Klimaberichterstattung begünstigt Börsenkurs

Gastautor Portrait

Susan Dreyer

Country Director DACH-Region, Carbon Disclosure Project
12. Oktober 2016

Das Stichwort „Berichterstattung“ löst bei Unternehmen nicht unbedingt Freude aus. Das sollte es aber: Denn es handelt sich um einen Bereich, der sich meist unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit dynamisch entwickelt hat. Ein Thema setzte sich in den vergangenen 15 Jahren immer weiter durch und wird nun selbst auf höchster Ebene wahrgenommen. Die Rede ist von der Klimaberichterstattung. EU-Kommission, Zentralbanken und die Teilnehmer internationaler Klimakonferenzen verfolgen das Thema aufmerksam. Damit kommt der Klimaberichterstattung die Bedeutung zu, die sie aufgrund ihres Nutzens verdient.

Angefangen mit kurzen Erwähnungen in Geschäftsberichten und einem Fragebogen von CDP (früher: Carbon Disclosure Project), ist die systematische Auskunft über Klimastrategien, Risiken, Chancen, Ziele, Maßnahmen und tatsächliche Emissionsdaten heute die Norm. Vergangenes Jahr berichteten über 5.600 Unternehmen aus über 80 Ländern umweltbezogene Daten über CDP an ihre Investoren und Großeinkäufer.

Bereits 5.600 Unternehmen beantworten Fragebogen zur Klimaberichterstattung
Transparenz über die Hälfte des Börsenwerts von Unternehmen aus den G20-Staaten: Über 5.600 Unternehmen aus über 80 Ländern berichten umweltbezogene Daten über CDP an ihre Investoren und Großeinkäufer.

Standardisierte Klimaberichterstattung trennt Spreu vom Weizen

Dieser Datenschatz bringt nicht nur Vorteile im Hinblick auf die Transparenz, er hat auch einen konkreten Nutzen. Immer mehr Indikatoren zeigen, wie sinnvoll Klimaberichterstattung für Unternehmen ist. Sechs Prozent Mehrrendite über einen Zeitraum von vier Jahren hat zum Beispiel die „CDP Climate A List“, die Bestenliste von jährlich 90-180 Unternehmen, aus einer globalen Auswahl von rund 2000, gegenüber dem Stoxx 1800 erzielt. Diese Rendite entsteht, weil es durch standardisierte Berichterstattung Investoren überhaupt erst möglich ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. In einer anderen Studie wurden positive Differenzen bei Eigenkapitalrenditen und Dividendenstabilität für Unternehmen mit guter Klimaberichterstattung festgestellt.

Auch was die anfallenden Kosten betrifft, weiß man heute mehr. Das zeigt sich in der Untersuchung „Mehr Wert“, die WWF, CDP und das Bundesumweltministerium bei der Beratungsgesellschaft KPMG in Auftrag gegeben haben. Es stellte sich heraus, dass der Nutzen eines Klimareportings in 13 von 15 Szenarien die Kosten deutlich übersteigt. Für die Klimaberichterstattung entstehen einem Unternehmen Kosten zwischen 15.000 und 95.000 Euro pro Jahr. Das ist ein überschaubarer Betrag, wenn man bedenkt, dass der Nutzen in Gestalt steigender Aktienkurse schnell in die Millionen gehen kann.

Klimawandel in Managementstrukturen und Anreizsysteme integrieren

Nach dem Abkommen von Paris und der EU-Richtlinie zur Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen (CSR-Richtlinie), die alle Mitgliedsstaaten bis Ende des Jahres zur gesetzlichen Verankerung von Reporting verpflichtet, arbeitet nun auch die durch die G20-Staaten legitimierte Task-Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD) Empfehlungen aus. Sie bestätigt, was sich in 15 Jahren Klimaberichterstattung auf freiwilliger Basis entwickelt hat: Die Nutzbarkeit von Klimaberichten verlangt bestimmte Bausteine. Die strategische Integration des Themas Klimawandel in Managementstrukturen und Anreizsysteme zum Beispiel.

Die Beschäftigung mit wesentlichen Risiken und Chancen demonstriert nach vorn gerichtetes Unternehmertum. Ziele tragen zum Klimaerfolg bei – bis zu drei Prozent höhere Senkung von Treibhausgasemissionen pro Jahr gegenüber Unternehmen ohne Ziele – und liefern noch ein Prozent mehr Return on Investment (RoI) pro Jahr. Königsklasse sind Ziele, die sich an Nachhaltigkeitszielen der Weltgemeinschaft orientieren – wie die „Science Based Targets“. Sie brechen das in Paris vereinbarte Zwei-Grad-Ziel auf Branchen und Unternehmen herunter. 177 Unternehmen haben sich dazu bereits freiwillig verpflichtet. Auch die Analyse der Wertschöpfungskette wie etwa mit dem CDP Supply Chain Programm, wo 89 Großkonzerne weltweit über 4000 Lieferanten anfragen, gehört dazu. Das wirkt bis China, Indien oder Brasilien.

Und die Zukunft? Bleibt spannend! Die Arbeit von CDP, CDSB und TCFD geht weiter. Denn erst auf Basis standardisierter Klimaberichte können Staaten ihre eigenen Dekarbonisierungsziele aufschlüsseln und nachverfolgen, Investoren zielgerichtet in klimafreundliche Produkte wie die STOXX Low Carbon Indexfamilie investieren und Privatanleger die Klimawirkung ihrer eigenen Altersvorsorge verstehen und beeinflussen. Das von CDP, South Pole, Universität Hamburg und University of Reading im Aufbau befindliche erste Klimarating für Publikumsfonds ist dabei nur eine der vielen aufregenden Neuerungen.

[Dieser Beitrag ist anlässlich der Konferenz KLIMAWANDEL: CHANCEN UND RISIKEN – BERICHTERSTATTUNG IM WANDEL zunächst in der Verlagsbeilage „Klimaberichterstattung“ der Börsen-Zeitung erschienen.]

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