War watt? Grass stromert durchs Netz

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

weiterlesen
17. April 2014

Alle (fünf) Jahre wieder erinnert uns der IPCC daran, warum wir uns mit diesem äußerst komplexen Vorhaben der Energiewende herumschlagen. Der Beitrag der IPCC-Arbeitsgruppe 3 zum Klimaschutz wurde am Sonntag in Berlin vorgestellt. Die Quintessenz aus 2000 Seiten: Wenn die Menschheit jetzt handelt, kostet es nicht viel, den Planeten zu retten.

Der fünfte Sachstandsbericht des IPCC kann hier heruntergeladen werden.

Und welche Partei hat nach der Veröffentlichung des Berichts sofort Alarm geschlagen und  ein eigenes Konzept „Sofortprogramm für Klimaschutz“ auf den Tisch gelegt? Wie zu erwarten ergriff der Klimakreis der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag die Initiative und legte ein lesenswertes Papier vor.

Industrie und Wirtschaftsminister (der ganz besonders) waren in heller Aufregung wegen der  Industrierabatte bei der EEG-Umlage. Milliarden, die als unzulässige Beihilfen gemäß EU-Recht gewährt worden seien, könnten zur Rückzahlung fällig werden – so vermuteten es über Wochen die Medien. Alle erwarteten nun, die EU mache weitgehend Schluss mit den Sonderreglungen. Weit gefehlt. Die neue Beihilferichtlinie der EU macht eine Ausweitung der Privilegien für die Industrie möglich.  

Felix Matthes (Öko-Institut) hat mal nachgerechnet, wie sich das neue EU-Recht wahrscheinlich auswirkt

Die Idee ist bestechend: Überschüssiger Windstrom wird zur Erzeugung von Methangas genutzt, das in die reichlich vorhandenen Lagerstätten eingespeist wird. Der kleine Haken dabei: Auf Grund der hohen Kosten und des geringen Wirkungsgrades ist das Power-to-Gas-Verfahren weit von einer wirtschaftlichen Nutzung entfernt.

Mit HELMETH, einem EU-Projekt, könnte sich das ändern. Die Forscher des Karlsruher KIT sind jedenfalls zuversichtlich, durch eine thermische Verkettung chemischer Prozesse den Wirkungsgrad des Verfahrens auf 85 Prozent anheben zu können.   

Vielleicht kommt ja der Schwung, den die Energiewende dringend braucht, nicht aus Berlin oder Brüssel sondern aus Karlsruhe.

Der Megatrend in der Energiewirtschaft ist der Trend zur Dezentralität. Das wird die Welt der Energie komplett verändern.“  Solche Sätze klingen mittlerweile banal, weil man sie schon oft gehört hat. Aus dem Mund von Stephan Reimelt, dem Leiter der deutschen Energiesparte des US-Konzerns General Electric, bekommt das schon einen anderen Sound. „Deutschland mit seiner Energiewende ist im Augenblick das größte Energielabor der Welt. Wer global Erfolg haben will, muss an diesem Energielabor teilhaben.“

Aber warum ist diese Energiewende so ein schreckliches zähes Leder? Völlig zerfasert in Umlagen, Ausgleichsmechanismen und allegorischen Monstern wie dem „atmenden Deckel“?  Bei der Ursachsenforschung ist man in dieser Woche ein Stück voran gekommen. „Die „Energiewende-Kommunikation muss sexier werden!“
Die Energiewende-Bloggerin Kathrin Hoffmann stemmt sich diesem Verdikt wortreich entgegen, kann aber auch nichts daran ändern, dass es kompliziert bleibt.
Und so ganz erfolglos ist die Energiewende-Kommunikation ja nicht.  57 Prozent der Deutschen wollen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt wird. Nur 14 Prozent votieren laut ZDF-Politbarometer dafür, dass es langsamer voran geht.

Zahlreiche Hinweise auf die Erneuerbaren Energien und den Klimaschutz lassen sich übrigens schon bei Goethe finden

Osterspaziergang

Vom Eise befreit (Wärmetauscher) sind Strom und Bäche, (Wasserkraft)
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend,
nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weisses, (Photovoltaik)
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen (WKA-Standorte)
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dring ein buntes Gewimmel hervor. (Reibungsenergie)
Jeder sonnt sich heute so gern. (Photovoltaik)
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, (Energie effizientes Wohnen)
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht. (Photovoltaik)
Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit‘ und Länge, (Wasserkraft)
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.

——–

In diesem Sinne: Frohe Ostern

 

 

Diskutieren Sie mit

  1. Kathrin Hoffmann

    vor 5 Jahren

    Hallo Herr Grass,

    vielen Dank für Ihre tolle Zusammenfassung der aktuellen Ereignisse. Ich freue mich sehr, dass Sie in diesem Zusammenhang auch auf meinen Blogbeitrag hinweisen. Leider funktioniert der hinterlegte Link nicht recht :-(

    Sonnige Grüße aus Hannover!

  2. Hubertus Grass

    vor 5 Jahren

    Liebe Frau Hoffmann,

    herzlichen Dank für den Hinweis. Jetzt sollte es funktionieren.

    Grüße von der Elbe an die Leine.

    0 0
  3. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    "Die Idee ist bestechend: Überschüssiger Windstrom wird zur Erzeugung von Methangas genutzt, das in die reichlich vorhandenen Lagerstätten eingespeist wird. Der kleine Haken dabei: Auf Grund der hohen Kosten und des geringen Wirkungsgrades ist das Power-to-Gas-Verfahren weit von einer wirtschaftlichen Nutzung entfernt. "
    *******
    Ich vermute mal, Herr Windmüller vertritt eine gänzlich andere Auffassung dazu. Leider ist das mit vielen Ideen unserer Energiewende so: klingt erstmal toll und ist prinzipiell technisch auch umsetzbar aber völlig unpraktikabel... Aber es ist schön zu sehen, dass man sich nunmehr den Kernthemen zuwendet, also nicht etwa den Lösungen dieser Probleme näher kommt, sondern versucht, es den Leuten einfach schöner zu reden (neudeutsch: die Kommunikation zu verbessern).
    .
    Dabei stoßen doch schon jetzt nahezu alle Qualitätsmedien in Deutschland beim Thema Energiewende in das gleiche "Erfolgshorn"... nunja, wenn nicht bald auch mal ein Erfolg herauskommt, den die Menschen selbst spüren () also ein Erfolg für die Menschen und nicht nur für die EE-Profiteure) und ihn nicht nur für ihre GEZ-Gebühren vorgebetet bekommen.
    .
    Ich denke auch, dass die Herausforderung an die Kommunikation zur Darstellung der Erfolgsgeschichte größer werden, je weiter Schein und Realität auseinanderklaffen.
    .

  4. Hubertus Grass

    vor 5 Jahren

    Sehr geehrter Herr Kaiser,

    das grundsätzliche Problem, das Sie mit der Energiewende haben, hat bereits Konfuzius beschrieben:

    "Du kannst den Hahn zwar einsperren, die Sonne geht dennoch auf."

    In unserem Sinne halte ich es daher für eine unglaubliche Energieverschwendung, wenn sich intelligente Fachleute, wie Sie es zu sein scheinen, Ihre Energie in Obstruktion stecken, anstatt sich an einer technisch realistischen und wirtschaftlich vernünftigen Gestaltung der Energiewende zu beteiligen.

    Schade.

    1 1
  5. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Hallo Herr Grass,
    interessant, dass Sie dieses Konfuzius-Zitat anbringen, um ein Projekt "zu verteidigen", dessen erfolgreiche Umsetzung eine Aushebelung von Naturgesetzen bedeuten würde.
    .
    Anders als einige Forenteilnehmer hier, verdiene ich keinen Cent daran, wenn wir eine bestimmt Energiepolitik betreiben aber es kostet mich (und nicht nur mich) eine ganze Menge Geld, wenn wir eine falsche Energiepolitik betreiben. Viele Länder unterstützen den Aufbau von EE-Erzeugungskapazitäten aber nur Deutschland zerschlägt das Rückrat seiner zuverlässigen Stromerzeugung.
    .
    Deutschland ist und bleibt weltweit das einzige Land, dass sich mit einer Energiewende selbst kasteit.
    Man sieht sich von interessierter Seite gern als Vorreiter oder Pionier, weil man der erste war, der diesen Weg beschritten hat. Wenn etwas Vorteile bringt, findet es schnell viele Nachahmer... Fakt ist:
    Länder, die dies ebenfalls versucht haben, sind wegen zu hoher Kosten faktisch ausgestiegen (z.B. Spanien, Tschechei, Australien).
    Wenn man also der Einzige auf diesem Weg ist, ist man vielleicht nur ein Idiot und der Weg ist falsch!

    1 0
  6. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    .
    Oberstes Ziel der Energiewende war die Einsparung von CO2. Fakt ist: Trotz inzwischen 64 GW EE-Erzeugungsleistung und explodierender Strompreise ist der CO2-Ausstoß von D gestiegen (ich glaube sogar als einziges EU-Land!).
    .
    Das ganze CO2-Thema ist inzwischen mehr Politik als Wissenschaft und Politiker suchen Mehrheiten und keine Wahrheiten! Sie glauben an die Klimakatastrophe, es ei Ihnen unbenommen, ich halte das CO2 nicht für so klimasensibel, wie und Politik und Profiteure der E-wende glauben machen wollen. Und wie schonmal gesagt: Der unwiderlegbare wissenschaftliche Nachweis für die Gültigkeit der AGW-Hypothese ist nach wie vor nicht erbracht!
    .
    Was passiert denn, wenn wir für viel Geld tatsächlich unseren CO2-Ausstoß um 20(?)% reduzieren? China erhöht jedes Jahr seinen CO2-Ausstoß um einen Betrag, der dem gesamten Ausstoß Deutschlands entspricht. Wenn man denn an die Klimakatastrophe glauben möchte, würden wir für viel Geld und jahrzehntelange Selbstbeschneidung diese Katastrophe um wieviel - 14 Tage(?) verzögern?
    .

    1 0
  7. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    .
    Hier ist noch eine tolle Idee:

    Für die Speicherung der Stundenproduktion einer Windkraftanlage der 5 MW-Klasse brauchen wir 5 Mio Euro zzgl. 1 Mio. Euro Förderung (taucht im Topf „Subventionen an die EE“ aber sicher nicht auf).

    Rechnen wir doch mal hoch:
    ... wir haben in Deutschland derzeit eine Winderzeugungsleistung von etwa 34.000 MW installiert. Um eine einstündige Windflaute zu überbrücken, würden wir also 6.800 solcher Batteriepacks brauchen, die "nur" knapp 41 Mrd Euro kosten. Eine nicht selten auftretende 14 tägige Windflaute kostet schlappe 13.708 Mrd Euro!
    Hm... das könnte mit der Finanzierung vielleicht etwas knapp werden...

    .
    welt.de/wirtschaft/energie/article126958257/Monster-Akku-im-Norden-soll-Flatterstrom-zaehmen.html

  8. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    politisierte Wissenschaft...
    .
    smh.com.au/world/ipcc-report-summary-censored-by-governments-around-the-world-20140414-zqugm.html
    .
    Vielleicht muss man ja nicht alles glauben, was irgendwo in irgendeiner Zeitung steht... aber die unkritische Übernahme und zu eigen machen von Positionen... ist der ebenso falsche Gegensatz...
    .

  9. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Was ich gar nicht verstehe Herr Kaiser
    Die Niederlande haben bei der Magdeburger Windschmiede Enercon Windkraftanlagen für 200 Mio € geordert.Es handelt sich um die E 126, die größten Windräder der Welt.
    Die Niederlande sind über eine HGÜ Leitung an Norwegen angebunden. Die Nor/Ned Leitung geht von Eemshafen nach Norwegen. Eemshafen ist ein einziges Meer von Windkraftanlagen. Diese gehören übrigens RWE. Über diese Schiene können Norwegen und die Niederlande Ökostrom austauschen.
    Was die Niederländer können, führt in Deutschland zum Untergang des Abendlandes?
    Deutschland ist ideologisch verbohrt - aber so richtig.

    0 0
  10. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Schön, dass Sie gerade auf diesen Beitrag antworten aber wenn Sie sich die Mühe machen würden, den verlinkten Artikel zu lesen, hätten Sie vielleicht mitbekommen, dass es in diesem Artikel nicht um die deutsche Energiewende, sondern um die Arbeitsweise des IPCC geht.
    .
    Vor einigen Tagen hatte ich einen Link eingestellt, wo einer der Leitautoren das IPCC verlassen hat, weil man weniger von Wissenschaft als von Politik geleitet wurde.
    Herr Grass hatte dies als (sinngemäß) bedeutungslosen Einzelfall abgetan... Dieser neuerliche Artikel deutet in die gleiche Richtung...
    .
    ... aber natürlich kein Grund, am Glauben zu zweifeln! Die Menschen sind alle schlecht und müssen Ablass für ihr Dasein leisten!

    1 0
  11. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr Windmüller
    "Was ich gar nicht verstehe Herr Kaiser
    Die Niederlande haben bei der Magdeburger Windschmiede Enercon Windkraftanlagen für 200 Mio € geordert.Es handelt sich um die E 126, die größten Windräder der Welt. usw..."
    ***
    Weil Sie sich immer nur das Stückchen aus der Wirklichkeit nehmen (cherry-picking!), das in Ihren Glauben passt und weil für Sie die Welt schon in Ordnung ist, wenn irgendwo eine Windmühle aufgestellt wird! - Darum verstehen Sich nichts!
    Es stimmt, Holland hat eine Leitung nach Norwegen: 700 MW, Kosten 750 Mio Euro (das ist etwa ein halbes Kohlekraftwerk der 1.000 MW-Klasse.
    Auch Deutschland plant für 2017 eine Trasse nach Norwegen. Die Genehmigung hat Tennet - meines Wissens Anfang 2013 erhalten. Die 530 km lange Nordlink soll eine Leistung von 1.400 MW, also nicht einmal 4% der deutschen Winderzeugungsleistung! Für einen signifikanten Beitrag müßten es denn schon 5 bis 6 solcher Leitungen sein!
    Ein weiterer Punkt, den Ihre Klientel immer so schön ausblenden: Die norwegischen Wasserkraftwerke lassen sich nur in eine Richtung betreiben - also nix mit "Strom austauschen"!!! Sie müßten erst teuer umgebaut werden, um sie auch als Pumpspeicherwerk berteiben zu können - das würden wir wohl über Netzentgelte auch mitbezahlen dürfen. Und ob Naturschützer da so ohne weiteres mitspielen? Oder ist die Natur in diesem Fall nicht so wichtig? Außerdem hätten die Norweger bestimmt ein Problem damit, wenn man sich auf diese Weise das teure deutsche Strompreisniveau importieren würde (Konkurrenz norwegischer u deutscher Strommarkt in Bezug auf norwegens Wasserkraft).
    Ach ja, Sie sind so schon unbedarft, da ist die Welt so schön einfach: Die Guten und die Bösen sind eindeutig markiert und am Ende werden die Bösen besiegt und die guten heiraten und sind glücklich bis an ihr Ende...
    .

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

War watt? Grass stromert durchs Netz
5
2