Immer mehr Unternehmen reagieren auf das Signal von Paris

Gastautor Portrait

Christoph Bals

Germanwatch

Christoph Bals ist Politischer Geschäftsführer von Germanwatch und Vorstandsmitglied der „Stiftung Zukunftsfähigkeit“, der Munich Climate Insurance Initiative (MCII) und der Renewables Grid Initiative (RGI), sowie Mitglied des Nerve Centers der Global Campaign for Climate Action (GCCA). Bals hat zahlreiche Initiativen im Bereich Klima und Entwicklung sowie Klima und Wirtschaft – wie e5, e-mission 55 und atmosfair – mit angestoßen. Als kritischer Beobachter hat er an allen UN-Klimagipfeln teilgenommen.

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18. Dezember 2015

EnBW und 34 weitere Unternehmen aus vielen Branchen der Wirtschaft begrüßen das erstaunlich ehrgeizige und erstmals für alle Staaten verbindliche Weltklimaabkommen. Aus ihrer Sicht müssen Deutschland und die EU nun einen Zahn zulegen, um ihre Vorreiterrolle nicht zu verlieren.

Der gerade zu Ende gegangene Weltklimagipfel von Paris hat Bewegung in den Klimaschutz gebracht. In Paris ist gelungen, was zuvor kaum noch jemand für möglich hielt. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich nicht nur auf ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll geeinigt, in dem sich alle Staaten – auch China und Indien – zum schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verpflichten. Es ist obendrein gelungen, einen Mechanismus in den Paris-Vertrag einzubauen, nach dem die Staaten alle fünf Jahre ihre Klimaziele anschärfen sollen. Nachdem es schon in den letzten zwei Jahren Anzeichen für eine internationale Trendwende in der Energiepolitik gab, könnte Paris der Wendepunkt werden, um die Klimaerwärmung „deutlich unter 2°C“ zu halten. Die Staatengemeinschaft will sogar prüfen, ob es noch möglich ist, die Temperatur bei 1,5°C zu stabilisieren.

Klimaabkommen zeigt erste Wirkungen

„Wahrscheinlich die stärkste Wirkung des Pariser Abkommens wird in den nächsten paar Jahren das Signal sein, dass Paris an Investoren sendet“, schrieb der Economist noch am Abend des letzten entscheidenden Tages des Pariser Klimagipfels. „Die vereinigten Regierungen der Welt machen deutlich, dass das Zeitalter der fossilen Energien zu Ende geht.“ Dieses Signal beginnt bereits zu wirken. In Deutschland kündigt die Umweltministerin an, dass im nächsten Jahr Vorschläge zum Kohleausstieg vorgelegt werden. In der EU der Energie- und Klimakommissar Miguel Arias Canete, dass er ein höheres und verbindliches EU-Energieeffizienzziel durchsetzen will.

Beeindruckend viele Unternehmen weltweit haben sich in den Tagen nach dem Pariser Klimaabkommen zu Wort gemeldet. Der Paris Pledge for Action hat schon 800 Unterzeichner, viele davon große Unternehmen. Sie versprechen, den Klimaschutz im eigenen Unternehmen voranzutreiben. Aber sie wollen auch ehrgeizige Rahmensetzungen der Politik sehen, die die Dekarbonisierung so vorantreiben, dass sie  mit der Einhaltung des 2-Grad-Limits kompatibel ist.

Führende deutsche Unternehmen unterzeichnen Erklärung

Germanwatch-ErklärungAuch deutsche Unternehmen verschlafen den Weckruf nicht. 35 große und mittelständische Unternehmen begrüßen in einer eigenen „Erklärung zum Klimaabkommen von Paris“ das neue Weltklimaabkommen als Wendepunkt hin zur globalen Energiewende. Sie kommen aus den  unterschiedlichsten Branchen. Dabei sind etwa die  Commerzbank, Puma, Aldi Süd und der Metallverarbeiter Otto Fuchs. Sie wünschen sich von der Politik in Deutschland und der EU nun ambitionierte Rahmenbedingungen für die Dekarbonisierung. „Aufgabe der Politik ist es“, heißt es in der Erklärung, die beginnende Trendwende bei Emissionen und Investitionen auf ein festes Fundament zu stellen.“

Die Unternehmen wünschen sich ganz konkret unter anderem

  • einen Klimaschutzplan 2050 für Deutschland, der den oberen Rand des Zielkorridors von 80 bis 95 Prozent Reduktion Treibhausgasemissionen zum Ziel hat
  • eine Nachschärfung der Maßnahmen zur Erreichung des deutschen Treibhausgasziels von -40 Prozent bis 2020
  • die Einleitung einer umfassenden Verkehrswende mit dem Ziel einer Treibhausgasminderung von 95 Prozent im Transportsektor bis 2050
  • eine weitergehende Reform des EU-Emissionshandels, die ein investitionsrelevantes CO2-Preissignal bewirkt. Dieses müsse für die vom Emissionshandel abgedeckten Sektoren Emissionsreduktionen sicherstellen, die mit einem kostengünstigen Pfad zu 95 Prozent Reduktion bis 2050 in der EU konsistent ist
  • einen jetzt startenden Prozess zur Anhebung der 2030-Emissionsreduktions- und Energieziele der EU, inklusive eines  Energieeffizienzziels von minus 40 Prozent bis 2030

Initiiert haben die Erklärung EnBW, Germanwatch sowie die Unternehmensverbände Stiftung 2° und B.A.U.M. Wir gehen davon aus, dass mit mehr Vorlauf viele weitere für Deutschland zentrale Unternehmen die Erklärung mitgezeichnet hätten. Andere in Deutschland aktive Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben direkt nach Paris ähnliche Appelle veröffentlicht.

Unterzeichner wollen Teil der Zukunft sein

Klimaschutz FußabdruckFür viele der 35 Zeichner – und das ist das eigentlich spannende und neue an diesem Appell – bedeutet die Nullemissions-Transformation selber eine nicht unerhebliche Herausforderung. Aber sie wollen etwas unternehmen, um Teil der Zukunft zu sein. Dafür brauchen sie langfristige Investitionssicherheit unter planbaren Rahmensetzungen. Die Ziele dürfen dann auch ehrgeizig sein. Germanwatch freut sich darauf, ähnliche Initiativen auch in Zukunft dabei zu unterstützen, dass sie gehört werden.

Wir sehen bereits, dass die Börsenkurse innovativer Unternehmen nach Paris steigen, während die Aktienkurse von Kohle- und Teersandunternehmen sinken. Jetzt wo sich die Welt auf eine Energiewende verpflichtet, kann Deutschland den Lohn für seine mutige Energiewende einfahren.  Deutschland sollte ab jetzt sehr entschieden auf ein Wohlstandsmodell zusteuern, das mit dem oberen Rand seines Zielkorridors von 80 bis 95 Prozent Emissionssenkung bis 2050 vereinbar ist. Dabei würde auch die EU mitziehen und hätte weltweit Signalwirkung. Wir freuen uns, dass große und wachsende Teile der deutschen Wirtschaft gemeinsam mit uns auf eine solch ambitionierte Klimapolitik setzen.

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