Kapazitätsmarktmodelle: Die Strategische Reserve

Gastautor Portrait

Jacek Mazurkiewicz

EnBW

2010 angefangen bei der EnBW als Konzerntrainee. Direkter Sprung in die Bloggerwelt mit regelmäßigen Beiträgen im Traineeblog des Unternehmens. Seit 2012 zuständig für politische Themen – als Referent des Leiters Wirtschaft & Politik, Nachhaltigkeit immer mittendrin im Getümmel der energiepolitischen Meinungsvielfalt. Da in der Freizeit eher sportlich unterwegs, freue ich mich auch hier auf einen fairen Umgang in der Diskussion.

weiterlesen
24. November 2014
Strategische Reserve Kapazitätsmarktmodell

Die Strategische Reserve gehört zu den aktuell meistdiskutierten Kapazitätsmarktmodellen. Bei der Strategischen Reserve werden Kraftwerke – in der Regel alte, unwirtschaftliche und ansonsten stillzulegende – in eine Reserve überführt, die außerhalb des regulären Strommarktes steht. Diese Reserve wird von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) im Wesentlichen für zwei Fälle vorgehalten:

  • Wenn der Markt knapp wird, also wenn das Stromangebot die Nachfrage nicht decken kann. In dem Fall bieten die ÜNB in den Markt, damit es nicht zu Stromrationalisierungen kommen muss (Nachfrageeinkürzungen, rollierende Blackouts).
  • Wenn das Netz Kraftwerke an bestimmten Orten braucht. Dann werden die Reservekraftwerke als Stütze des Netzes eingesetzt (Redispatchreserve).

KohleDie Kapazitätsentgelte, die die Reservekraftwerke erhalten, werden durch ein Auktionsverfahren, also wettbewerblich, ermittelt. Die Strategische Reserve ist ein selektiver Kapazitätsmarkt, weil nicht alle im Markt stehenden Anlagen ein Kapazitätsentgelt erhalten, sondern nur die in der Reserve stehenden. Der große Vorteil der Strategischen Reserve besteht darin, dass der Markt nicht durch zusätzliche, durch den Staat in den Markt geförderte Kapazitäten verzerrt wird und dass die Reserveanlagen die Freiheit haben, Gebote abzugeben, die ihre Kosten wirklich decken. Internationale Beispiele aus Schweden und Finnland belegen, dass das Instrument gut funktioniert. Die Strategische Reserve ist allerdings nur als Übergangslösung verwendbar, weil sie ausschließlich auf stilllegungsbedrohte Kraftwerke setzt. Falls der Energiemarkt systematisch kein von der Gesellschaft akzeptiertes ausreichendes Niveau an Versorgungssicherheit bieten kann, reicht diese Lösung dauerhaft nicht aus.

In unserer Energie-Bibliothek finden Sie die Infografik auch als Download.

Strategische Reserve - Kapazitätsmarktmodell

Diskutieren Sie mit

  1. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Die Strategische Reserve ist das Modell, das den EVU hier in Deutschland Luft zum Atmen lässt. Sie verhindert, dass die Politik die Energieversorgung in unserem Land vollständig vernichtet. Alles nur gut gemeint was politisch aus Berlin kommt in der Auswirkung aber eine Katastrophe für die Energieversorgung!!!!!

    Es kann und darf nicht sein dass Wirtschaftsunternehmen gezwungen werden defizitäre Posten (alte unrentable Kraftwerke) im Bestand zu führen. Die Zeche dafür zahlen die Verbraucher und Beschäftigten der Energieversorgung in Deutschland.

    Nur so kann Zukunft geschaffen werden ohne einen Tsunami über die Deutsche Energiewirtschaft laufen zu lassen!!! Neue Wege zu gehen heißt nicht das alles vorher falsch gewesen ist. Man kann und muss die Erfahrungen der Energiewirtschaft nutzen um die Energiewende erfolgreich zu beenden!!!

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Kapazitätsmarktmodelle: Die Strategische Reserve
5
9