Modelle für die gemeinschaftliche Nutzung von Quartierspeichern

Gastautor Portrait

Simon C. Müller

TU München
24. August 2015
Quartierspeicher, Energiewende

Der steigende Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung und die damit verbundenen Produktionsschwankungen zeigen, dass zur Gewährleistung einer stabilen Versorgung in der Zukunft Energiespeicher benötigt werden. Obwohl in vielen Lebensbereichen im Zuge der Digitalisierung der Trend zur Share Economy beobachtet werden kann, finden vor allem Heimspeichersysteme für Einzelhaushalte im sich entwickelnden Markt Absatz. Als Grund kann gesehen werden, dass bisher keine tragfähigen Modelle für die gemeinschaftliche Nutzung existieren und im Hinblick auf Eigentümerschaft und Netznutzung noch viele Fragen offen sind. Ähnlich wie Carsharing hätte die gemeinschaftliche Nutzung von Quartierspeichern aber zahlreiche Vorteile, deren Realisierung durch die zunehmende Digitalisierung bei den Verbrauchern und im Energiesektor möglich werden wird.

Die Vorteile ergeben sich zum einen durch Skaleneffekte, welche eine Nutzung mit geringeren Kosten pro kWh erlauben würden. Zum anderen könnte den Nutzern eine höhere effektive Kapazität zur Verfügung gestellt werden, da bei Abwesenheit die Kapazität anderer Beteiligter genutzt werden könnte. Es kann zudem angenommen werden, dass größere Gemeinschaftsspeicher leichter als eine Vielzahl kleiner Heimspeicher für die Teilnahme an Regelleistungsmärkten virtuell zu vereinigen wären.

Trotz wachsender Bedeutung von genossenschaftlichen Energieversorgungsprojekten Quartierspeicher, Energiewendeerschweren einige Hürden (wie beispielsweise die Netznutzung) die Implementierung solcher Projekte. Im Bereich der Speicherung sind diese Hürden noch bedeutender, da der Strom gegebenenfalls zweimal durch das öffentliche Stromnetz geleitet werden muss. Unter der Führung der Technischen Universität München verfolgt das durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie geförderte Pilotprojekt EEBatt das Ziel, diese Fragestellungen zu adressieren und weitere Handlungsbedarfe aufzeigen. Ein Handlungsfeld zur Erleichterung der Implementierung von Gemeinschaftsspeicherprojekten liegt in der Komplexität des Geschäftsmodells. Während für die genossenschaftliche Energieerzeugung bereits mit der Einspeisevergütung ein simples Geschäftsmodell besteht, ist die Situation für gemeinschaftliche Energiespeicherung noch nicht geregelt. Technologie-, Rechts-, und Wirtschaftsexperten werden gemeinsam sinnvolle Szenarien für die Energiespeicherung entwickeln müssen, da durch mehrere Faktoren das Thema genossenschaftliche Energieversorgung mittelfristig zunehmen könnte. Außerdem ist für die nächsten Jahre ein Kostenrückgang für Batteriespeicher realistisch, was die Verbreitung von Speichern ebenfalls fördern wird, da hohe Kosten bisher ein Hemmnis waren[1].

Gemeinschaftliche Nutzung von Quartierspeichern als Geschäftsmodell nach EEG-Förderung

Aus technologischer Sicht lässt sich konstatieren, dass vor allem das Lithium-Batterie-Segment Energiespeicher-Sonnenbatterie_eco_4in Zukunft eine Hauptrolle in der Energiespeicherung spielen wird, was sich durch sehr hohe Forschungsinvestitionen erklärt. Es ist davon auszugehen, dass neue elektrochemische Energiespeicher-Technologien mittelfristig kostengünstiger als bestehende Produkte sein werden. Zu dieser Schlussfolgerung führten im vergangenen Jahr unsere Untersuchungen am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TU München. Hierbei wurden die Forschungsinvestitionen von Unternehmen durch die Analyse von Patentanmeldungen untersucht.

Spätestens wenn Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik und Windkraft in nennenswertem Umfang aus der EEG-Förderung fallen werden (d.h. 20 Jahre nach dem Anschluss) kann erwartet werden, dass die Speichernachfrage weiter steigen wird, da es dann auch für kleine Erzeuger komplizierter wird, einfach in das Netz einzuspeisen.

[1] Nykvist, Björn; Nilsson Måns (2015): Rapidly falling costs of battery packs for electric vehicles. In Nature Climate Change S. 329-332 (5).


Der Autor betreibt eine private Homepage zum Thema und ist über die Seiten der TU München zu erreichen.

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