Weniger Energieabhängigkeit durch mehr Markt und mehr Europa

Gastautor Portrait

Dr. Werner Langen

Europaabgeordneter der CDU für Rheinland Pfalz

Werner Langen ist seit 1994 ein Europaabgeordneter der CDU für Rheinland-Pfalz und Mitglied des Vorstands der Europäischen Volkspartei. Von 2006 bis Januar 2012 war er Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament. Der studierte Volkswirt begann seine Karriere 1975 Projektleiter am Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. 1990 und 1991 war eer Minister für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten in Rheinland-Pfalz.

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16. Mai 2014

Die von Reinhard Bütikofer in seinem Gastbeitrag vertretene Auffassung, Deutschland und Europa müsse kurzfristig seine Energieabhängigkeit verringern, um sich unabhängiger von Russland zu machen ist vielleicht wünschenswert, aber illusorisch. Tatsache ist, dass Russland seine Lieferverträge selbst in Zeiten des ‚kältesten‘ Krieges stets erfüllt hat, was verdeutlicht, dass die Abhängigkeit nicht nur in eine Richtung besteht.

Europa muss seine Energieabhängigkeit in dem Sinne verringern, als dass die Kosten für Energie nicht weiter steigen. Dabei geht es neben den wachsenden Belastungen für die Verbraucher und einer immensen Umverteilung von unten nach oben, vor allem um den schleichenden Prozess der Verlagerung von Investitionen. Dieses Argument wird von den Wasserkraft8148[1]Grünen häufig „unter den Tisch gekehrt“, da die damit verbundenen Auswirkungen nicht in Jahren, sondern Jahrzehnten wirken. Wenn sich Unternehmen heute entscheiden, Standorte in den USA denen in Europa vorzuziehen, weil die jetzigen Energiepreise überdurchschnittlich hoch sind und die zukünftige Entwicklung sehr unsicher ist, dann fallen heute Arbeitsplätze nicht sofort weg, aber es entstehen keine neuen, zukunftssicheren Arbeitsplätze hierzulande. 

Dass dieser Prozess bereits in Teilen begonnen hat, zeigen die Zahlen zu den Nettoinvestitionen. Diese sind beispielsweise in Deutschland in der energieintensiven Industrie seit Jahren negativ. Das ist sicherlich auch bedingt durch die Krise, wenn allerdings über Jahre hinweg, die Investitionen nicht einmal die Abschreibungen übersteigen (Desinvestition), so kann man hier von einem schleichenden Prozess sprechen. Diesen belegen beispielsweise aktuelle Zahlen von Deutsche Bank Research und eine Studie von PwC eindeutig. Dort gaben schon vier von zehn mittelständischen Unternehmen an, aufgrund der steigenden Kostenbelastung bereits Investitionen zu verschieben oder sogar vollends aufzugeben. Die unzureichenden Investitionen in energieintensiven Branchen schwächen die gesamte industrielle Wertschöpfungskette und wirken sich auf diesem Weg nachhaltig auf Wachstum und Beschäftigung aus.

Dieser schleichende Prozess ist nur durch mehr Markt und mehr Europa bei der Energiewende aufzuhalten. Das beste Umfeld für Effizienz und Innovationen, die zwei tragenden Säulen der Energiewende, sind nicht – wie bisher – staatlich garantierte Abnahmepreise für 20 Jahre und die vorrangige Einspeisung, sondern Wettbewerb. Die in der von der Bundesregierung geplanten Reform des EEG verfolgte gleitende Marktprämie geht zwar in die richtige Richtung, reicht aber nicht aus, da die Prämie Schwankungen im Marktpreis nahezu vollständig ausgleichen würde. Um die erneuerbaren Energie effektiver an Angebot und Nachfrage auszurichten, ist es notwendig, Anreize zu schaffen, so dass Strom dann eingespeist wird, wenn er gebraucht wird.

Über solche Ideen sollte aber nicht nur in Berlin, sondern auch in Brüssel nachgedacht werden. MastenGrassNur ein europäischer Ansatz stellt sicher, dass (i) erneuerbare Energie dort entsteht, wo sie europaweit am wirtschaftlichsten zu erzeugen ist, (ii) die Chancen der europäischen Arbeitsteilung genutzt werden und (iii) stark schwankende Energiequellen wie Solar und Windenergie besser ausgeglichen werden können. Das würde die Kosten substantiell senken, die Energieabhängigkeit reduzieren und den schleichenden Prozess der Desinvestition in Europa umkehren. Herr Bütikofer hat ein interessensorientiertes und kein wirksames Konzept, weil Marktmechanismen außer Kraft gesetzt werden.

 

 

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  1. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Wagner - ich halte es beim Thema Energiewende wie Franz Alt. Ich habe ihn mehrfach live erlebt, und er hat einen für mich prägenden Satz : Gewisse Leute muss man so lange schwätzen lassen, bis sie von allein Ruhe geben. Siemens hat aus den Niederlanden einen 1,5 Mrd € Auftrag für den Gemini Offshorepark erhalten. Für diese gewaltige Summe an Eurolingen hätte man ein Kohlekraftwerk mit mehr als 1100 MW Leistung bauen können. Stattdessen gibt man so viel Geld für 600 MW Windkraft aus. Das ist doch eine Klatsche für die, die Ökostrom immer als Zappelstrom und unbezahlbar hinstellen wollen.

  2. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr Wagner – ich halte es beim Thema Energiewende wie Franz Alt.
    " Siemens hat aus den Niederlanden einen 1,5 Mrd € Auftrag für den Gemini Offshorepark erhalten. Für diese gewaltige Summe an Eurolingen hätte man ein Kohlekraftwerk mit mehr als 1100 MW Leistung bauen können. Stattdessen gibt man so viel Geld für 600 MW Windkraft aus. Das ist doch eine Klatsche für die, die Ökostrom immer als Zappelstrom und unbezahlbar hinstellen wollen."
    ****
    Franz Alt hat ja auch genau den fachlichen Hintergrund, um bei Energiethemen so laut herumposaunen zu koennen!
    .
    Sie haetten mal lieber auf das hoeren sollen, was Prof. Helmut Alt zum Thema zu sagen hat!.
    .
    Das Siemensgeschaeft, dass Sie ansprechen ist unternehmerisch sinnvoll und kein Indiz fuer die wirtschaftliche Ueberlegenheit der Windkraft gegenueber der Kohlekraft, weil:
    1.) Windkraft wird auch in Holland hoch subventioniert - Abschoepfungseffekte!
    2.) Das Geld bei den Erneuerbaren wird verdient, bevor die erste kWh damit erzeugt wird (Installation, Projektierung, Pachten, Beratungskosten usw.)
    .

  3. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - sie liefern wieder großes Kino. Franz Alt darf man nicht zitieren. Der ist nicht vom Fach, und hat deshalb keine Ahnung. Wenn aber Prof. Sinn zur Energiewende seinen Senf abgibt, dann ist das wie ein Wort aus der Bibel.
    Und was die Niederländer angeht:
    Wer hat diese denn gezwungen, einen Offshorepark zu bauen ? Für das Geld hätte man ein 1100 MW Steinkohlekraftwerk bauen können, und hätte noch 200 Mio € gespart.
    Nicht anders die Situation bei den Briten. Bevor die ein Kohlekraftwerk bauen, investieren sie lieber in Windnutzung.

  4. Dirk Kaiser

    vor 4 Jahren

    Hallo Herr Wagner, wenn ich Ihnen eine Aussage von Herrn Windmüller zugeschrieben habe, war das ein Versehen - Entschuldigung! -Nur zu Ihrer Aussage:

    "...zu 1: 200 Milliraden für die Atomkraft – stellt wohl keine Subvensionen dar – oder empfinden Sie das als selbstverständlich?"
    ****
    Bitte belegen Sie doch mal die angeblichen 200 Mrd. Euro! Wir wollen doch jetzt nicht allen ernstes jeden unsinnigen Posten des FÖS-"Gutachtens" durchegehen- oder? Im Übrigen hat sich Greenpeace zu den 204 Mrd. Euro, die Sie vermutlich meinen, noch weitere 100 Mrd. Euro ausgedacht - klingt das nicht viel schrecklicher und damit hilfreicher für Ihre "Argumentation"?
    .
    Das Öko-Institut, also eine eher Ihrer Auffassung nahestehende Organisation (Kernenergiegegner) hat die gesamten Kernenergiesubventionen mit 54 Mrd. Euro beziffert, da sind THTR usw. mit enthalten... und das passt auch etwa von der Größenordnung!
    .
    http://www.streitpunkt-kernenergie.de/index.php?id=16
    .
    Selbst wenn Ihre utopischen 200 Mrd. oder die 300 Mrd. von Greenpeace korrekt wären, wäre das pro erzeugter kWh immer noch weniger als bei den EE. Genau aus diesem Grund versucht die Öko-Bewegung ja, dieses Missverhältnis weiter zu verschleiern, indem man sich ständig neue fiktive Kosten der Kernenergienutzung ausdenkt...
    .
    Im Übrigen - und das sage ich mit Blick auf die unzähilgen Anspielungen von Herrn Windmüller - bin ich nicht generell gegen Subventionen, auch nicht gegen eine Anschubfinanzierung von EE (!!!) - ich bin jedoch gegen eine dauerhafte Alimentierung (Subventionen, Protektionierung, Bevorzugung, staatlich Vorrangregulierung,...) von Technologien, die auf Dauer nicht ohne eine solche Bevorzugung überlebensfähig sind.

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