Wasserkraft – Die vergessene Erneuerbare? Einladung zum Debattenabend

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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16. Oktober 2015
Wasserkraft

Sie war vor allen anderen da. Jetzt spielt sie in den Diskussionen kaum noch eine Rolle: Die Wasserkraft. Dabei leistet sie einen bedeutenden Beitrag für unsere Wirtschaft, für die Versorgungssicherheit mit Strom und für den Klimaschutz. Daten und Fakten zum volkswirtschaftlichen Wert und ihr Potential für die europäische Energieversorgung beschreibt eine makro-ökonomische Studie, die eine Initiative Europäischer Unternehmen und Verbände des Wasserkraftsektors in Auftrag gegeben hat.

Vorteile der Wasserkraft

Nicht zuletzt aufgrund der seit Jahren ausgereiften Technologie können Wasserkraftwerke mit Wirkungsgraden von über 85 Prozent überzeugen. Da sie weitgehend unabhängig vom Wetter funktioniert und sich speichern lässt. spielt Wasserkraft in allen Überlegungen zur Wasserkraft2Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Innerhalb der EU-28 erzeugen die Wasserkraftanlagen jährlich rund 380 TWh. Das sind etwa 13 % der gesamten Stromerzeugung. Der Beitrag der Wasserkraft zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung beträgt pro Jahr rund 25 Mrd. € für die EU-28 bzw. 38 Mrd. € für Europa (EU-28, Norwegen, Schweiz, Türkei). Darüber hinaus sichert der Wasserkraftsektor in Europa rund 120.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze Die Wertschöpfung je Mitarbeiter beträgt 650.000 € pro Jahr. Die Speicher- und Pumpspeicher sind die mit Abstand bedeutendste Speichertechnologie in Europa. Die rund 220 TWh Speicherkapazität entsprechen beinahe 25 Tagen durch- schnittlichen Strombedarfs.

Potential der Wasserkraft in Europa

Die Studie untersucht auch das mögliche Ausbaupotenzial der Wasserkraft und dessen volkswirtschaftliche Effekte: Bis 2030 ist ein Zuwachs um bis zu 20 % in Europa (EU-28: bis zu +7) möglich; bis 2050 um bis zu 31 % in Europa (EU-28: bis zu +19 %).

„Wasserkraft ist somit eine wichtige Schlüsseltechnologie für den Umbau des Stromsystems in Richtung nachhaltige Energieversorgung und soll zum Vorteil für die Versorgungssicherheit in Europa bestmöglich genutzt werden“, so Verbund-Vorstand Günther Rabensteiner. Verbund ist Österreichs führendes Stromunternehmen und einer der größten Wasserkraftstrom-Erzeuger in Europa, das Unternehmen hatte die Studie federführend betreut.

Nicht ohne Probleme

Wasserkraftwerke stellen immer einen Eingriff in die Natur da. Der ist dann besonders groß, wenn Staudämme errichtet oder künstliche Speicher errichtet werden. Laufwasserkraftwerke verändern das Fließverhalten des Flusses und greifen in sensible Lebensräume von Fischen und Wasserpflanzen ein. Fischpopulationen werden etwa durch ein Flusswasserkraftwerk getrennt. Auch der Grundwasserhaushalt kann durch ein Wasserkraftwerk gestört werden.

Wasserkraft, Rheinfelden

Durch Großprojekte in Asien und Lateinamerika wurden soziale Spannungen geschürt, weil viel tausend Menschen umgesiedelt und die Rechte indigener Völker missachtet wurden. Die ökologischen Folgen sind zum Teil verheerend. Mega-Projekte wie der berühmte Drei-Schluchten-Damm sind nur in einer diktatorischen Gesellschaft durchsetzbar.

In Deutschland gilt das Potential der Wasserkraft als weitgehend ausgereizt. Es gibt kaum noch einen größeren Fluss ohne Wasserkraftwerk. Aufgrund der zahlreichen ökologischen Folgewirkungen sind größere Eingriffe bei uns kaum mehr durchsetzbar.

Wasserkraft – Die vergessene Erneuerbare?
das ist auch der Titel des nächsten Debattenabends der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg. Er findet statt am

Mittwoch, 28. Oktober 2015 um 18:30 Uhr,
Haus der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Straße 19, 70174 Stuttgart

Impulsvorträge kommen von
Konrad Hölzl, Referat III B 5, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Dr. Günther Rabensteiner, Mitglied des Vorstands VERBUND AG
Dr. Gerhard Bronner, Vorsitzender Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg
Dr. Hans-Josef Zimmer, Mitglied des Vorstands EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Für unsere Leser steht wie immer ein kleines Kontigent an kostenlosen Eintrittskarten bereit, Bitte melden Sie sich mit dem Stichwort „Energiewendeblog“ unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Adresse an über energieundklimaschutzBW@enbw.com

Weiterführende Links
Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke in Deutschland
Bundesverband deutscher Wasserkraftwerke
Portal der Süddeutschen Zeitung zur Wasserkraft

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