Der Klimawandel und seine Bedeutung für die Unternehmenssteuerung und -berichterstattung

Gastautor Portrait

Thomas Kusterer

Finanzvorstand der EnBW Energie Baden-Württemberg AG
05. Oktober 2016
Finanzvorstand EnBW

Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar und werden in allen gesellschaftlichen Bereichen wesentlich aufmerksamer verfolgt als früher. Das gilt besonders im Hinblick auf die ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen der globalen Klimaveränderung. Wirtschaft und Politik sind sich weitgehend einig, dass Unternehmen Maßnahmen ergreifen müssen, um das Klima auf der Erde nachhaltig zu schützen.

Für Unternehmen besitzt der Klimawandel eine besondere strategische Relevanz. Indem sie ihre Geschäftsmodelle konsequent auf die neuen Herausforderungen ausrichten, wird offensichtlich, dass der Klimawandel nicht nur Risiken, sondern auch Chancen mit sich bringt. Das gilt auch für die EnBW, die sich mit ihrer Strategie 2020 klar zur Energiewende bekennt. Der Konzern unterstützt die weltweiten Bemühungen zum Schutz des Klimas, setzt sich mit Nachdruck für ambitionierte Klimaschutzziele ein und steht für eine klimaschonende Energieversorgung. Diese Vorgaben stehen im Einklang mit dem Vertrag von Paris vom Dezember vergangenen Jahres.

Neue Herausforderungen für Unternehmensberichterstattung

Für die Unternehmensberichterstattung bringen die Folgen des Klimawandels neue Herausforderungen mit sich. Sie führen dazu, dass klimabezogene Informationen wichtiger werden. Dazu gehören sowohl die Auswirkungen des Klimawandels auf die Geschäftsmodelle von Unternehmen, als auch die Einflüsse der Unternehmenstätigkeit auf das Klima.

Die jüngste Vergangenheit zeigt allerdings, dass die bisherige, eher compliance- und finanzorientierte Form der Berichterstattung den Bedürfnissen der Nutzer nicht gerecht wird. Sie fordern, dass Unternehmen ihre Leistung ganzheitlich darstellen. Das heißt, es sollen nicht nur die finanziellen Aspekte erläutert werden, sondern auch die Frage, wie Unternehmen die Herausforderungen besonders im Bereich Umwelt- und Klimaschutz bewältigen.

Bisherige Formate haben es nicht geschafft, relevante klimabezogene Unternehmensdaten so darzustellen, dass sie aussagekräftig und vergleichbar sind. Das ist aber eine Voraussetzung, um von außen eine Unternehmensposition zum Klimaschutz ableiten zu können.

Der Klimawandel und seine Bedeutung für die Unternehmenssteuerung und -berichterstattung, TCFD-1a2

Standards für klimabezogene Unternehmensberichterstattung

Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hat sich vorgenommen, entsprechende Vorschläge auszuarbeiten. Die Initiative wurde 2015 während der Pariser Klimakonferenz vom Financial Stability Board (FSB) ins Leben gerufen. Das FSB ist eine von den G20-Staaten eingerichtete Organisation, die das globale Finanzsystem überwachen soll. Ihre Arbeit wird von der EnBW unterstützt.

Die TCFD arbeitet aktuell an Empfehlungen, wie sich klimabezogene Unternehmensberichterstattung entlang einheitlicher international gültiger Standards verbessern lässt. Diese Vorschläge sollen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Beiträge zum Klimaschutz aussagekräftiger und transparenter zu kommunizieren. Sie leisten damit auch einen Beitrag zur Stärkung der Finanzstabilität.

Eine effektive Klimaberichterstattung im Sinne der TCFD zeichnet sich dadurch aus, dass entscheidungsrelevante Informationen zur Steuerung von Chancen und Risiken des Klimawandels den Stakeholdern – und in erster Linie den Investoren – zur Verfügung gestellt werden. Dabei sind insbesondere die Bereiche Unternehmensführung, Strategie und Risikomanagement von großer Relevanz. Hinzu kommt die Erarbeitung verschiedener Kennzahlen, die eine quantitative Bewertung klimarelevanter Informationen möglich machen.

Integrierte Berichterstattung verfolgt ganzheitlichen Ansatz

Die Arbeit der TCFD unterstützt somit auch die Kommunikation einer ganzheitlichen Unternehmensleistung. Die EnBW hat diese Entwicklung bereits im Rahmen einer integrierten Berichterstattung berücksichtigt. Seit drei Jahren zeigt der Konzern neben der finanziellen Unternehmensleistung auch, ob nicht-finanzielle Ziele erreicht wurden. Dazu gehören Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit aber auch der Ausbau erneuerbarer Energien. Die EnBW nimmt die Empfehlungen der TCFD zum Anlass, die Unternehmenssteuerung und die ganzheitliche Unternehmensberichterstattung unter Berücksichtigung von klimarelevanten Aspekten weiterzuentwickeln.

Die ökonomischen Folgen des Klimawandels sind vielleicht noch nicht für jeden Akteur in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spürbar, jedoch ist es nach dem Klimagipfel von Paris weltweit Konsens, dass der Klimaschutz eines der großen Themen der kommenden Jahrzehnte sein wird. Die Tatsache, dass nach der EU, auch die weiteren ökonomischen Schwergewichte USA und China dem UN-Klimaschutzabkommen beigetreten sind, bestätigt dies in eindrucksvoller Weise. Darüber hinaus senden auch immer mehr Kapitalmarktakteure wie der Norwegische Pensionsfonds, die Allianz und andere große Investoren klare Signale, dass sie zukünftig Unternehmen mit Bezug zur fossilen Energien meiden werden. CO2-arme Anlagestrategien rücken somit in den Fokus. Dies unterstreicht die ökonomische Bedeutung des Klimawandels.

Nach dem Durchbruch bei den internationalen Klimaverhandlungen kommt die Initiative der TCFD zum richtigen Zeitpunkt. Ihre Arbeit leistet für Unternehmen und Investoren einen wichtigen Beitrag, um sich auf diesen Trend einzustellen und auf diesem Weg entscheidende Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

[Dieser Beitrag erscheint anlässlich der heutigen Veranstaltung  KLIMAWANDEL: CHANCEN UND RISIKEN – BERICHTERSTATTUNG IM WANDEL.

Mehr Informationen:

TCFD-Taskforce: https://www.fsb-tcfd.org/
EnBW: https://www.enbw.com/unternehmen/konzern/ueber-uns/verantwortung/

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