Es geht zu langsam voran,

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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01. Juli 2014
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell
Wie beurteilen Sie die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der Energiewende?

bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland. Das meint jedenfalls die Mehrheit derjenigen, die an unserer Abstimmung teilnahmen. 55 Prozent sind der Überzeugung, die Energiewende sei zu langsam unterwegs und brauche mehr Speed. 20 Prozent bewerten die Geschwindigkeit mit „genau richtig“ und genau ein Viertel meint, die Umsetzung der Energiewende liefe zu schnell.

Lässt sich die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der Energiewende messen? Versuchen wir es mal: 2012 wurden auf dem deutschen Energiemarkt 2.553 Terrawattstunden umgesetzt. Etwas mehr als die Hälfte dieser Energie ging in den Wärmemarkt (1328 TWh oder 52 Prozent), und je ca. 24 Prozent wurden für Mobilität (616 TWh) und Strom (609 TWh) verbraucht. Ungefähr 150 Terrawattstunden steuerten die Erneuerbaren Energien in der Erzeugung bei, das sind weniger als 6 Prozent. Wenn wir das Jahr 2000 mit der Einführung des EEG als den Startpunkt der Energiewende markieren, dann haben wir im Mittel jedes Jahr ca. 0,5 Prozent unseres Energiemarktes auf Erneuerbare Energien umgestellt.  

Markt

Diese Rechnung ist vereinfacht, weil sie zum Beispiel die Beimischung von Biosprit wegen fehlender Nachhaltigkeit und andere Faktoren wie die thermosolare  Wärmegewinnung außer acht lässt. Nehmen wir den Primärenergieverbrauch (PEV) als Ansatz kommen die Erneuerbaren 2012 auf einen Anteil von 11,6 Prozent. In 2000 lag der PEV der Erneuerbaren bei 2,9 Prozent – auch bei dieser Betrachtungsweise liegt die jährliche Steigerungsrate der Umstellung auf Erneuerbare Energien unter einem Prozent. Tendenziell sagen die Zahlen: Wenn wir die derzeitige Geschwindigkeit bei der Energiewende beibehalten, werden wir mehr als 100 Jahre brauchen, um unser Energiesystem auf Erneuerbare Energien umzustellen. Ein Geschwindigkeitsrausch droht nicht.  

Schon heute kennen wir die zentralen Eckpfeiler eines nachhaltigen Energiesystems. Die Erzeugung erfolgt im Wesentlichen durch Wind- und Sonnenkraftwerke, die in ihrer Kapazität die heutigen Stromerzeugungsanlagen um ein Mehrfaches übertreffen, flankiert von Wasserkraft- und Biomasseanlagen. Überangebote werden in Verfahren wie PtH oder PtG und dezentralen Akkus, zu denen dann auch die Elektroautos gehören, gespeichert. Strom-, Wärme- und Mobilitätsmarkt sind zusammen gewachsen. Wir haben die Effizienzgewinne in allen Sektoren realisiert; intelligente Systeme vernetzen Erzeuger, Verbraucher und Speicher und sorgen für Stabilität im Netz. Marktgerechtes Verhalten wird belohnt.  

Jetzt brauchen wir „nur noch“ den Übergang zu organisieren. Wir glauben, dass es zwischen den Blöcken der Beharrung, also denen die bei der Energiewende mit beiden Beinen auf der Bremse stehen, und denen, die weit in die Zukunft denken, aber die nächsten Schritte nicht planen, einen Raum der Vernunft und des Dialogs geben muss. In diesem Raum sollte es Platz geben für konkrete Vorschläge, wie wir die Energiewende organisieren können.  

Die Diskussionen um das EEG haben gezeigt, dass die Gestaltung der Energiewende in einer Sackgasse steckt. Jetzt braucht es möglichst konkrete Ideen, um in naher Zukunft wieder Fahrt aufzunehmen. Hier im Blog möchten wir Vorschlägen Raum geben, die aus dieser Sackgasse heraus führen, weil sie praktikabel und lösungsorientiert sind. 100 und mehr Ideen für die Energiewende gesucht. Schreiben Sie uns. 

An unserer Umfrage nahmen vom 16. – 29. Juni 97 Personen teil.
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Nehmen Sie hier an der aktuellen Umfrage teil.

Diskutieren Sie mit

  1. Klaus Ermecke

    vor 4 Jahren

    Ich nehme niemals an Umfragen teil, deren Sinn in der Manipulation a) der Befragten und b) der Öffentlichkeit liegt.

    Was ist mit denen, die die sogenannte "Energiewende" ablehnen? Warum taucht diese Meinungsoption in der Liste der angebotenen Möglichkeiten nicht auf? Weil sie unerwünscht ist? Oder weil nach Meinung des grünen Forumsleiters diese Meinung nicht geäußert werden darf?

    Was ist mit denen, denen das ganze Öko-Geschwätz zum Hals raus hängt und die deshalb in Umerziehungsforen wie diesem nicht auftauchen?

  2. Hubertus Grass

    vor 4 Jahren

    Sehr geehrter Herr Ermecke,

    dieses Forum befasst sich NICHT mit Fragen, ob die Energiewende nötig ist oder nicht, ob jemand sie ablehnt oder nicht, sondern dieses Forum wurde eingerichtet, um alle Fragen und Probleme zu diskutieren, die bei der Gestaltung der Energiewende auftreten.

    Ihre Frage "Was ist mit denen, denen das ganze Öko-Geschwätz zum Hals raus hängt und die deshalb in Umerziehungsforen wie diesem nicht auftauchen?" kann ich daher beantworten: Sie sind hier definitiv am falschen Ort.

    Auf Wiedersehen. Machen Sie es gut.

    4 8
  3. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Klasse Herr Grass - sauber gekontert !!

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