Energiewende aktuell: Zentrale Rolle für HGÜ-Leitungen?

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Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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13. April 2015
Stromtrasse, Energiewende aktuell, HGÜ-Leitungen

Den Ausbau der HGÜ-Leitungen, also der Hochspannungs-Gleichstroms-Übertragungsleitungen, haben 39% der Teilnehmer unserer ersten Umfrage in diesem Jahr als eines der Top-Themen der Energiewende in Deutschland für das Jahr 2015 angegeben.

Netzentwicklungsplan, HGÜ-Leitung, Energiewende aktuellWorum geht es dabei konkret ? HGÜ-Leitungen, gerne auch als Stromautobahnen bezeichnet, sind im Netzentwicklungsplan Strom vorgesehen, um große Mengen an Strom hauptsächlich von Norden nach Süden transportieren zu können. Aufgrund der nicht immer deckungsgleichen Erzeugungs- und Verbrauchsprofile, gerade auch durch die Fluktuation der Erzeugung erneuerbarer Energien wird an windreichen Tagen im Norden Deutschlands sehr viel Energie ins Netz eingespeist; die große Nachfrage besteht jedoch im Süden, wo die Einspeisung oft deutlich geringer ist und durch den Atomausstieg noch weiter absinken wird. Um den benötigten Strom verlässlich und wirtschaftlich dort zur Verfügung zu stellen, wo er benötigt wird, müssen im Rahmen der Energiewende neue Netze geplant und installiert werden. Hierfür sind u.a. auch HGÜ-Leitungen geplant. Diese leiten Strom mit deutlich weniger Energieverlusten über weite Strecken als die bekannten Wechselstromtrassen und tragen so zur Netzstabilität und zur Versorgungssicherheit bei.

Jedoch regt sich gegen diese Pläne auch Widerstand. Vor allem in Bayern werden die dort geplanten HGÜ-Trassen auf höchster politischer Ebene sehr kritisch gesehen. Wir beschäftigen uns hier im Blog in den nächsten Wochen intensiver mit dem Bau der HGÜ-Leitungen. In unserer aktuellen Umfrage sind wir gespannt auf Ihre Antworten zu der Frage, ob den HGÜ-Leitungen eine zentrale Rolle für das Gelingen der Energiewende in Deutschland zukommt.

Und so einfach können Sie abstimmen: Eine Antwortmöglichkeit auswählen, auf “Abstimmen” klicken und schon sehen Sie das aktuelle Abstimmungsergebnis. Unsere Umfrage läuft bis Sonntag, den 26. April 2015.

 

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  1. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Beim Thema Bau der dringend benötigten HGÜ Trasssen zeigt sich, dass in der Politik sehr viel Populismus vorherrscht. Ein Bruder von mir wohnt nahe Höxter, wo die HGÜ Trasse auch entlang läuft. Sobald in der Bevölkerung Widerstand zu finden ist, kippen Politiker um, die zuvor im Bundestag noch die Hand für die Energiewende gehoben haben. In der Politik wäre manches leichter, wenn Politiker noch "bones " hätten.

  2. Reinhard Schechinger, BI GegenStromtrasse Obermichelbach / Tuchenbach

    vor 4 Jahren

    Lieber Herr "Windmüller",
    die HGÜ-Trassen werden zwar dringend benötigt, aber für den Abtransport des Kohlestroms!
    Und die Politiker im Bundestag wurden seinerzeit mit der Vorlage bei der Abstimmung hintergangen!
    Dies bestätigt eindrucksvoll die Stellungnahme zum NEP 1 des CSU-Abgeordneten Dr. Reinhard Brandl vom 26.05.2014 unter:
    http://www.reinhard-brandl.de/tags/?tag=Wahlkreis
    Wohl dem, der seine Meinung ändert, wenn er im Nachgang bessere Erkenntnisse hat, auch und gerade wenn er Politiker ist!
    Ich halte es auf jeden Fall für besser, sich selbst zu informieren, als die vorgekauten Argumente der Stromlobby nachzubeten!

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  3. Franke

    vor 4 Jahren

    Aufgabe der Politiker ist doch, den Willen der Bürger umzusetzen und zu vertreten. Diktatoren brauchen wir nicht. Ich weiß nicht , warum einige nach dem starken Mann oder der starken Frau rufen, um den Bürgerwillen zu brechen.
    Bei Großprojekten dieser Art sollte den Bürgern reiner Wein eingeschenkt werden, d. h. von vorne herein sagen, welchen Umfang und welche Auswirkungen die Maßnahme auf Mensch und Umwelt hat. Und erst wenn die Mehrheit der Bürger diese Maßnahmen mitträgt, dann kann mit der entsprechenden, abgesprochenen Maßnahme planerisch begonnen werden.
    Wer glaubt, dass diese Trassen den notwendigen Windstrom nach Süden transportiert, der glaubt auch an den eierlegenden Osterhasen. Und wer glaubt, dass man nur mit den Leuten sprechen muss und dann sind sie einverstanden und der ganze Zirkus kann dann gebaut werden, irrt sich gewaltig. Wir wollen diese Trassen mit diesenm teuren Strom nicht!

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  4. Manfred Kuechler

    vor 4 Jahren

    Die vorhandenen Nord-Süd Transport Systeme sind offensichtlich nicht ausreichend. Es gibt verschiedenen Möglichkeiten zur Kapazitäts-Steigerung. z.B. Flexible Drehstromstrom-Übertragungssysteme (Flexible Alternating Current Transmission Systems = FACTS) oder einen Teil-Ersatz der 380KV AC Links durch 500KV DC Links. Dass über die vorhandenen Übertragungssysteme noch einmal ein redundantes DC Netz über die ganze Nation gezogen werden muss bezweifle ich sehr. Ich vermute da geht es in erster Line mal wieder ums "Kohle scheffeln" und nicht um eine zweckdienliche, elegante, Lösung.

  5. Windwahn Therapeut

    vor 4 Jahren

    Was wollen wir mit dem Zufalls-Flatterstrom aus dem Norden? Was ist bei Flaute? In Schleswig-Holstein stehen jetzt schon unerträglich viele WKAs und damit diese nutzlose Umweltzerstörung nicht zu offensichtlich wird, soll der unbrauchbare Windstrom jetzt über zusätzliche Leitungen im Süden entsorgt werden. NEIN!

  6. Manfred Kuechler

    vor 4 Jahren

    @windwahn therapeut: so zufällig wie sie es vielleicht gerne hätten, flattert der Wind eben auch nicht. Die 24 Std. Vorhersagen sind aus eigener Erfahrung (ich fliege Gleitschirm mit wachsender Begeisterung und ohne Motor) inzwischen sehr genau, so dass bei Windflaute rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden können. Inzwischen ist Norlink beschlossene Sache, so dass bald schon Speicherstrom aus Norwegen (der dort bereits vorhanden ist) zur Verfügung steht. Es geht schlussendlich darum, die Umwelteingriffe (sie nennen sie Umweltzerstörung) auf ein unvermeidbares Minimum zu reduzieren und unter diesem Gesichtspunkt ist der Einsatz regenerativer Energieen unumgänglich.

  7. Windwahn Therapeut

    vor 4 Jahren

    Lieber Manfred Küchler,
    Ich "hätte" den Wind gerne zuverlässig! Dann würden die inzwischen über 25.000 Windräder in Deutschland, die immer öfter fernsehturmhoch nahe an Wohnhäusern stehen, schon längst ausreichen und keiner würde noch weiter Subventionen für diese Industrie akzeptieren.
    Zuverlässig ist der Wind aber nicht, auch wenn man sich das noch so sehr wünscht. Die Zuverlässigkeit von Windprognosen kenne ich als Sportsegler (ohne Motor) mindestens so gut wie sie und auch die daraus erwachsende Konsequenz: Mühsames Zurückpaddeln, wenn der Wind plötzlich abflaut. Das geht aber nicht bei einer "Energiewende" in einem hochentwickelten Industriestaat. Was nutzen 2 Tage Sturm, wenn danach 3 Tage Flaute folgen? Da hilft ein Link nach Norwegen nicht, denn dazu müsste Norwegen in ein Meer von Stauseen umgebaut werden. Deutschland ist nicht das einzige Land, das Strom aus Norwegen ziehen bzw. nach pumpen möchte! Da hilft nur, Tatsachen erkennen, z.B. die innerhalb von 3 Tagen um den Faktor 10(!) schwankende Einspeisemenge! Wir müssen sofort den Subventionsrittern der Windenergieindustrie, die sich nur auf Kosten unserer Stromrechnung und unserer Natur eine goldene Nase verdienen wollen, das Handwerk legen. Aufwachen! Da geht es nicht um gute Menschen. Das sind Profiteure, die sich selbst zur Tarnung Klimaretter nennen (z.B. Juwi und Konsorten)

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  8. Reinhard Schechinger, BI GegenStromtrasse Obermichelbach / Tuchenbach

    vor 4 Jahren

    Ich halte es für wenig hilfreich und noch weniger glaubwürdig, wenn der Moderator Hubertus Grass seine eingangs gestellte Frage nach der "Zentrale(n) Rolle für HGÜ-Leitungen" mit der Antwort der Stromkonzerne und Lobbyisten beantwortet.
    Mit der Feststellung "um große Mengen an Strom hauptsächlich von Norden nach Süden transportieren zu können" trifft er den Nagel auf den Kopf - aber welchen Strom?
    Die HGÜ-Leitungen sollen für den missbräuchlichen Transport des Kohlestroms verwendet werden.
    Herr Grass sollte sich zumindest einmal die Frage stellen, ob es diese Trasse im Sinne der Energiewende, §1, Abs. 1 EEG, braucht: Schonen endlicher fossiler Energiereserven, im Interesse des Klima- und Umweltschutzes, Erneuerbare Energien fördern, Kosten senken!
    Der Verweis auf die Volatilität der Erneuerbaren Energien ist das Standard-Argument der Stromwirtschaft, der Kohlebergbau-verbunden SPD und der Spitzenpolitiker des Bündnis90/Die Grünen. Es gibt andere Lösungen!
    Er verschweigt - wie alle anderen auch - den Kohleabbau im Ruhrgebiet und im Osten, er verschweigt die damit verbundene Kohleverstromung und den daraus resultierenden Bedarf nach HGÜ-Leitungen.
    Für mich ist dieses Verhalten ein Verrat an den Idealen der Grünen, denn mit den HGÜ-Leitungen werden die Klimaziele nicht erreicht und die Parteibasis denkt eh anders!
    Beim Bayrischen Energie-Dialog wurden schon mal ein derart befangener Moderator abgelöst!
    Schaun wir mal!

  9. Frank Heinritz

    vor 4 Jahren

    Es geht doch im wesentlichen darum wie der Strom von A nach B kommt.
    Dieses mit den Megamasten zu realisieren betrifft viele abertausende Bürger.
    Leider wird über den Köpfer unser aller Politik gemacht. Ernst genommen fühl ich mich von der Politik schon lange nicht mehr.
    Es gibt Möglichkeiten Kabel in den Boden zu legen ohne das es langfristig gesehen teurer wäre.
    Warum hat man dieses nicht unter der neuen Autobahn A7 mit reingelegt ???
    Es gibt Möglichkeiten vor Ort Strom zu produuieren und die Entwickelung für Speicher hierfür ist auch schon sehr weit.
    Es gibt Ortschaften die produzieren mehr Strom als sie selber verbrauchen können, das alles vor Ort.
    Hier läuft vieles schief.
    An der Stelle wo wir unser Auto abstellen um jeden Tag mit unserem Hund aus zu gehen , Reiter mit Pferden auf ihren Ausritt grüßen, Menschen aus der ganzen Umgebung auf den dort vorhandenen Wanderwegen zu Fuß, mit Fahrrädern oder wie auch immer die Natur nutzen, sollen jetzt die ach so tollen Masten stehen !!
    Als ob es keine anderen Möglichkeiten gäbe, mit denen alle Menschen besser leben könnten.
    Leider keine Lobby !!!

  10. Lehner W

    vor 4 Jahren

    Sehr geehrter Herr Grass,

    kein Mensch käme auf die Idee, eine Autobahn von Hamburg nach München zu bauen - als Einbahnstraße nur von Nord nach Süd und ohne Autobahnausfahrt. Aber genau das ist das Konzept der HGÜ. Mag sein, dass im Hinblick auf die Energieverluste Gleichstromübertragung etwas besser abschneidet als Drehstrom, aber mit der Realisierung haben die Anreiner nur die Nachteile, wohingegen die möglichen Vorteile der besseren Stromverteilung der zunehmend dezentralen Energieerzeugung komplett außen vor bleiben. Es bleibt der nicht zu widerlegende Verdacht, dass die Netzbetreiber nur auf der Suche nach einem neuen subventionierten Geschäftsmodell sind!
    Auch auf das dringendste Problem der fluktuierenden Stromquellen bieten die HGÜ keine Antwort, denn speichern kann eine Gleichstromleitung nach meinen Informationen ebenfalls nichts.
    Mit freundlichen Grüßen

    W. Lehner

  11. O. Schwader

    vor 4 Jahren

    Für uns Bayern sind diese HGÜ-Trassen flüssiger als Wasser, nämlich überflüssig. Außerdem sind sie so sinnvoll wie ein Kropf.
    Wenn wir diese Energiereform mit all ihren umweltzerstörerischen Trassen bei uns nicht wollen, warum sollen die dann bei uns gebaut werden. Wir sind Bayern und wollen über unsere Angelegenheiten und unser Land selbst bestimmen. Dazu brauchen wir weder Berlin noch Brüssel noch sonst wem. Das hat die Politik dann aber so zu akzeptieren. Hessen oder Thüringen brauchen wegen uns ihre schöne Landschaft nicht zu verschandeln, das wollen wir nicht.
    Wenn diese Energiewende so eine tolle Sache ist, bleibt es selbstverständlich den anderen Bundesländern freigestellt, sich diese Trassen ins Land zu holen, um die Segnungen des ach so günstigen Windstroms zu nutzen. Lasst uns Bayern bei dieser Energiewende einfach außen vor, wir wollen nichts von euch und wir zahlen nichts an euch. Kein EEG und nix. Wir finanzieren unsere eigene regionale und effiziente Energiewende selbst. Mal schauen wer günstiger fährt, Ihr mit euren teuren Trassen und wartungsintensiven Windparks oder wir, ohne diesem Zeug.
    Wir sind ein föderaler Bundesstaat, da muss es doch möglich sein, dass einzelne Länder verschiedene Wege gehen ohne dass die Anderen schmollen oder beleidigt sind.

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