Energiewende aktuell: Welche Speichermöglichkeit verfügt über das größte Potenzial für die Energiewende?

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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15. Juli 2015
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell
Welche Speichermöglichkeit verfügt über das größte Potenzial für die Energiewende?

Das wollten wir in unserer letzten Umfrage von Ihnen wissen. Und die Antworten fielen – nicht unerwartet – denkbar knapp aus: Power-to-Gas kam auf 39 Prozent, 34 Prozent votierten für Batterien bzw. Akkus, nur sechs Prozent für Power-to-Heat und 20 Prozent setzten beim Voting auf die Pumpspeicher. Eindeutige Antworten auf die Speichermöglichkeiten und ihr Potenzial für die Energiewende kann es wohl nicht geben, denn zu unterschiedlich sind die Bedarfsanforderungen, die Entwicklungs- und Einsatzmöglichkeiten.

Power-to-Gas mit den nötigen Terrawattstunden-Kapazitäten

Der Sieger der Umfrage, Power-to-Gas, hat als einzige Technik das Potential für die Wasserstofftankstelle, Potenzial für die Energiewende, Speicher für EnergiewendeEnergiewende, relevante Energiemengen von mehreren TWh aufzunehmen. Bei einem Ausbau der Erneuerbaren in den Bereich von mehr als 100 GW von Wind und Solar, brauchen wir Speicher, die diese Energiemengen bei einem Überangebot speichern und in Zeiten der Dunkelflaute wieder zurück geben können. Selbst Millionen kleine Solar-Speicher reichen in der Menge dafür nicht aus. Doch Power-to-Gas hat gravierende Nachteile: Mit Wirkungsgraden um die 40 Prozent bei der Herstellung von Wasserstoff und ca. 36 Prozent bei Methan fehlt der Technik die Effizienz, das macht sie noch teurer als sie ohnehin schon ist. Es bleibt also viel zu tun für die Forschung.

Elektro-Chemie für Haus und Fahrzeuge und den kurzfristigen Lastausgleich

Die chemische Speicherung von Strom in Akkus, die zweitplatzierte Technologie, hat in jüngster Zeit die größten Entwicklungssprünge gemacht. Neben einem rasanten Preisverfall hat diese Energiespeicher-Sonnenbatterie_eco_4, Potenzial für die Energiewede, SpeicherTechnologie auch an Qualität gewonnen. Dank intelligenter Steuerung vertragen die Batterien in Haushalten und Fahrzeugen wesentlich mehr Ladezyklen, das macht sie preiswerter und massentauglich. Dank eines wachsenden Wettbewerbs mit starken Akteuren in den USA, in Asien und in Europa werden wir in diesem Segment sehr bald noch die eine oder andere Überraschung erleben. Chemische Speicher sind sowohl als Großspeicher oder als vernetzter Schwarm optimal dazu geeignet, kurzfristig – im Sekunden- und Minutenbereich – Lastschwankungen im Stromnetz auszugleichen. Doch auch bei millionenfacher Anwendung in Haushalten und Fahrzeugen reichen die mengenmäßigen Potentiale dieser Technologie bei weitem nicht, das Energienetz der Zukunft längere Zeit zu stabilisieren, wenn über Tage zu wenig Sonnen- und Windstrom anliegt. Bei einigen hundert GWh ist selbst dann Schluss, wenn man alle solaren Speicher und die, die Elektrofahrzeuge der Zukunft antreiben, summiert.

Power-to-heat mit begrenzten Entwicklungschancen

Power-to-heat erscheint in diesem Zusammenhang (noch) als eine Randtechnologie. Weil die Erzeugung von Wärme a) relativ preiswert ist und b) der Bedarf abhängig von der Jahreszeit ist, wird P2H auf dem künftigen Energiemarkt wahrscheinlich ein Nischendasein fristen. Dennoch ist zu erwarten, dass auch von dieser Seite ein Beitrag zur Stabilisierung der Netze durch Nachfragemanagement und eine relevante CO2-Reduktion geleistet werden kann.

Pumpspeicherkraftwerke erprobt, aber Ausbau am Ende

Die Technik der Pumpspeicherkraftwerke ist am besten erprobt und ausgereift. Doch das Potential in Deutschland für PSW ist erschöpft. Mit nahezu 8 GW an Leistung und 40 GWh an Kapazität steht genug Potential für dien kurzfristigen Ausgleich zur Verfügung, einen nennenswerten Beitrag zum riesigen Speicherbedarf der Zukunft darf man von den Pumpspeicherkraftwerken nicht erhoffen, weil für den nötigen Ausbau – z. B. eine Verzehnfachung der Kapazitäten – die geographischen Gegebenheiten in Deutschland fehlen.

Einen sehr guten Überblick über die Technologien der Speicherung von Strom liefert das RENEWS SPEZIAL Nr. 75: STROM SPEICHERN herausgegeben von der Agentur für Erneuerbare Energien.

Unsere Umfrage lief vom 26. Juni bis zum 12. Juli. An ihr nahmen 94 Personen teil.

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