Der EnergieCampus und die Optimierung der Biomassenutzung

Gastautor Portrait

Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
15. September 2015
Biomassenutzung, Energiewende
Die mittig platzierte Sonne strahlt effektvoll durch einen großen Baum

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses schreibt die Stiftung Energie& Klimaschutz jedes Jahr einen Ideen-Wettbewerb für junge Forscher in Baden-Württemberg aus, die sich mit den Erneuerbaren Energien beschäftigen. Die Kriterien für die Beurteilung sind Originalität der wissenschaftlichen Arbeit, herausragende Ergebnisse, Forschungs- und Transferleistung und auch die Qualität der Darstellung. Die Stiftung will durch den Wettbewerb Nachwuchswissenschaftler an baden-württembergischen Universitäten fördern; die Sieger erhalten neben der Möglichkeit, ihre Arbeiten und Ideen relevanten Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Forschungsinstituten vorzustellen, auch einen Geldpreis. Außerdem wird ihr Beitrag in den energiewirtschaftlichen Tagesfragen veröffentlicht und sie können ihre Innovationen auf einem Debatten-Abend einem breiteren, interessierten Publikum präsentieren.

Preisträger im letzten Jahr war Dipl. Ing. Matthias Stier, Gruppenleiter am Institut für Grenzflächen-verfahrenstechnik und Plasmatechnologie, Universität Stuttgart. Eine ausführliche Darstellung seiner eingereichten Arbeit finden Sie in den nebenstehenden Links. Wir sprachen mit ihm über den Wettbewerb und seine Forschung:

DEZ-Blog: Aus der Rückschau betrachtet: Hat sich für Sie die Teilnahme am EnergieCampus 2014 – mal abgesehen vom Preisgeld – gelohnt?
Matthias Stier: Das hat es auf jeden Fall. Die Auszeichnung hat mir persönlich einen Motivationsschub gegeben. Es sind auch einige Menschen über die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung auf mein Thema aufmerksam geworden und haben mich kontaktiert. Sogar auf der Prozessindustrie-Messe Achema sind deshalb interessierte zu unserem Stand gekommen und es folgen nun zwei Publikationen in naturwissenschaftlichen Zeitschriften.

Was ist aus Ihrer Idee der biokatalytischen Herstellung von Methanol aus Biogas geworden?
Das Projekt wird weiterhin vom BMBF gefördert und geht nun mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar in die Verlängerung. Die Kombination aus Chemo- und Biokatalyse ist derzeit auf diese Weise einzigartig und wird im kommenden Jahr gemeinsam mit den Projektpartnern des Leibniz-Institut für Katalyse e. V. vertieft bearbeitet.

Der von Ihnen entwickelte Prozess einer energetischen Optimierung der Biomassenutzung mit Hilfe von Enzymen hat das Potential, weltweit die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zu optimieren.
Ich sehen das Potential nicht ausschließlich in der energetischen, sondern eher auch in der stoffliche Nutzung der Biomasse. Am Ende jeder Verwertungskaskade von Biomasse bleibt Bioabfall zurück, der in den meisten Fällen zur Herstellung von Biogas eingesetzt werden kann. Die Produkte Methanol und Ameisensäure sind für sich schon wichtige Grundchemikalien, können aber auch für weitere Schritte zur Verarbeitung von Biomasse genutzt werden. Beispielsweise ist es mit beiden Stoffen möglich, Lignozellulose in ihre Grundbestandteile aufzuspalten und damit für technische Anwendungen zugänglich zu machen. Man könnte sagen, man macht letztendlich aus Abfall hochwertige Produkte. Biomasse ist weltweit flächendeckend verfügbar, damit ist es eine Technologie, die überall auf der Welt eingesetzt werden kann. Vielleicht finden wir uns ja in Zukunft in einer Welt wieder, in der sich die Menschen dezentral die wichtigsten Grundchemikalien zur Herstellung von Produkten fürs alltägliche Leben selbst herstellen können und unabhängig vom Erdöl werden. Mein Prozess bietet dafür eventuell ein kleines Puzzleteil.

Haben Sie schon mal daran gedacht, aus Ihrer Idee ein Geschäftsmodell zu machen?
Dazu steckt das Verfahren noch zu sehr in Kinderschuhen. Aber dennoch hat sich ein Teil der Doktorarbeit zu einem Geschäftsmodell entwickelt. Für die Umsetzung meiner Versuche habe ich eine Messeinrichtung aufgebaut, die in Echtzeit und simultan Spurenkonzentrationen von flüchtigen Bestandteilen aus der Flüssigphase und die Zusammensetzung aus der Gasphase messen kann, was für die Prozessindustrie zur Überwachung ihrer Reaktionen sehr interessant ist. Gemeinsam mit zwei Kollegen haben wir auf der Achema den Prototypen unter dem Namen foxySPEC vorgestellt und waren sogar auf der Shortlist des Innovationawards im Bereich Analyse.


Aktuell läuft bei der Stiftung Energie&Klimaschutz die Ausschreibung für den

EnergieCampus 2015

 „Wie geht Klimaschutz morgen?“

Wie setzt man Energie intelligent ein? Wie schafft man Akzeptanz für Infrastrukturprojekte? Und wie kann man mit dem Klimaschutz auch noch Geld verdienen? Wer sich mit diesen Fragen bei seiner Promotion befasst oder einen Weg gefunden hat, wie man Akzeptanz schaffen kann für Großprojekte der Erneuerbaren Energien, sollte sich bewerben.

Angenommen werden ein Auszug aus der Promotion – unabhängig davon, in welchem Stadium sie sich befindet. Das Thema ist bewusst breit angelegt, um Doktoranden aller Fakultäten anzusprechen – Ingenieure sind ebenso willkommen wie Soziologen oder Geographen. Die Ausschreibungsunterlagen finden Sie hier.

Bitte beachten: Einsendeschluss ist der 27. September!

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