Wie war die Intersolar 2017?

Gastautor Portrait

Stephan Droxner

EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Stephan Droxner ist Senior Project Manager in der Produktentwicklung bei EnBW solar+. Vor seinem Einstieg bei der EnBW hatte er Leitungsfunktionen in der PV-Branche bei Siemens und der Sovello AG inne. Stephan Droxner studierte Politikwissenschaft, Statistik und Slavistik und hat einen Abschluss als MBA der University of Alabama, Tuscaloosa (USA).

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06. Juni 2017
Intersolar 2017

Noch wird sie vermarktet als „die weltweit führende Fachmesse für die Solarwirtschaft.“ Die Intersolar Europe findet jährlich auf der Messe München statt. Nach ihrer Gründung vor 25 Jahren hat sich die Intersolar schnell als wichtigste Branchenplattform der Solarwirtschaft etabliert. Doch seit dem die großen Umsätze nicht mehr in Deutschland und in Europa, sondern in Asien und in den USA gemacht werden, bröckelt der Ruf der Intersolar als globale Leitmesse der Branche. Doch für europäische Hersteller, Dienstleister und Händler bleibt die Intersolar als Branchentreff ein Pflichttermin. Parallel zur Intersolar Europe findet die „ees Europe“ statt, eine Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme.

Auch die EnBW-Solarsparte war wieder auf der Intersolar 2017 vertreten. Wir sprachen mit Stephan Droxner, Senior Projekt Manager bei EnBW solar+, über seine Eindrücke von der Messe.

DEZ-Blog: Herr Droxner, Sie sind seit vielen Jahren auf der Intersolar. Welche Highlights hatte die Messe 2017 zu bieten?

Stephan Droxner: Gemessen an den Ankündigungen im Marketing und an der Größe mancher Ausstellungsstände waren die Innovationen in diesem Jahr eher gering. Das große Thema der letzten Jahre, der Weg in Richtung Autarkie durch die Kombination von Solaranlagen und Speichern, eröffnet kaum noch neue Perspektiven. Das hat nun jeder im Angebot und die potentiellen Kunden kennen es. Die hohen Verkaufszahlen zeigen, dass das Produkt angenommen wird. Der Trend auf der Messe geht nun in Richtung Community-Strom, wie ihn auch die EnBW anbietet. Dabei soll eigenerzeugter Strom nicht nur dem Anlagenbetreiber, sondern auch Freunden und Bekannten zugute kommen. Wer darüber hinaus Neuerungen suchte, musste in diesem Jahr genauer hinsehen. 

Intersolar 2017: Die solaren Stromgestehungskosten werden weiter sinken

Was haben Sie entdeckt?  

Der Trend zur Optimierung hält unvermindert an. Die Effizienz der Module im Rahmen der bekannten Technologien wächst. Bei den Freiflächenmodulen geht der Wettbewerb immer stärker in Richtung Kosteneffizienz. Es gab 1500 Volt-Module zu sehen und neuartige Rahmen mit Hinterlüftung sowie Stecksysteme, die die Montagekosten senken. Eine hochinteressante Entwicklung sind Glas-Glas-Module, die auf Grund ihrer beidseitigen Beschichtung in der Lage sind, neben der direkten Sonneneinstrahlung auch das Licht einzufangen, das von der Erde zurückstrahlt. Die Kombination von bifacialen Solarmodulen, neuen Zelltechnologien und weiteren, eher kleinen Optimierungen wird zu weiteren Kostensenkungen bei der solaren Stromerzeugung führen und fossile Technologien immer stärker aus dem Markt drängen.  

Intersolar 2017
Eine der vielen kleinen Innovationen auf der Intersolar 2017: Der modulare Speicher der Dresdner Firma Solarwatt wurde mit einem Award ausgezeichnet.

Die Solarwirtschaft bringt zwar keine Revolutionen mehr hervor. Der weltweite Wettbewerb heizt jedoch eine stetige Evolution an. Die Technik wird immer besser, solider und preiswerter. Die Intersolar 2017 zeigt wieder: Der PV-Stromgestehungspreis wird weiter sinken.  

Spielte auch das Mega-Thema Sektorkopplung auf der Messe eine Rolle?

Über die Einbindung des Elektroautos in die Stromerzeugung zu hause wird viel gesprochen – auf der Messe ist das Thema noch nicht richtig angekommen. Auch die Kopplung in Richtung Wärme ist bisher oftmals nur angedeutet. Lediglich einige wenige Anbieter wie z.B. Viessmann haben echte Kombi-Produkte aus Wärme und Strom im Programm.  

Diskutieren Sie mit

  1. Tuchscherer

    vor 1 Jahr

    Hallo, meinen sie wirklich 1500 Volt als Spannung der Module?
    Danke.

  2. Hubertus Grass

    vor 1 Jahr

    Hallo Herr Tuscherer,

    die Erhöhung der Modul-Systemspannung von 1000 auf 1500 Volt ist in der Tat der neue Trend. Er wird in der Fachpresse schon länger diskutiert
    https://www.pv-magazine.de/webinare/mit-der-1500-volt-anlagentechnik-43-cent-pro-wattpeak-einsparen-wird-sie-ein-neuer-standard/
    Mit besten Grüßen
    Hubertus Grass

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