Umfrage: Bringt die Kaufprämie den Durchbruch für E-Mobilität?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
05. Februar 2016
Bringt die Kaufprämie den Durchbruch für E-Mobilität in Deutschland?

Kommt sie? Wenn ja, noch in diesem Jahr? Im Kanzleramt kamen Politik und Wirtschaft zu einem „Autogipfel“ zusammen und diskutierten über die Elektromobilität. Dass Deutschland sein Ziel verfehlt, eine Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020 auf die Straße zu bringen, war dabei ebenso wie die energie- und klimapolitischen Ziele eher von untergeordneter Bedeutung. Im Zentrum der Beratung standen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie auf den Märkten von morgen und die Frage, ob eine Kaufprämie der Elektromobilität in Deutschland zum Durchbruch verhelfen kann.

Nicht die erste Kaufprämie

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Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung

Die Förderung des Kaufs von E-Autos gibt es bereits. Zum Beispiel in Norwegen, wo jeder Käufer 16.000 Euro vom Staat erhält. Bis zu 25% staatliche Förderung erhalten die Briten, wenn sie sich für ein Elektroauto entscheiden. In Frankreich werden bis zu 7.000 Euro gezahlt, die gleiche Summe gibt es in China.
Auch bei uns gibt es Kaufanreize. Die sind aber eher klein. Die Steuerbefreiung für Elektro-Pkws gilt ab dem 1. Januar 2016 noch für fünf Jahre. Beim Kauf eines BMW i3 ergibt das zum Beispiel einen Steuervorteil von 250 Euro.  Bei einem Dienstwagen lässt sich noch ein Nachteilsausgleich geltend machen, dazu kommen noch geringe Anreize über ausgewählte Programme der Länder und der Kommunen. Befreit sind Elektroatuos auch von der neuen Pkw-Maut, die wahrscheinlich aber niemals kommen wird.
In der Summe ist das offenbar zu wenig. Die Höhe der Förderung kann die Nachteile der Elektromobilität mit einem sehr viel höheren Anschaffungspreis und einem meist noch sehr geringen Aktionsradius offenbar nicht ausgleichen. Im letzten Jahr wurden bei mehr als 3 Mio. Fahrzeugen insgesamt gerade einmal 12.500 neue E-Autos in Deutschland zugelassen. Geht es in diesem Tempo weiter, werden wir erst zum Ende des Jahrhunderts das Ziel von einer Millionen erreicht haben.

Beteiligt sich die Industrie?

Es ist nicht lange her, dass die deutsche Automobilindustrie mit einer Prämie gefördert wurde. Die „Abwrackprämie“ kurbelt in der Wirtschaftskrise nach 2008 den Absatz der Autobauer sichtlich an. Seither machen Daimler, VW und Co. beste Geschäfte und haben Milliarden verdient. Das sind nicht die besten Voraussetzungen, um der Branche erneut mit einer staatlichen Beihilfe unter die Arme zu greifen.
Bundeswirtschaftsminister Gabriel betonte daher vor dem Autogipfel, dass er eine Beteiligung der Industrie erwartet. Sein Ziel sei es, dass die gesamte Wertschöpfungskette in Deutschland vertreten sei.

Umwelt- und Verbraucherschützer sehen eine Kaufprämie eher kritisch. «Eine Kaufprämie einzuführen, ohne aber die Mobilität als Ganzes auf Nachhaltigkeit auszurichten, ist zu kurzsichtig», sagte die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert. Kemfert favorisiert begleitend eine Anhebung der Dieselsteuer auf das Niveau von Benzin und spricht sich für striktere Grenzwerte in der EU aus. Ähnlich äußerte sich der Verkehrsexperte Axel Friedrich.  Wer glaube, man könne die heutigen Flotten einfach durch Elektroautos austauschen, habe nichts verstanden. Langfristig, meint er im Interview mit den Klimarettern, müssten wir zwar auf Elektrofahrzeuge mit erneuerbarem Strom umstellen. Mit unserem heutigen Strommix bringe das Elektroauto aber keine wirkliche Entlastung fürs Klima.

Warum, so ist auch zu fragen, soll es eine nationale Kaufprämie geben? Wäre das Thema ohnehin nicht besser auf der europäischen Ebene aufgehoben?

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  1. Roland

    vor 3 Jahren

    Ich finde den Gedanken an eine Förderung schon absurd. Die Automobilbranche macht ein Reckordgewinn nach dem anderen. Die würden das in ihrer Bilanz kaum merken, wenn sie die E-Fahrzeuge etwas billiger anbieten. Aber es ist natürlich immer leichter nach Förderung zu schreien anstatt etwas auf Gewinn zu verzichten. Es gehört bei der Einführung von neuen Produkten dazu, dass man am Anfang mal etwas weniger daran verdient. Dafür verdient man nach erfolgreicher Einführung wieder mehr.

  2. Werner Erler

    vor 3 Jahren

    Hallo zusammen,
    Der einzige dem es etwas bring sind:
    1.) Den Autobauern
    2.) dem Staat bringt es MwSt
    3.) den Elektrokonzernen

    Für mich ist das keine Option.

  3. Thomas Aich

    vor 3 Jahren

    Eine Kaufprämie allein wird der Elektromobilität nicht zum Durchbruch verhelfen.

    Es ist ein Gesamtkonzept notwendig. Zu diesem Konzept gehören (u.A.):
    - Ladeinfrastruktur am Arbeitsplatz (Klärung der (steuer)rechtlichen Bedingungen)
    - Schnelllader an Autobahnen
    - Bedarfsgerechte Ledemöglichkeiten für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit
    - bezahlbare/faire Kosten für das öffentliche Laden
    - standardisierte Bezahlsysteme (nicht eine Ladekarte pro Stadt)
    - mehr Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung über den aktuellen Stand der Elektromobilität (bei der Mehrheit der Bevölkerung fehlen (noch) grundsätzliche Informationen)

  4. Tobias

    vor 3 Jahren

    Meiner Meinung nach ist der beste Ansatz immer noch der direkte Kontakt mit dem Thema Elektromobilität.
    Der Verbraucher kauft halt ungern die Katze im Sack.
    Bestimmte Hersteller haben das auch bereits begriffen, wie hier entdeckt http://www.jetztautoverkaufen.de/elektroautos-deutschland/ "DriveNow (BMW), Multicity (CITROËN) oder auch car2go (Daimler). Der Bundesverband Carsharing (BCS) ermittelte, dass von den über 1500 momentan eingesetzten Elektroautos fast 1000 zu eben diesen Tochtergesellschaften gehören. Daraus ist abzulesen, dass die Big-Player der Automobilindustrie das Elektroauto nicht nur für zukunftsfähig halten, sondern auch Akzeptanz unter den Autofahrern für diese Form des Antriebs anstreben."
    Das ist der einzig sinnvolle Ansatz wenn Sie mich fragen.

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