Verbraucher als Partner – nur so kann die Energiewende langfristig gelingen

Gastautor Portrait

Dr. Thomas Engelke

Verbraucherzentrale Bundesverband

Thomas Engelke studierte Biologie in Regensburg, Bielefeld und London. Nach Beendigung seiner Promotion 1991 leitete er das Referat Biotechnologie in der Landesregierung Schleswig-Holstein und war als nationaler Experte bei der Europäischen Kommission tätig. Er wechselte 2004 in das Hanse-Office, der Gemeinsamen Vertretung Hamburgs und Schleswig-Holsteins bei der EU. Seit 2016 arbeitet er als Teamleiter Energie und Bauen für den Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.. Wichtige aktuelle Arbeitsschwerpunkte betreffen Energieeffizienz, Energiemix, Energienetze, Prosumenten sowie die Auswirkungen der Energiewende auf Verbraucherinnen und Verbraucher.

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20. Februar 2017
Verbraucher als Partner der Energiewende will der Verbraucherzetralee Bundesverband

Nach wie vor unterstützt eine große Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ziele der Energiewende – trotz der vielen negativen Schlagzeilen. Der Umbau von nicht weniger als der gesamten Energieversorgung ist eine Mammutaufgabe. Das kostet. Verbraucher sind bereit, ihren Anteil zur Energiewende beizutragen. Aber viele Verbraucher bezweifeln, dass die Bundesregierung die Energiewende zum Erfolg führen und gleichzeitig für die Bezahlbarkeit der Energie- und Stromkosten sorgen wird. Was also läuft schief?

Viele Verbraucher fragen sich: Sind die Lasten fair verteilt? Wie kann ich von der Energiewende profitieren? Kann ich selbst Einfluss nehmen? Drei Beispiele:

1. Unternehmen müssen ihren Teil zur Energiewende beitragen 

Die EEG-Umlage steigt fast jedes Jahr, allein von 2016 auf 2017 um 8 Prozent. Sie wird als Differenz zwischen dem an der Strombörse erzielten Preis und der festen Vergütung für die Erneuerbare Energien-Anlagen gezahlt. Wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint und damit viel Strom im Angebot ist, sinkt der Strompreis an der Leipziger Börse. Gleichzeitig steigt aber die EEG-Umlage. Der niedrige Strompreis kommt also nicht bei den Verbrauchern an. In den letzten Jahren hat sich dieses Problem noch vergrößert. Viele Wind- und Solaranlagen wurden gebaut, während gleichzeitig die alten konventionellen Kraftwerke noch am Netz sind. Die energieintensive Industrie profitiert dagegen voll vom niedrigen Strompreis. Sie ist von der EEG-Umlage weitgehend befreit. Und diese Industrieausnahmen wurden immer weiter ausgeweitet, zulasten der Verbraucher.

2. Mieterstrom muss kommen

Ausnahmen gibt es auch für selbstproduzierten Strom. Viele Industrieanlagen sind ganz oder teilweise von der EEG-Umlage befreit, wenn sie ihren selbst produzierten Strom direkt verbrauchen. Hauseigentümer müssen ebenfalls keine oder nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen, wenn sie den Strom aus der eigenen Solaranlage nutzen. Für Mieter gilt das nicht. Auch wenn eine Solaranlage auf dem Dach installiert ist und auch wenn die Mieter den Strom aus dieser Anlage selbst nutzen. Seit Jahren wird eine Gleichstellung von Eigentümern und Mietern diskutiert, seit Monaten arbeitet die Bundesregierung an einer Lösung, aber noch immer gibt es keinen Durchbruch. Mieterstrom muss jetzt grünes Licht bekommen.

3. Mieterhöhungen müssen sich an den eingesparten Kosten orientieren

Energetische Sanierungen sind eine zentrale Maßnahme, um den Energieverbrauch im Gebäudesektor zu senken. Sie dürfen allerdings nicht als Vorwand für Mieterhöhungen genutzt werden. Die Miete darf also nicht stärker steigen, als Kosten durch die energetische Sanierung auch tatsächlich eingespart werden. Die aktuell erlaubte zeitlich unbefristete Umlage von 11 Prozent der gesamten Sanierungskosten auf die Miete ist viel zu hoch.

Eine faire Kostenverteilung wird mit dem weiteren Fortschreiten der Energiewende immer dringlicher. Nicht ganz zu Unrecht hat der Bundesrechnungshof kürzlich der Bundesregierung eine mangelnde Steuerung und Kontrolle der Energiewende vorgeworfen. Die Idee eines Energiewendefonds sollte im Rahmen einer neuen Finanzierungsstruktur der Energiewende eingehender diskutiert werden. Verbraucher könnten damit von der EEG-Umlage entlastet werden.

Es geht aber nicht nur um finanzielle Vorteile, sondern auch um die bessere Teilhabe der Verbraucher als Prosumenten an der Energiewende. Neben den großen und mittleren vzbv: Verbraucher als Partner der Energiewende Energieerzeugern werden immer mehr Einzelpersonen und Gruppen selbst Energie erzeugen können und wollen, sei es in Bürgerwindparks oder in der dezentralen Wärmeversorgung. Und bei der Nutzung der Solarenergie könnten sich bald ganz neue Geschäftsmodelle ergeben, insbesondere dann, wenn die Kosten für Solarpaneele und Batteriespeicher so stark sinken, dass sich diese Kombination für viele Verbraucher zur Stromversorgung rechnet.

Verbraucherinnen und Verbraucher werden als zentrale Beteiligte der Energiewende gebraucht. Nur zusammen mit Ihnen als Partner können die Ziele der Energiewende erreicht werden. Dazu gehört die Bezahlbarkeit von Energie – bei fairer Verteilung der Kosten.

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  1. Manfred.Abele

    vor 2 Jahren

    ich bin der Meinung, das die Industrie auch Ihren Teil beitragen sollten und nicht alles auf die Privathaushalte abwälzen die Firmen dürfen ein Antrag stellen um von der Umlage freigestellt zu werden,
    die Privathaushalte dürfen kein Antrag auf Freistellung stellen die müssen brav zahlen.
    Finden Sie das Richtig?

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