Auf dem Weg in die Energiewirtschaft 4.0

Gastautor Portrait

Eberhard Holstein

Grundgrün Energie GmbH
06. April 2016
Energiewirtschaft 4.0, Digitalisierung

Mit dem gesellschaftlichen Konsens zum Wechsel in eine erneuerbare Stromwirtschaft, dem Erfolg des EEG und der Einführung der Direktvermarktung von Strom aus EEG-geförderten Anlagen stehen wir heute vor einem signifikanten Umbau unseres Stromsystems. Es ist maßgeblich von dezentralen Erzeugungsanlagen geprägt, die nicht mehr nur wenigen großen sondern vielen mittelständischen Investoren gehören. Sie übernehmen Bilanzkreis-verantwortung und leisten einen zunehmenden Beitrag für die Systemstabilität. Damit einher geht ein technologischer Wandel. Statt hochverfügbarer Steuerungstechnik für eine dreistellige Anzahl riesiger Kraftwerkseinheiten brauchen wir heute die Steuerungen einer rund siebenstelligen Erzeugungsflotte. Die Steuerung dieser Flotte – wiewohl im Einzelfall mit geringeren Anforderungen verbunden – ist mindestens ebenso komplex wie die der wenigen Großkraftwerke. Demzufolge braucht es hoch performante Systeme, in die neben den Erzeugungs- auch laufend Prognose-, Verbrauchs- und sonstige Daten einfließen.

Digitale Transformation: eine neue Ökonomie für die Energiewirtschaft 4.0

Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien nimmt die Vorteile intelligent regelbarer Erzeuger für das Energiesystem in den Fokus. Das betrifft nicht nur die intelligente Steuerung der Erzeugung, sondern auch die großer Verbraucher. Erst in einer digitalisierten Energiewirtschaft 4.0 ist es möglich, alle zur Verfügung stehenden Positionen und Flexibilitäten sinnvoll und in Echtzeit miteinander zu vernetzen und zu bewirtschaften. Auch kleine Flexibilitätspotenziale werden zukünftig zu virtuellen Kraftwerken zusammengefasst. So können sie an Regelenergiemärkten teilnehmen und die Flexibilität im eigenen Portfolio ökonomisch und ökologisch sinnvoll nutzen. Virtuelle Kraftwerke ermöglichen den präzisen, optimierten Kraftwerkseinsatz, da innerhalb des Systems anlagenscharf bewertet werden kann, welche Anlage in welchem Markt am sinnvollsten platziert wird. Genau davon wird der Wert von Energie in Zukunft abhängen: Zu welcher Zeit sie an welchem Ort und in welcher Form verfügbar ist.

Energiewirtschaft 4.0, Digitalisierung

Digitalisierung der Stromwirtschaft: Rolle und Funktion der IT

Bei all dem kommt der IT in Zukunft höchste Bedeutung zu. Performante Plattformen und ein hoher Automatisierungsgrad sind die Voraussetzung, dass die Chancen und Potenziale der Energiewende genutzt werden können. IT wird zum Steuerungsinstrument für Prozesskosten, indem sie hilft, Abwicklungskosten zu senken und Abwicklungsgeschwindigkeit zu steigern. Kontinuierliches Monitoring und Bewerten von Daten liefert Entscheidungshilfen für die unternehmerische Ergebnissteuerung.
Informationsgrundlagen und die dazugehörigen Algorithmen werden in Zukunft noch rasanter, präziser und verlässlicher. Sie helfen, Preissignale des Marktes zu verstehen, und geben Impulse, die eigene Nachfrage an die Erzeugungssituation anzupassen. Smarte IT-Plattformen ermöglichen die intelligente Steuerung von Erzeugung und Verbrauch – begonnen mit einer präziseren und immer ortsgenaueren Prognose der tatsächlichen Einspeisung erneuerbarer Energien.
Auf diesen Plattformen werden Energiedienstleister neue Ideen und Lösungen in unternehmerisch und energiewirtschaftlich sinnvolle Belieferungs- und Verbrauchskonzepte überführen. Dann können alle Marktteilnehmer gemeinsam den entscheidenden Schritt aus dem EEG vollziehen und mittelfristig in einem Markt ohne Subventionen bestehen. Dann ist die Energiewende tatsächlich erwachsen.

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