Energiewende braucht smarte Digitalisierung

Gastautor Portrait

Oliver Krischer

Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen
25. April 2016

Energiewende ohne Digitalisierung ist kaum vorstellbar. Und das aus gutem Grund: Intelligente Zähler (Smart Meter) und intelligente Netze können einerseits die Stromproduktion aus Erneuerbaren-Energien-Anlagen intelligent steuern und so fluktuierende Erneuerbare wie Wind und Sonne ausgleichen. Andererseits können sie den Stromverbrauch intelligent steuern und damit Lastspitzen abfedern. Damit können durch digitale Technologien Versorgungsengpässe verringert und das System flexibel gehalten werden. Die Energiewende braucht eine smarte Digitalisierung.

Doch die Bundesregierung verkennt beim von ihr vorgelegten Gesetzentwurf das Potential der Digitalisierung im Rahmen der Energiewende. Denn intelligente Messsysteme alleine sparen noch keine Energie. Einsparungen entstehen erst durch Verhaltensänderungen, die durch mehr Informationen und finanzielle Anreize (bspw. variable Tarife) entstehen. Sie machen Verbrauchswerte transparent und können dadurch Stromabnehmern helfen, Strom zu sparen und günstigere Tarife in Anspruch zu nehmen. Den Stromversorgern könnte ermöglicht werden, durch intelligente Steuerungstechnik für mehr Systemstabilität zu sorgen.
Digitalisierung ohne Energiewende ist eine verlorene Chance, zwei zukunftsfähige Themenfelder miteinander intelligent zu verknüpfen. Denn bisher steht Deutschland beim Thema Digitalisierung der Energiewende im internationalen Vergleich auf der Bremse. Während sich in Deutschlands Kellern noch Uraltzähler drehen, sind in fast allen EU-Staaten bereits Regeln zur Einführung intelligenter Messsysteme erlassen und digitale Messsysteme eingebaut. Solche „Smart Meter“ helfen dort, den Strombedarf bei Verbrauchsspitzenzeiten durch eine intelligente Steuerung zu senken und gleichzeitig schonen sie durch darauf zugeschnittene Stromtarife den Geldbeutel der Stromkunden.

Smart_Meter

Smarte Digitalisierung läuft bereits im Ausland

Auch in den USA funktioniert das System der Digitalisierung der Energiewende. Dort nehmen große Supermarktketten ihre Kühlhäuser oder Unternehmen ihre Rechenzentren gegen eine Kapazitätsprämie temporär vom Netz, wenn der Strom knapp ist – etwa wenn bei großer Hitze viele Privathaushalte ihre Klimaanlagen anschalten. Damit werden Versorgungsengpässe weiter verringert und das System wird flexibler. Und auch bei Stromproduzenten, zum Beispiel großen Solar-Freiflächenanlagen, macht eine Digitalisierung Sinn: Stromversorger können mittels Fernsteuerung für eine Erhöhung der Systemstabilität zu sorgen. Bei einem „Rollout“ sind also eine vernünftige Reihenfolge der Einführung von Smart Metern bei verschiedenen Verbrauchern und Erzeugern maßgeblich. Diejenigen, die am meisten Energie verbrauchen und am meisten Potenzial zur Lastverschiebung haben, sollten als erstes mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden.

Doch verkennt die Bundesregierung bei ihrem Gesetzentwurf, dass beim Einsatz intelligenter Technologien Kosten und Nutzen zueinander im Verhältnis stehen müssen. Die intelligenten Stromzähler können jährlich bis zu knapp über hundert Euro kosten. Besonders für Privathaushalte – abseits der Frage rund um das Thema Datenschutz – ist dies mit ihren im Vergleich zur Industrie geringen Stromverbräuchen nicht wirtschaftlich und konterkariert am Ende nur die Akzeptanz der Digitalisierung der Energiewende.

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