, befinden wir uns in einer Welt, in der alles mit jedem kommuniziert (oder es zumindest versucht). Der Algorithmus erkennt, wann ich im Urlaub bin, wann die Rohre gereinigt werden müssen und wann es vorteilhaft ist, dem Nachbarn Energie zu liefern.
Die Assets von gestern sind in der neuen Energiewelt nur noch von begrenztem Wert. Wichtig in der neuen Energiewelt sind Kompetenz über Systemgrenzen hinweg, Vertrauen und Kommunikation als Grundlage einer Energiepartnerschaft. Geschäft wird nur machen, wer das Vertrauen der Kunden gewinnt und sich als Partner etablieren kann. Strom oder Gas kann jeder liefern. Künftig muss mein Versorger nicht nur liefern, sondern auch von mir beziehen und für mich vermarkten können. Er wird mir helfen, effizient zu sein, den besten Preis im Verkauf und den geringsten im Bezug zu bekommen. Er wird mein Energiepartner.

 

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