Energiewende aktuell: Kohle ist zu billig

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

weiterlesen
18. Mai 2015

Nicholas Stern appelliert an die Bundeskanzlerin

Im Wirtschaftsteil der aktuellen ZEIT lobt und beschwört der Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Stern die deutsche Politik: „Deutschland hat bereits erfreuliche Schritte unternommen, um seine Abhängigkeit von der Kohle zu vermindern… Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Gabriel haben ihre Glaubwürdigkeit mit dem Klimaschutz-Aktionsplan vom Dezember des vergangenen Jahres unter Beweis gestellt.“ Was will Stern mit soviel Lob erreichen? Deutschland möge, so sein Anliegen, beim G-7-Gipfel eine internationale Führungsrolle beim Klimaschutz übernehmen. Kohle ist zu billig, meint Stern. Statt 50 US-$ pro Tonne müsse sie mindestens 150 US-$ kosten.

Stern argumentiert rein ökonomisch. Weniger Emissionen bedeuten weniger Kosten. SternZeitDeutschland sei prädestiniert für eine Vorreiterrolle bei den führenden Industrienationen, weil unser Land mit der Energiewende aktuell weltweit Maßstäbe setze, Deutschland die Nummer eins sei im Handel mit Umweltschutzgütern und – nach China – die Nummer zwei beim Handel mit Klimaschutzprodukten.
Deutschland stehe, so Stern im Forum der ZEIT, mit seiner Energiewende aktuell nicht allein da: Auch in China, den USA und Großbritannien sei der Höhepunkt der Kohlenutzung überschritten. Wenn Deutschland bei der Umsetzung seines nationalen Klimaschutzplans glaubwürdig bleibe, würden nicht nur wir, sondern die ganz Welt davon profitieren.

Der Professor an der London School of Economics ist deutscher Abstammung; er war Chefökonom der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie der Weltbank. Stern berät die britische Regierung in Wirtschaftsfragen. Weltweit bekannt wurde er 2006 durch den Stern-Report, in dem er im Auftrag der damaligen britischen Regierung die wirtschaftlichen Folgen eines zukünftigen Klimawandels untersuchte und zu dem Ergebnis kam, dass schneller und effizienter Klimaschutz ökonomisch der richtige Weg sei. Seine Modellrechnungen zeigen, dass die wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels viel höher sind als die Aufwendungen und wirtschaftlichen Einbußen, die durch konsequentes Handeln entstehen.

Doch die Bundeskanzlerin, direkt von Prof. Stern angesprochen, lässt sich (noch?) nicht in die Pflicht nehmen. Die Klimaretter wiesen daraufhin, dass Angela Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft zwar den Klimawandel zu ihrem Thema machte, aber auf die Klimaabgabe mit keinem Wort einging. Neben dem CO2-Handel steht die Finanzierung der Klimaanstrenugungen der Entwicklungsländer im Vordergrund des Gesprächs. Im Juli findet in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die Konferenz über Entwicklungsfinanzierung statt. Mindestens 100 Milliarden US $ haben die Industriestaaten den Entwicklungsländern für die Zeit nach 2020 als so genannte Klimahilfe in Aussicht gestellt.

Diskutieren Sie mit

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Energiewende aktuell: Kohle ist zu billig
4.3
14