Studie: Konzept, Gestaltungselemente und Implikationen eines EEG-Vorleistungsfonds

Gastautor Portrait

Christiane Schatzmann

EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Christiane Schatzmann-Felden studierte Politikwissenschaften in Bonn und absolvierte danach ein Zeitungsvolontariat. Anschließend arbeitete sie u.a. als Pressereferentin im Bundesministerium für Verkehr und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag. Seit 2001 kümmert sie sich in der Berliner Hauptstadtrepräsentanz der EnBW als Projektleiterin um Kommunikationsformen rund um die Energiepolitik.

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30. April 2014

Das Öko-Institut hat im Auftrag des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) eine Studie erstellt, in der untersucht wird, ob und wie die EEG-Umlage signifikant gesenkt werden könnte. Die Autoren der Studie greifen den öffentlich diskutierten Vorschlag auf, einen Teil der Refinanzierung der Differenzkosten im EEG (bzw. der entsprechenden Anschlussmechanismen) über einen zusätzlichen Finanzierungskanal zu erbringen: Einen EEG-Vorleistungsfonds.

paper

Das Öko-Institut hat verschiedene Ausgestaltungsvarianten eines solchen Vorleistungsfonds untersucht: 

1. Übernahme aller Zahlungsverpflichtungen für die bis 2014 errichteten EEG-Anlagen in den Fonds 2. generelle Begrenzung der Umlage auf einen bestimmten Wert und die Finanzierung der darüber hinaus notwendigen Mittel über den Fonds

3. Übernahme der für die Innovationsbeschleunigung und Kostenreduktion (Fotovoltaik, Offshore-Windenergie) bzw. zur Erreichung landwirtschaftlicher Ziele (Biomasse) eingesetzten Mittel in den Fonds 

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Fondsmodelle, die auf die Innovationsleistungen der Vergangenheit (v. a. für PV) und der näheren Zukunft (Offshore-Windkraft) aufbauen, am erfolgversprechendsten wären. 

Wenn mit einem solchen Fond bedeutsame Entlastungen der EEG-Umlage (d.h. von 1 ct/kWh oder mehr) erzielt werden sollten, müssten Finanzmittel komplementär zur EEG-Umlage in der Größenordnung von knapp 110 bis 270 Mrd. € aufgebracht werden. Diese müssten überwiegend von den öffentlichen Haushalten getragen werden. Hinzu kämen die Kosten, die für die Streckung der Zahlungen anfielen.

Bei einem kürzeren Streckungszeiträum von etwa zehn Jahren und im gegenwärtig günstigen Refinanzierungsumfeld für staatlich garantierte Anleihen führe dies nur zu geringen Zusatzkosten. Bei längeren Streckungen (20 bis 30 Jahre) und ggf. höheren Finanzierungskosten könnten jedoch auch Werte von bis zu 100 % der ursprünglichen Zahlungsverpflichtungen erreicht werden. 

Die Autoren weisen ebenfalls darauf hin, dass die Wiederbeschaffung eines konventionellen Systems ohne Erneuerbare Energien ungefähr die gleiche finanzielle Größenordnung erreichen würde, sofern man von einem leichten Anstieg der Brennstoffkosten und einem moderaten CO2-Preisniveau ausgehen würde.

 

Bild: Joel Penner
Die gesamte Studie finden Sie hier: http://www.oeko.de/oekodoc/2013/2014-599-de.pdf

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  1. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Wagner - das ganze Gezerre um die EEG Umlage hätten wir gar nicht, wenn die EEG Umlage kein Geschenkkorb für die Wirtschaft geworden wäre.
    Aber gewisse Interessengruppen werden noch in Erklärungsnotstand kommen. Die ersten Windräder fallen anch 20 Jahren aus der EEG Vergütung raus. Der Zubau neuer PV Anlagen ist im ersten Quartal 2014 drastisch eingebrochen, der Bau neuer Biogasanlagen ist stark rückläufig. Wenn zukünftig die EEG Umlage erhöht werden soll, gibt es dafür schlicht keine Rechtfertigung mehr.

  2. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr Windmüller, Herr Wagner,

    Klasse Vorschläge dazu wie andere die Ihnen / Ihrer Klientel zugute kommenden Subventionen bezahlen sollen...
    .
    Nach wie vor Null Gedanken darüber, sich auch mal von Subventionstropf zu lösen...
    .
    Mit welchem Selbstverständnis hier die Hände aufgehalten werden...
    .
    "Natürlich habt ihr alle für mich zu bezahlen... aber ich fühle mit euch und setze mich dafür ein, dass ihr nicht alleine für meine Pfründe bezahlen müßt"

  3. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Öko-Institutfällt zu PtG ein vernichtendes Urteil!
    .
    Da die Redaktion hier "aus Zeitgründen" vor allem die positiven oder positiv verschlüsselten Botschaften zur Diskussion stellt, erlaube ich mir, eine andere Studie des Öko-Instituts (!!!!!) einzubringen.
    .
    "Prüfung der klimapolitischen Konsistenz und der Kosten von Methanisierungsstrategien"
    .
    oeko.de/oekodoc/2005/2014-021-de.pdf
    .
    Zwar spiele diese Technologie eine wichtige, oft stark dominierende Rolle als Speichertechnologie, doch:

    »Diese Kurzstudie zeigt aber, dass einer großtechnischen Anwendung unterschiedliche grundlegende Hindernisse und Widersprüchlichkeiten entgegenstehen.«
    .
    Die Autoren der Studie werfen anderen Analysen Schönrechnerei vor:

    »Eine ökonomische Analyse zeigt zudem, dass Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Methanisierungsanlagen oft sehr optimistisch sind und zudem häufig wichtige Kostenfaktoren vergessen werden.«
    .
    Die Schlußfolgerung der Studie ist unmißverständlich:

    »Eine schnelle und großflächige Einführung der Power-to-Gas-Technologie wird daher nicht empfohlen.«
    .
    Dem ist nichts hinzu zu fügen...
    .

  4. Hubertus Grass

    vor 5 Jahren

    Auch bei Power-to-Gas setze ich - im Gegensatz zu pessimistischen Zeitgenossen - auf den Erfindungsreichtum deutscher Ingenieure und Wissenschaftler. Und offenbar gibt es begründete Aussichten, dass der Fortschritt auch hier zu mehr Effizizienz und Wirtschaftlichkeit führt. Die EU jedenfalls machte 2,5 Mio. € locker, um die Forscher des KIT in Karlsruhe bei einem viel versprechenden Entwicklungsansatz zu unterstützen. Das letzte Wort scheint mir bei PtG noch nicht gesprochen.

    http://www.windkraft-journal.de/2014/04/13/power-to-gas-neues-verfahren-mit-moeglichem-wirkungsgrade-ueber-85-prozent/

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  5. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr, Grass,
    Sie haben völlig recht, der letzte Euro ist beim PtG noch nicht geflossen! Es sind viel zu viele Politker, die sich bei dem Thema so weit aus dem Fenster gelehnt haben, dass sie da ohne Gesichtsverlust nicht mehr herauskommen und das Thema auf einen Stichtag "nach ihrer Zeit" zu verlagern suchen... naja... und Forschungseinrichtungen werden sicher nicht die Hand abbeißen, die sie füttert... und werden artig weiter gegen staatliche Förderung an dem Thema forschen.
    .
    Ein Bekannter von mir - Dr. der Physik (!!!) ich glaube bei Fraunhofer - ist der einzige mir persönlich bekannte Energiewendebefürworter mit diesem fachlichen Hintergrund. Mit ihm konnte ich mich immer trefflich über diese Themen "streiten" - einzige Ausnahme: Beim Speicherproblem haben wir beide keine realistische, bezahlbare Lösung gesehen. Er berichtetete mir vor kurzem, dass er in Kürze in ein Forschungsprogramm einsteigen werde, für das der Bund 50 Mio. Fördermittel zur Verfügung stellt. Er war völlig begeistert davon... Naja, wir werden sehen...
    .
    Interessant für mich: Das Öko-Institut ist ja von Hause aus EE-Befürworter, wenn man eine Möglichkeit für eine beschönigende Darstellung gesehen hätte, hätte man dieser sicher den Vorzug gegeben von daher hätte ich eine solche klare, offene Positionierung von der Seite nicht erwartet.
    .
    Solange man damit keine immensen Schäden (bei anderen) anrichtet, sei jedem sein Optimismus gegönnt!
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