Energieeffizienz: Das Geld, das aus der Kälte kam

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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14. Oktober 2014

Mit dem „EnBW Energieeffizienz Innovationspreis“ werden Unternehmen ausgezeichnet, die auf einfallsreiche Weise ihren Energieverbrauch gesenkt haben. In der Kategorie „Innovation und Rentabilität“ hat die Fa. OMIRA GmbH aus Ravensburg mit ihrer „Energieeffizienzverbesserung für die Milchpulverherstellung“ überzeugt.

Anfang 2013 wurde in dem Unternehmen eine neue Milcheindampfanlage in Betrieb genommen, bei der zunächst für die Verdichtung mehr Strom benötigt wird. Durch eine ausgeklügelte Prozessstrategie sinkt jedoch der Gesamtenergieverbrauch der Anlage. Auch Wasser wird eingespart.

Wir sprachen mit Helmut Müller, Technischer Leiter der Omira GmbH.

DEZ: Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Innovationspreises Energieeffizienz, Herr Müller. Sind bei Ihrem Projekt die Planungen aufgegangen, konnten Sie Energie und Wasser in den zuvor berechneten Größenordnungen einsparen?
Müller: Ja, natürlich. Wir haben sorgfältig geplant und gerechnet. Aber wir sind noch nicht am Ende, wir bauen weiter an der Optimierung, das ist work in progress.  

DEZ: Woher stammt die ursprüngliche Idee für das doch recht aufwändige Energiekonzept?
Müller: Von meinem Team und mir. Um die Potentiale beim Energiesparen auszuschöpfen, ist es notwendig, die gesamte Prozesskette der Milchverarbeitung und die energetischen Parameter sehr genau zu kennen. 

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DEZ: Wo haben Sie mit Ihren Überlegungen angesetzt? 
Müller: Im Bereich der Milchtrocknung stand eine Ersatzinvestition an. Energie und Ressourcen lassen sich in einem Industrieunternehmen immer dann am besten realisieren, wenn sie diese Themen bei der Planung eines Neubaus von Anfang an mit integrieren. Maßgeblich war, die Eindampfanlage bei der Milchtrocknung so auszulegen, dass das entzogene Wasser möglichst kalt heraus kommt. Und mit diesem kalten Wasser steht uns ein großes Kältepotential zur Verfügung, das wir auch in Zukunft noch stärker nutzen werden, denn kaltes Wasser haben wir jetzt in großer Menge.

DEZ: Wo konnten Sie den Energieeinsatz optimieren?
Müller: Das kalte Brüdenkondensat, so nennt man das der Milch entzogene Wasser, ist ein härtefreies, mineralarmes  Wasser, das optimal dafür geeignet ist, unsere Abgastemperatur bei der Dampferzeugung zu senken. Dieses Brüdenkondensat kühlt jetzt auch unsere Maschinen wie die Druckluftverdichter und die Kälteanlagen. Der Einsatz des kalten Wassers aus der Milchtrocknung erhöht im Vergleich zu dem vorher eingesetzten Brunnenwasser den Wirkungsgrad der Maschinen. Wir sparen folglich Strom und Wasser und langfristig auch Wartungskosten, weil unsere Maschinen besser laufen.  

DEZ: Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zur Umsetzung?
Müller: Ca. drei Jahre haben wir gebraucht. Dieser relativ lange Zeitraum geht aber okay, weil wir einen komplexen verfahrenstechnischen Prozess über die Produktionsstrecke neu aufgesetzt haben – wir entnehmen Wasser an einer Stelle, lagern das Wasser und unterstützen damit an anderen Stellen der Produktion die Verfahren.

DEZ: Wann werden sich die Investitionen in die Steigerung der Energie-Effizienz amortisiert haben?
Müller: Die Einsparungen, die wir erzielen konnten, sind außergewöhnlich hoch, so dass sich die Investitionen bereits nach 16 Monaten rentieren werden. Aber auch der Erfolg für die Umwelt kann sich sehen lassen: Wir haben unsere CO2-Emissionen um 1.500 Tonnen pro Jahr reduziert.  

DEZ: Hilft Ihnen die Mitwirkung im EnBW-Netzwerk Energieeffizienz?
Müller: Ja, sehr. Wir sind drei Kollegen, die im Netzwerk aktiv sind. Den Effekt des Erfahrungsaustausches kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Zudem einigen wir uns innerhalb des Netzwerkes auf Themen und Referenten, so dass wir uns viel effektiver und kostengünstiger fortbilden können als das im Unternehmen alleine möglich wäre.

DEZ: Hat das Netzwerk Ihnen auch bei dem nun abgeschlossenen Projekt genützt?
Müller: Die Fundamente für das Projekt kamen aus dem eigenen Hause, im Netzwerk haben wir einige auf die Details bezogene Anregungen erhalten, die häufig in unsere Planungen Eingang gefunden haben. So wirkt das Netzwerk selbst auf so spezielle Planungen ein.

DEZ: Herzlichen Dank Herr Müller für das Gespräch.

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