Studie „Energiewirtschaftliche Bedeutung der Offshore-Windenergie“

Gastautor Portrait

Natascha

EnBW

Ist aus dem Hessischen und arbeitet seit 2006 in der Repräsentanz Berlin. Seit Juni 2012 als Projektleiterin im Bereich Wirtschaft & Politik, Nachhaltigkeit. Von Haus aus eher den schönen Künsten zugeneigt (Studium der Germanistik und Publizistik in Mainz), war die Energiebranche zunächst hartes Brot. Mit den Arbeitsbereichen Sponsoring, interne Kommunikation, Veranstaltungsplanung und nun Energiewende-Blog halten sich die schönen Künste und die harten Themen aber die Waage und machen allesamt Freude.

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19. Februar 2014
Deckblatt der Studie des Fraunhofer IWES: Energiewirtschaftliche Bedeutung der Offshore-Windenergie für die Energiewende

Im Auftrag der Stiftung Offshore Windenergie hat das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) analysiert, welche Bedeutung Wind Offshore im künftigen Energiemix zukommen sollte.

Die Transformation des Energiesystems ist eine wichtige Bedingung für das Erreichen der EU-CO2-Reduktionsziele bis zum Jahr 2050. In dem künftigen Energiesystem wird die Offshore-Windenergie eine tragende Rolle spielen, so die Autoren der Studie.

Das Fundament für diese Einschätzung bildet die Analyse von drei Szenarien, in denen die Anteile der einzelnen Energieerzeugungsarten variieren. Untersucht wurden dabei ausschließlich Offshore- bzw. Onshore-Windenergie sowie Photovoltaik, da davon ausgegangen wird, dass der Endenergiebedarf im Jahr 2050 zu 80 Prozent durch Erneuerbare Energien bereitgestellt wird. Erneuerbare Energien wie Biomasse und Wasserkraft bilden in jedem Szenario eine feste, unveränderliche Größe.

Die Methode macht drei Schritte. Im ersten Schritt wurde der „optimale Mix“ aus Onshore-/Offshore-Windenergie sowie Photovoltaik bestimmt. Ausschlaggebend für den optimalen Mix seien eine gleichmäßige Energiebereitstellung und eine geringe Schwankung der Residuallast. Hier stellte sich laut Autoren heraus, dass das Optimum aus einem Offshore-Anteil von 40 bis 56 Prozent an der gesamten Windenergie einerseits und einem Verhältnis von Photovoltaik zu Windenergie (Onshore wie Offshore) von etwa eins zu vier andererseits bestünde.

Im zweiten Schritt wurden die gesellschaftlichen und ökonomischen Potentialgrenzen berücksichtigt, d. h. nach realisierbaren Ausbaupotentialen für die drei Technologien gesucht. Bei Photovoltaik bilden freie Dachflächen und das Freiflächenpotential die Restriktionen für den Ausbau, bei Onshore-Windenergie könnte der Ausbau durch politische Rahmenbedingungen und die Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort beschränkt werden. Der potentielle Zubau von Offshore wird maßgeblich durch die freien Flächen in Nord- und Ostsee und Raumordnungs-Vorgaben beschränkt. Laut Autoren führten diese Restriktionen dazu, dass alle drei Technologien gleichzeitig zur Nachfragedeckung eingesetzt werden müssten.

Der dritte Schritt vereint die beiden vorangegangenen Schritte und legt den „optimalen Mix“ sowie die Potenzialgrenzen übereinander. So ergibt sich ein „optimiertes Szenario“ mit einem Strommix von ca. 30 Prozent Offshore-Energie, 50 Prozent Onshore-Energie und 20 Prozent Photovoltaik. In diesem Szenario müsste die Offshore-Windenergie am stärksten ausgebaut werden.

In den beiden übrigen Szenarien werden jeweils die beiden anderen Technologien verstärkt ausgebaut und Offshore nur mit den bestehenden und im Bau befindlichen Windparks eingerechnet. Zur Deckung des zu erwartenden Strombedarfs in 2050 müssten jedoch die jeweiligen Potentialgrenzen überschritten werden, weshalb nur das erste Szenario in Frage käme. Vorzuziehen sei Offshore-Windenergie auch deshalb, da die Anlagen fast ganzjährig Strom liefern könnten und sich die zu erwartenden Stromerträge gut prognostizieren ließen. Dies bedinge einen im Vergleich geringeren Flexibilisierungsbedarf (z. B. Energiespeicherung).

Die vollständige Studie finden Sie hier: http://www.fraunhofer.de/content/dam/zv/de/forschungsthemen/energie/Energiewirtschaftliche-Bedeutung-von-Offshore-Windenergie.pdf

Quelle: Fraunhofer IWES

Diskutieren Sie mit

  1. Dirk Kaiser

    vor 4 Jahren

    @ Natascha.

    Ach das Fraunhofer und sein Energie-Hokuspokus... hat doch das ebenfalls zu Fraunhofer gehörende ISE erst kürzlich herausgefunden:

    "Erstmals wurde ein komplettes Energiesystem im Strom- und Wärmesektor auf stündlicher Basis simuliert und in mehreren Varianten die prinzipielle Machbarkeit zu VERTETBAREN (!!!!) Kosten nachgewiesen. Das tatsächliche System zu finden, ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die neben Ökonomie und Technik auch Aspekte wie Landschaftsplanung, Akzeptanz und Bürgerbeteiligung berücksichtigen wird. "
    .
    http://www.etagreen.com/news/796414/Regeneratives-Energiesystem-fuer-Waerme-und-Strom.html
    .
    Da schnappt der Fachmann nach Luft: "vertretbare Kosten" und "Bürgerbeteiligung" die Bürgerbeteiligung besteht vor allem darin, die immensen Kosten zu tragen...

    Wir sollen über 500 GW (kostet mindestens 6 bis 8 x mehr als konventionell) installieren, um in der Spitze sicher 80 GW nutzen zu können. Wo doch von den 550 GW im Schnitt nur etwa 60 GW in Betrieb sein können und der untätige Rest sicher bezahlt werden muß und Power-to-Gas-Strom etwa auf 50-100 ct/kWh kommt...

  2. Axel Räpsch

    vor 4 Jahren

    Sie haben ja so recht. Das Problem liegt an der Lobby Atomindustrie mit ihren AKWs und der Politiker bisheriger Regierungen. Die Politiker lassen sich von der Atomlobby und Wirtschaft den Weg vorschreiben. Eine eigene Meinung oder Entscheidung treffen die nicht.

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  3. von Rhöneck

    vor 4 Jahren

    Die Energiewende wurde aus rein politischen Gründen unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe voreilig (="grüne Welle"!) beschlossen. Weniger Populismus und mehr Sachverstand wären notwendig gewesen. Auf l a n g e Sicht aber ist die Richtung richtig.

  4. Axel Räpsch

    vor 4 Jahren

    Vielleicht wegen Fukuschima wurde etwas Druck gemacht. Tschernobil haben wir noch Erinnerung. Täglich lesen und hören wir, was dort für Probleme auftauchen. Leider, Deutschland hat sich für die Abschaltung von AKWs entschieden, haben die umliegenden Staaten nicht so reagiert sondern errichten immer neue und größere AKWs. Über das Endlager und Transporte von Atommüll macht sich keiner Gedanken.

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  5. Dirk Kaiser

    vor 4 Jahren

    Herr Räpsch
    Deutschland hat sich für die Abschaltung von AKWs entschieden, haben die umliegenden Staaten nicht so reagiert sondern errichten immer neue und größere AKWs. Über das Endlager und Transporte von Atommüll macht sich keiner Gedanken.
    ****************************************************************
    Vielleicht überzeihen wir Deutsche ja das Thema auch nur... Aufgrund unserer unrühmlichen Vergangenheit, müssen wir ja ohnehin bei allem eine unterwürfige Haltung einnehmen, dafür müssen wir uns selbst kasteien, wenn es darum geht, notfalls im Alleingang die Welt zu retten...
    .
    ... nicht umsonst hatte die Züricher Zeitung seinerzeit in 2011 getitelt:
    "Deutschland treibt mit seinem Hang zu irrlichternder Panik die Kernenergie aus!"

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  6. Axel Räpsch

    vor 4 Jahren

    Die Energiewende ist ein Schritt nach vorne. Allerdings darf sie nicht zu alleinigen Lasten der Normalverbraucher führen. Alle Verbraucher und Stromlieferanten müssen dazu herangezogen werden.
    Die Stromleitungen waren vor der Abschaltung der Atomkraftwerke vorhanden. Also könnten sie auch genutzt werden. Außerdem gibt es heute schon Techniken (z.B. Eon nutzt es in ihren Leitungen) die eine höhere Auslastung der Leitungen ohne zusätzliche Leitungsstränge zulässt. Die Debatte Netzausbau und deren Verzögerung ist mehr ein Wille der Atomlobby. Zum unterstützt durch Politiker - z.B. aus Bayern.
    Einen Nachteil hat die Energiewende. Nicht mit den umliegenden Staaten abgesprochen. Die umliegenden Staaten bauen fleißig immer mehr neue und größere Atomwerke. Bei einem GAU ist Deutschland arm dran.

  7. Dirk Kaiser

    vor 4 Jahren

    Ich empfehle Ihnen, die Diskussionen auch in den anderen Themen hier im Forum zu verfolgen, da wurde im Grunde alles Wesentliche geschrieben...

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  8. Rolf Günther

    vor 4 Jahren

    Die Energiewende in der heutigen Form ist nicht sinnvoll ist, denn Wind und Sonne sind nicht immer verfügbar. Wenn, dann aber nur kurzzeitig – und dann im Überfluss. Der überschüssige Strom wird ins Ausland geliefert, verschenkt und dort gespeichert. Diese Energie landet dann wieder in Deutschland, gegen Bezahlung natürlich. Auch die Verstromung durch Biomasse hat deutlich zugenommen. Allerdings auf Kosten der Umwelt, denn besonders der Mais- und Rapsanbau für die Verstromung in Gaskraftwerken und die Herstellung von Biodiesel und Biosprit wird immer mehr zum Problem. Fährt man beispielsweise durch Niedersachsen überall Mais, Mais, Mais... Schon mal was vom Oldenburger Maisgürtel gehört? Die mit Mais bebauten Ackerflächen fehlen dann für die Lebensmittelproduktion, sodass nicht nur der Strom. sondern auch die Lebensmittel teurer werden.

    Viele Grüße Rolf Günther

  9. Philip Weiss

    vor 4 Jahren

    Vielen Dank für den Link zur Studie!

  10. Erich Görgens

    vor 4 Jahren

    Hallo Natascha,
    vorweg muss ich Ihnen gestehen, dass Offshore-Windenergie bei mir nicht auf Gegenliebe stößt. Schon vor 40 Jahren hab ich an der UNI Stuttgart über Schwingungsbelastung aus diesen Systemen diskutiert. Sie belasten den Standort und seine Anwohner (insbesondere im Meer) "unerträglich". Wenn Sie mögen, werfen Sie eine Blick auf die Seite von Herr Grass unter https://www.dialog-energie-zukunft.de/umfrage-herausforderungen-energiewende/#comment-2193. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

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