Klimaschutz vor und nach dem Gipfel: Was kann die Energiewirtschaft beitragen?

Gastautor Portrait

Christopher Engelmann

EnBW AG
07. Dezember 2015

Der Energiesektor ist für etwa 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Er ist damit als wesentlicher Mitverursacher des Klimawandels Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung: Fortschritte in diesem Sektor können den globalen Klimaschutz merklich voranbringen und die Gesamtemissionen mindern.

Klimaschutz, PV, Fotovoltaik
Ein Teil der Lösung: Weltweit tragen immer mehr PV-Anlagen zur CO2-freien Energieerzeugung und damit zum Klimaschutz bei.

Der aktuelle Befund ist positiv: Bei der Stromerzeugung sind nicht zuletzt wegen der technologischen Sprünge infolge des deutschen EEG-Vergütungssystems regenerative Energieträger auf dem besten Wege, zur kostengünstigeren Alternative gegenüber fossilen Kraftwerkskapazitäten  zu werden. Zwischen 2000 und 2012 flossen weltweit 57 Prozent aller Investitionen in Erneuerbare Energien, allein im Jahr 2014 wurden 270 Mrd. US-Dollar in EE investiert. Die installierte Leistung an Fotovoltaik-Anlagen hat sich seit 2004 verfünfzigfacht, die Windleistung verachtfacht.

Klimaschutz braucht mehr als Stromwende

Weniger dynamisch sieht es hingegen im Wärme- oder Verkehrssektor aus, nicht umsonst wird etwa die deutsche Energiewende von Experten regelmäßig als Stromwende tituliert. Bei Wärme und Verkehr mangelt es häufig an gezielten Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, Potentiale für den Klimaschutz werden bisher noch unzureichend genutzt. Da der Stromsektor im Vergleich mit diesen Sektoren geringe CO2-Vermeidungskosten aufweist, wäre aus Sicht der EnBW die zunehmende Elektrifizierung von Wärme und Mobilität in Kombination mit stärkeren Anreizen zur Energieeinsparung ein Lösungsansatz auf nationaler wie globaler Ebene.

Wenn nun aber Autos oder Heizungen zunehmend mit Strom betrieben werden, ist im Verkehrs- und Wärmesektor mit deutlich steigendem Strombedarf zu rechnen. Es ist daher elementar, die Wachstumsdynamik bei erneuerbaren Energien zu erhalten und verlässliche politische Rahmenbedingungen für deren ambitionierten Ausbau zu schaffen. Hier drohen die einstigen Vorreiter Deutschland und Europa im globalen Vergleich zurückzufallen, der EE-Zubau wird zunehmend von Ländern wie China oder den USA getragen. So ist in China mit einer EE-Kapazität aus Wind und PV von über 600 GW bis 2025 zu rechnen, in Deutschland lediglich mit etwa 140 GW.

Klimaschutz bei der EnBW

Für die EnBW, die sich engagiert für ambitionierte Klimaschutzziele zur Einhaltung des 2°-Ziels einsetzt, bietet die Energiewende viele Chancen. Das Unternehmen sieht sich als aktiven Gestalter der Energiewende und hat seine Strategie konsequent auf neue, zunehmend dezentrale Geschäftsmodelle ausgerichtet.

Baltic 2
Die Windräder von EnBW Baltic 2 erzeugen umweltfreundlich Strom für rechnerisch 340.000 Haushalte.

So soll der Anteil regenerativer Energien an der eigenen Stromerzeugung bis 2020 auf 40 Prozent verdoppelt werden, vornehmlich durch den Ausbau der Winderzeugung auf See und an Land. Die gesamten Investitionen in Erneuerbare, Netzinfrastruktur, den Aufbau von Energiedienstleistungen und intelligenten Versorgungskonzepten  umfassen 7 Mrd. Euro bis 2020. Es ist daher von großer Bedeutung für die EnBW, dass Deutschland über verlässliche Ausbaukorridore und marktgerechte und planbare Fördermechanismen die Dynamik im Erneuerbarensektor erhält.  Wiederholte Systemwechsel in der EE-Förderung wie etwa 2014 und nun beim angekündigten Wechsel auf Ausschreibungen ab 2017 bilden regulatorische Risiken für die Investoren und gefährden den weiteren Ausbau.

Aus Sicht der EnBW sind neben verlässlichen EE-Fördermechanismen auch kosteneffiziente marktliche Instrumente zur Verringerung des CO2-Ausstoßes zum Erreichen der Klimaschutzziele und zur schrittweisen Dekarbonisierung der Wirtschaft notwendig. Die EnBW hat sich deshalb stets für ambitionierte strukturelle Reformen des europäischen Emissionshandelssystems ETS eingesetzt. Damit Europa nicht länger bei der klimapolitischen Regulierung und Absenkung des CO2-Ausstoßes im Ambitionsniveau verhältnismäßig alleine steht, ist der Abschluss eines verbindlichen und ambitionierten Abkommens auf der Konferenz von Paris so wichtig: Erst dann könnte aus dem europäischen Emissionshandel ein möglicher Ausgangspunkt für die schrittweise Schaffung eines globalen Kohlenstoffmarkts werden und europäische Unternehmen wieder auf einem level-playing-field mit außereuropäischen Wettbewerbern operieren. Ein Misserfolg in Paris würde hingegen mittelfristig den Fortbestand des ETS und damit die Planungssicherheit der ihm unterliegenden europäischen Unternehmen gefährden.

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