Es treffen gewaltige Interessenblöcke aufeinander,….

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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07. April 2014
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell
Wer trägt die Hauptverantwortung für die Energiewende?

…wenn ein so weitreichendes Gesetz wie das EEG novelliert wird. Die Industrie mit ihren großen Verbänden mischt da ebenso mit wie Industrie- und Handwerkskammern, Naturschutzverbände, die Lobby der  Hersteller, Entwickler und Projektierer, Verbraucherschützer, große Energieversorger, Städte, Stadtwerke, Parteien, Bundesländer, der Bauernverband und all diejenigen, die ich hier vergessen habe.  

Bei unserer Umfrage, die bis zum vergangenen Sonntag (06.04.14) lief, wollten wir wissen: Wer trägt die Hauptverantwortung für die Energiewende? 132 Teilnehmer machten mit und die Mehrheit (52 Prozent) meint: Die Hauptverantwortung trägt die Politik. Sie wird es auch sein, die im Bundestag (26. und 27. Juni) über das EEG entscheidet.  Bis es zur 3. Lesung des Gesetzes kommt, werden sich die oben erwähnten Gruppen, alle 16 Bundesländer und auch die EU-Kommission mit dem Gesetzesvorhaben befasst haben.

44 Prozent unserer Umfrage-Teilnehmer sagen: Die Hauptverantwortung für die Energiewende trägt die Gesellschaft, also wir alle gemeinsam. Nur eine kleine Minderheit von jeweils zwei Prozent der Teilnehmer delegiert die Verantwortung für die Energiewende an die Energieversorger oder die Industrie.

Wer tatsächlich die Hauptverantwortung für die Energiewende trägt, hat auch die Debatte um die Novellierung des EEG letzten Endes nicht klären können. Gezeigt hat die Diskussion, die in den Medien und im Netz sehr intensiv geführt wurde, dass sich einige gesellschaftliche Gruppen besser als andere bei der Politik durchsetzen können. Verbrauchern und Mittelstand fehlt es offensichtlich an einer durchsetzungsstarken Lobby.

Außerdem wurde einmal mehr offensichtlich, dass die Ziele einer Reform am Ende nur halb so wichtig sind, wie sie es zur Begründung der Reform am Anfang waren. Im Blog Phasenprüfer kommt Robert Werner für mich nachvollziehbar zu dem Fazit, dass von der „Reform“ des EEG am Ende nicht viel übrig geblieben ist. Der politische Berg kreiste und gebar die Maus der Novelle.

Am Ende muss vielleicht die Gesellschaft wieder die entscheidenden Impulse geben, damit  bisher vernachlässigte Themen wie zum Beispiel die Energieeffizienz endlich angepackt werden. Vielleicht ist ja unser Blog eine der Plattformen, von denen die richtigen Impulse kommen. Ich jedenfalls freue mich auf den Austausch mit Ihnen.
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Nehmen Sie an der neuen Umfrage teil: Zur aktuellen Frage gelangen Sie hier.

 

 

 

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  1. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Der Bericht bei Spiegel online bringt es auf den Punkt: Die Ministerpräsidenten, die Politiker (, die nach Ansicht von Umweltbewegten ausschließlich Politik für E.ON und Co. machen), machen sich selbst zu Lobbyisten der in ihrem Bundesland überwiegend vertretenen EE-Erzeugung. Korrekturen werden zugunsten der entsprechenden Klientel aufgeweicht... usw. ... Aber den EE-Profiteuren in Deutschland ist das natürlich nicht genug ...
    .
    Auf der Strecke bleibt der Verbraucher!
    .
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/energiegipfel-bringt-zugestaendnisse-und-viele-offene-fragen-a-962043.html

  2. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - warum sind sie so ideologisch verblendet ?
    Wie das US Solarforschungsinstitut berichtet, sind im ersten Quartal 2014 weltweit 9 Gigawatt Photovoltaik neu ans Netz gegangen, so viel wie nie zuvor. Treibende Nationen waren Großbritannien nd Japan. Im trüben England investiert man in PV, anstatt das Geld für den Atomkraftwerksneubau Hinkley Point C aufzusparen ?
    Überall investiert man in Photovoltaik, weil es offensichtlich Sinn macht.
    Macht man das hingegen in Deutschland, ist man Linker, Grüner oder Ökopax, im schlimmsten Fall Bäumeumarmer.

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  3. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Welche von den von Ihnen genannten Ländern setzt seine zuverlässige Energieversorgung aufs Spiel und plant, sowohl aus Kohle als auch aus Kernenergie auszusteigen?

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  4. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Sehen sie Herr Kaiser, das ist ihre typische ideologische Scheuklappe. Wenn die großen Stromkonzerne in die Energiewende investieren, klappt das, ansonsten setzen wir unsere zuverlässige Energieversorgung aufs Spiel.
    China hat in 2012 mehr als 11.000 MW an Windkraft neu aufgebaut. China erzeugt mit seinen Windrädern mehr Strom, als mit seinen Kernkraftwerken.
    Der weltweite Zubau an PV ist heute größer, als der globale Zubau neuer KKW Leistung, wenngleich mir als Elektrotechniker klar ist, dass man ein MW KKW Leistung nicht auf eine Stufe mit einem MW Photovoltaik setzen kann.
    In Deutschland wird immer so getan, als sei die Energiewende der Untergang des Abendlandes. Die USA haben ganz andere Probleme. Seit Harrisburg 1979 hat man keinen neuen Meiler mehr gebaut. Die US KKW sind schon recht betagt, und Ersatz kostet richtig Geld.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit der Energiewende in 20 Jahren volkswirtschaftlich ganz weit vorn stehen werden.

  5. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit der Energiewende in 20 Jahren volkswirtschaftlich ganz weit vorn stehen werden."
    ************
    Ich weiß, an "Überzeugung" fehlt es Ihnen nicht... leider lassen sich mit Überzeugung allein die physikalischen Gesetze auch nicht austricksen.
    .
    .
    "Sehen sie Herr Kaiser, das ist ihre typische ideologische Scheuklappe. Wenn die großen Stromkonzerne in die Energiewende investieren, klappt das, ansonsten setzen wir unsere zuverlässige Energieversorgung aufs Spiel."
    ***********
    So oft, wie ich diese Fehleinschätzung Ihrerseits in diesem Forum bereits (begründet) korrigiert habe, frage ich mich, wer hier Schwierigkeiten damit hat, seine "Scheuklappen" abzunehmen, warum beantworten Sie nicht einfach die Frage (... welche von den von Ihnen als Vorbild angeführten Länder - wie Deutschland - sowohl aus der Kohleverstromung als auch aus der Kernenergieverstromung per Dekret aussteigt), die ich unten gestellt habe, sondern stammeln gebetsmühlenartig Ihre (ohne Kontext) nicht aussagefähigen Erzeugungsleistungen und EE-Mengen zum Besten geben...?
    Aber ein letztes mal nur für Sie (alle anderen scheinen es ja begriffen zu haben): Ich sorge mich nicht, weil irgendwer irgendwo irgendwelche Windmühlen aufstellt... meine Sorge gilt der Zwangsabschaltung von zuverlässigen Stromerzeugungsanlagen und deren Ersatz durch zufallsabhängige Erzeugungsanlagen, die zudem ohne Subventionen nicht überlebensfähig sind.. meine Sorge gilt der Sicherheit unseres Energieversorgungssystems , weil sozialistischen Planwirtschaft an die Stelle der Marktwirtschaft im deutschen Energiemarkt getreten ist mit Zwangsbeglückung und hohen Preisen.
    Sie feiern, wenn Großunternehmen - wie Sie - zu reinen Subventionsabschöpfern werden, als Erfolgsgeschichte "Ihrer Winderzeugung"... das ist in meinen Augen nichts anderes als ein sich zunutze machen des Systems... und da machen Großunternehmen nichts anderes als Sie!
    .

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  6. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    ... Schon lange geht es in der Diskussion nicht mehr um Versorgungssicherheit, sondern darum, den EE Ihre Pfründe zu sichern und darum, wie die daraus entstehenden Lasten für alle am besten zu verteilen sind...

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  7. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - warum klimpern sie sich die Finger wund ?.
    Das Spiel ist doch ganz einfach. Wenn die großen Konzerne etwas machen, ist das vorbildlich , ansonsten wird dagegen geätzt.
    http://www.vorweggehen.de/energieeffizienz/solarstromspeicher-sonne-auf-vorrat/

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  8. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Windmüller, ich bewundere Ihren scharfen Verstand und Ihre analytischen Fähigkeiten!

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  9. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - wie kommt es , dass die Wirklichkeit nur immer so gegen sie spielt ?
    www.sueddeutsche.de/wirtschaft/umstrittener-akw-ausbau-in-tschechien-aus-fuer-neue-reaktoren-in-temeln-1.1934548

    Dabei ist Atomstrom doch sooooooo billig

  10. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Wissen Sie Herr Windmüller, ich habe überhaupt kein Problem damit, dass die beiden Blöcke (vorerst) nicht gebaut werden. Die Entscheidung dazu fußt auf einem ganz einfachen marktwirtschaftlichen Prinzip: Eine instabile politische Situation lassen für die Betreiber bei den gegebenen Marktpreisen das wirtschaftliche Risiko zu hog erscheinen... Die Entscheidung ist nicht das Ergebnis politisch-ideologischer Entscheidungen zum Ausstieg. Die Tschechen können -anders als Deutschland - bei Ihrer Grundlastversorgung weiterhin auf zuverlässige. planbare 35% Kernenergie bauen.
    .
    Vielleicht wird das Thema ja nochmal "interessant", wenn die Not in Deutschland hinreichend groß wird. Grafenrheinfeld - immens wichtig für das Rhein-Maingebiet - geht früher als geplant vom Netz, Ersatz kommt nun (vermutlich dauerhaft) aus Fessenheim.
    .
    Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass bei uns die Not noch größer wird, werden uns die Tschechen natürlich die Preise diktieren können... Das wäre dann so ähnlich, wie das von Ihnen gerne bemühte Beispiel in Großbritanien: Dort resultiert die hohe Preisforderung auch aus dem Wissen heraus, dass die Britten mit Erzeugung ziemlich klamm sind - zuletzt verfügten Sie gerade noch über 4% Erzeugungsreserven.... Das hat dann nichts mit "teurer Kernenergie" zu tun, das ist etwas, was für Sie vermutlich etwas völlig unbekanntes ist - es nennt sich "Marktwirtschaft".
    .

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  11. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - glauben sie eigentlich selber, was sie schreiben ?
    Wir haben in 2013 einen Stromexportüberschuss von 34 Mrd Kwh gehabt, so viel, wie nie zuvor.
    Die Braunkohleblöcke haben so viel produziert, wie seit 20 Jahren nicht. Steinkohleblöcke werden vom Netz genommen, weil wir in Strom schwimmen. Unternehmen in Belgien und den Niederlanden beklagen sich darüber, dass die deutsche Industrie Strom zu Billigstpreisen beziehen kann, während hier mit Abwanderung der Industrie gedroht wird.
    Und deshalb kommen wir in Not, so dass die Tschechen die Lage ausnutzen können, und uns die Preise diktieren können ??

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  12. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Windmüller, Sie betreiben nach wie vor "Cherrypicking": Sie nehmen eine Information aus ihrem Kontext und pressen Sie in Ihr Weltbild.... Nachweise für die von Ihnen konstruierten "Zusammenhänge" bleichen Sie daher in der Regel schuldig!
    Beispiel:
    .
    "Wir haben in 2013 einen Stromexportüberschuss von 34 Mrd Kwh gehabt,..."
    Antwort: Diese Aussage ist korrekt! Was Sie jedoch bewußt nicht erwähnen, ist; wann genau... zu welchen Zeiten... diese Exportüberschüsse erzielt wurden. Aufschluss darüber gibt ein Blick auf transparency.eex.com (bitte noch dass www. voranstellen!) Auf dieser Seite können Sie viertelstündlich genau nachverfolgen, wie groß der Strombedarf in Deutschland jeweils ist und welche Erzeugungsarten mit welchen Mengen diesen Bedarf gedeckt haben. Soweit so gut. Wenn Sie darüber die Stromaustauschmengen (siehe: entsoe.net) legen, werden Sie feststellen, dass wir nicht dann Strom exportieren, wenn besonders viele Kohlekraftwerke am Netz ist, sondern dann, wenn besonders viel Erneuerbaren-Strom erzeugt wird!
    Und noch Fragen?

    .
    "Unternehmen in Belgien und den Niederlanden beklagen sich darüber, dass die deutsche Industrie Strom zu Billigstpreisen beziehen kann"
    ***
    Nachweis für diese Behauptung? - Ihre Verzerrungen werden immer komischer!

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  13. Windmüller

    vor 5 Jahren

    @ Herr Kaiser - ich betreibe kein cherrypicking. Es ist doch nicht meine Schuld, dass gewisse Interessengruppen die Energiewende mit aller Macht gegen die Wand fahren wollen. Beispielsweise wird immer wieder betont, dass wir Strom ins Ausland verschenken. Das müsste gar nicht sein . Über smart grid und smart metering könnten Wärmepumpen als Beispiel ganz gezielt als Lastsenke eingesetzt werden. Es gibt heute 400 Wärmepumpen von 18 Herstellern, die smart grid ready sind. Man will es gar nicht nutzen. Ein Bruder von mir ist Dipl. Ing. bei Miele in Gütersloh. Miele hat sich intensiv mit smarten Haushaltsgeräten beschäftigt. man hat das in den Orkus gekippt, nachem Eon Miele gegenüber erklärt hat, dass man so was in Wirklichkeit gar nicht wolle. Tage später wird wieder posaunt, die Energiewende scheitere an fehlenden Speichern.

  14. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr Windmüller,

    Sie wollen sich also die Daten nicht ansehen, sondern lenken wieder ab - naja, das kennt man ja inzwischen von Ihnen.
    Ich kann nicht beurteilen, ob ein Unternehmen ein "Projekt"(?) in den Orkus gibt allein auf die Aussagen von E.ON hin "Wir wollen das nicht"... Und ob und in welchem Kontext das so geäußert wurde, läßt sich ebenfalls nicht nachprüfen.
    .
    Ich habe jedoch gehört (wenn Sie Quellen dafür möchten, muss ich erst noch tiefer einsteigen), dass SMART-Grids vor dem Hintergrund von Datenschutz kritisiert werden. Insbesondere nach dem NSA-Skandal sind Datenschützer sehr besorgt darüber, was passieren könnte, wenn ein Energieversorger genaue Informationen über das Kundenverhalten bekommt (Wann läuft der Fernseher? Wann ist er abwesend?) Vom externen Eingriff durch den Energieversorger ganz zu schweigen
    .
    Sie sehen, manchmal geht es nicht in erster Linie darum, Ihnen und Ihrer Klientel zu schaden... obwohl Sie es sich natürlich in Ihrer Opferrolle schön bequem gemacht haben!
    .

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