War watt? Grass stromert durchs Netz

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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24. April 2014

Pünktlich zum Earth-Day hat sich der Apple-Konzern mit einer Image-Kampagne zu Wort gemeldet und verkündet, das Unternehmen sei zu 94 Prozent erneuerbar.

Bevor jetzt iPhones und iPads im Bio-Supermarkt vertrieben werden, sei daran erinnert, dass sich diese Aussage auf nur auf den Einsatz von Erneuerbaren Energien im Konzern bezieht. Ansonsten lassen sich bei den Dingern die Akkus immer noch nicht vom Kunden wechseln. Dringend erneuerbar sollen auch die ökologischen und sozialen Zustände bei den Zulieferern sein.

Eine Millionen Elektrofahrzeuge will die Bundesregierung bis 2020 auf die Straßen bringen. Das wäre ein Marktanteil von etwa 2,5 Prozent. Andere sind heute schon weiter. Dank einer großzügigen Förderung haben in Norwegen Elektroautos bereits einen Marktanteil von 16 Prozent erreicht. Aber auch in Deutschland bewegt sich elektrisch was. Gefördert durch das Programm „IKT für Elektromobilität II“ untersuchen die Projektpartner (Vattenfall Innovation GmbH, Energie-Forschungszentrum Niedersachsen, der Terminal-Betreiber HHLA und Terex Port Solutions) im Container Terminal Hamburg-Altenwerder, wie Batterien von Containertransportfahrzeugen dann geladen werden können, wenn Windstromspitzen im Netz sind.
Man darf gespannt sein, ob und wann das Modell den Hafen verlässt. Aber wie werden die Brummis auf unseren Straßen dann heißen, wenn sie Dank Windstrom keinen Lärm mehr machen?

Alle reden hier über Strom, aber der ist im Haushalt (fast) unwichtig. 83 Prozent des Energie-Einsatzes im Privathaushalt entfällt auf Heizung und Warmwasser. Sparsamkeit und Effizienz finden hier einen langen Hebel. Eine aktuelle Befragung von infratest dimap im Auftrag des Bundesverband Solarwirtschaft e.V. ergab nun: Es weiß kaum jemand.
Sollten wir vielleicht erst noch mehr Geld in die Bildung stecken und mit der Energiewende so lange pausieren, bis wir im PISA-Ranking ganz oben stehen?

47,7 Mrd. US $ wurden im ersten Quartal 2014 weltweit in Erneuerbare Energien investiert. Insgesamt wuchs der globale Markt der Erneuerbare Energien um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Quartal. Das berichtet Bloomberg New Energy Finance (BNEF).
Die Ursachen des Booms liegen in China (plus 18 Prozent), im restlichen Asien und Ozeanien (plus 26 Prozent) und den USA (plus 50 Prozent). Bremser der Entwicklung war Europa (minus 30 Prozent). Hat good old Europe verkannt, dass die Energiewende kein Sprint, sondern ein Marathon ist?

Bleifreies Bier! Das war eine populäre, durch den Comic-Helden Werner Beinhart angeheizte HolzGrassForderung meiner Studentenzeit. In Zeiten der political correctness lässt sich heute „Erneuerbares Bier“ ordern. Im schönen Städtchen Leutkirch im Allgäu hat die Brauerei Härle sowohl Erzeugung als auch Vertrieb des edlen Gerstensaftes auf Erneuerbare Energien umgestellt. Als erste deutsche Brauerei produziert Härle heute klimaneutral.
Die Wärmeversorgung läuft auf Basis von Holzhackschnitzeln, Strom erzeugen drei PV-Anlagen, den Rest liefert ein Ökostromanbieter und der Fuhrpark wird mir heimischem Bio-Diesel angetrieben.
Was will man dazu sagen?
Prost.

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  1. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Das ist immer das Tolle bei den Umweltengagierten: Während jede Lötstelle eines neuen Smartphones auf nachhaltige Herstellung untersucht wird und Hersteller gnadenlos an den Pranger gestellt werden, drückt man bei tausenden Tonnen radioaktiven Abfall aus der Neodymherstellung für Windkraftanlagen großzügig beide Augen zu! - Ist ja auch für eine "gute Sache"!

  2. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - ihr Brötchengeber betreibt die Offshoreparks EnBW Baltic 1 und EnBW Baltic 2. Die Turbinen kommen von Siemens. Haben sie vor der Zentrale ihres Brötchengebers schon eine Mahnwache eingerichtet ?
    Oder haben sie wenigstens einige Kerzen angezündet - als stillen Protest gegen den Neodym Einsatz ihres Brötchengebers ??

    0 1
  3. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - auch wenn sie Frust ablassen müssen, Neodym spielt bei der Windkraft eine ganz untergeordnete Rolle. Die Getriebeanlagen von GE, Nordex, Senvion oder Gamesa benötigen kein Neodym, und die Anlagen von Enercon arbeiten auch ohne Neodym. Lediglich ein bestimmter Anlagentyp von Siemens hat Neodymmagnete verbaut.
    Jetzt ist es ihnen ja freigestellt, eine Mahnwache vor der Siemens Zentrale abzuhalten.

  4. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    "Die Getriebeanlagen von GE, Nordex, Senvion oder Gamesa benötigen kein Neodym, und die Anlagen von Enercon arbeiten auch ohne Neodym"
    ****
    "Die neueste Generation der Windkraftanlagen hat kein Getriebe mehr, sondern einen Direktantrieb. Das ist „die Zukunft der Windkraft“." (Prof. Dr.-Ing. Friedrich Klinger von der Forschungsgruppe Windenergie)
    .
    Dazu eine Beschreibung von Dr. Ludger Weß
    "In konventionellen Windrädern mit Getriebe wird der Strom durch einen Elektromagneten erzeugt, dessen Drehgeschwindigkeit dank des Getriebes sehr hoch ist. Ohne Getriebe laufen die Generatoren dagegen mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Rotoren. Unter diesen Bedingungen benötigt man Ringgeneratoren. Auch hier kann man Elektromagnete einsetzen, handelt sich damit aber wieder Nachteile in Form von Größe und Gewicht sowie von Verschleißteilen (Schleifringe) ein. Viele Hersteller setzen daher statt eines Elektromagneten Permanentmagnete ein, die ein so starkes Magnetfeld erzeugen, dass eine nur 1,5 cm dicke Permanentmagnetscheibe eine 10-15 cm lange Kupferspule ersetzen kann. "
    .
    In 2009 hatten 40% der neu installierten Anlagen ein Getriebe, aber weil die große Mehrheit der Hersteller an getriebelosen Anlagenkonzepten arbeitet, geht eine Studie von trendresearch für Deutschland von einem drastischen Rückgang der Anlagen mit Getriebe aus. 2020 werden ca. 55% aller dann vorhandene Anlagen einen Direktantrieb haben. Bis auf einen Hersteller - Enercon - setzen derzeit alle auf Direktantriebe mit Permanentmagneten.

    trendresearch.de/studie.php?s=405

    2 0
  5. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    weiter bei Dr. L. Weß:
    .
    "...Um solche starken Permanentmagneten zu erzeugen, sind Metalle der so genannten Seltenen Erden nötig, vor allem Neodym, das zum Aufbau von starken Neodym-Eisen-Bor-Magneten genutzt wird. Als Faustregel gilt: pro Megawatt Leistung benötigt ein Direktantrieb ca. 200 kg Neodym. Für eine 5MW-Anlage, wie sie etwa in im alpha ventus Windpark vor Borkum eingesetzt wird, wird also eine Tonne Neodym benötigt. Neodym aber ist ohne große Mengen radioaktiven Abfalls nicht zu haben, denn es kommt nur in chemischen Verbindungen vergesellschaftet mit anderen sog. Lanthanoiden vor - und mit radioaktiven Elementen, z. B. Thorium oder Uran. "

    1 0
  6. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    .
    dailymail.co.uk/home/moslive/article-1350811/In-China-true-cost-Britains-clean-green-wind-power-experiment-Pollution-disastrous-scale.html#ixzz1E4uvB04J
    .

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