Wegen der Energieeffizienz unter der Autobahn durch

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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13. Oktober 2014

Den EnBW Energieeffizienz Innovationspreis 2014 in der Kategorie „Innovation und Klimaschutz“ gewann die Firma NOWOFOL, ein Unternehmen, das für die  Herstellung von Kunststofffolien einen hohen Energieanteil für die Kühlung der Produktionsanlagen benötigt.

Für die beiden Standorte der Firma in Siegsdorf wurde ein komplett neues Kältekonzept entwickelt und umgesetzt. Früher wurde mit konventioneller Verdichtertechnik (Kompressorentechnik) gearbeitet. Jetzt kommen kaltes Brunnenwasser und eine Ammoniakkühlung nebst Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Zusätzlich investierte man in eine 350 kWp PV-Anlage auf dem Dach eines Werkes. Die Umweltbilanz kann sich sehen lassen: Emissionen von 743 Tonnen COpro Jahr werden vermieden.

Wir sprachen mit Herrn Robert Pernath, Technischer Leiter der Nowofol GmbH.

DEZ: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Innovationspreises der Robert PernathEnBW. Woher stammt die Motivation, sich aktiv für den Klimaschutz zu engagieren? Sind die Kosten der zentrale Treiber?
Pernath: Meistens sind es die Kosten, die zum Handeln motivieren. Bei uns war es damals ein wenig anders: Wir wollten bewusst etwas für die Nachhaltigkeit tun, aber auch unsere Versorgungssicherheit mit Kälte verbessern. Begonnen haben wir 2006, da lag die EEG-Umlage bei 0,7 Cent/KWh, Strom war im Vergleich zu heute noch relativ preiswert. Wir sind ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen, verbrauchen viel Strom und wollten auch aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes den Stromverbrauch reduzieren.

DEZ: Wirtschaftlich war das geplante Vorhaben damals nicht attraktiv?
Pernath: Es war ökonomisch betrachtet grenzwertig, zusätzlich war damals nicht sicher, ob wir die gewünschten Einsparungen jemals erreichen. Unternehmenseigner und die begleitenden Mitarbeiter haben sich für die Investitionen entschieden, obwohl sie betriebswirtschaftlich schwierig zu betrachten waren und das Projekt mit Risiken behaftet war. Wir wollten etwas für die Nachwelt machen.

Luftbild PV Retusche

DEZ: Welche Risiken waren das?
Pernath: Das erste Risiko betrifft die Wassermenge, die uns durch den Grundwasserbrunnen zur Verfügung steht. Bevor Sie einen großen Grundwasserbrunnen fertig gestellt haben, kann Ihnen niemand, sagen, wie „mächtig“ das Wasserangebot ist, d. h. wie viele Kubikmeter sie in der Stunde ziehen können. Wir mussten mehrere hunderttausend Euro investieren, um erst am Ende nach dreitägigen Pumpversuchen feststellen zu können, dass die erhoffte Menge nicht nur vorhanden ist, sondern mit 225 Kubikmeter Wasser pro Stunde sogar übertroffen wurde.
Das zweite Risiko, dass wir eingegangen sind, betrifft den Bau der Wasserleitungen. Wir haben den Brunnen auf einem Grundstück jenseits unseres damaligen Firmengeländes gebaut und mussten mit den Leitungen unter der Autobahn A8 München-Salzburg durch. Welche Kosten das verursacht, hängt entscheidend von den geologischen Gegebenheiten ab. Auch diesbezüglich hatten wir Glück – kein Felsen lag im Weg, so dass das Gesamtprojekt zum Erfolg wurde.
Was als Vorhaben begann, um die Nachhaltigkeit des Unternehmens zu stärken, wurde dann auch zum wirtschaftlichen Erfolg, denn der Anstieg der Strompreise in den letzten Jahren hätte uns ohne diese und andere Maßnahmen ungleich härter getroffen.


DEZ: Sie haben technisch aufwändige und komplexe Lösungen gefunden, um ihre Kühlung in den Standorten zu optimieren. Wie verlief die Realisierung von der Idee bis zur Realisierung? Konnten Sie auf kompetente Unterstützung von außen setzen?
Pernath: Die Grundidee, Entnahme von kaltem Wasser zur Kühlungszwecken, ist simpel, die Durchführung hat es dann technisch in sich. Dass wir von kompetenten Planern und Spezialfirmen begleitet wurden, war ein weiteres Glück. Beim Bau von Horizontalbrunnen gibt es zum Beispiel nur wenige erfahrene Fachfirmen. 
 

Ammoniakkühlung Werk 1DEZ: Ist die 350 Kilowatt-Solaranlage auf dem Dach des Werkes 2 das sichtbare Sahnehäubchen Ihrer Anstrengungen?
Pernath: Ja, das ist im Gegensatz zu den von den Augen eher versteckten Einsparungen ein visuelles Zeichen, das wir hier setzen. Investitionen in die Solarenergie sind nachhaltig und im Gegensatz zum Bau eines Brunnens lässt sich die Idee im Vorhinein auf lange Sicht gut berechnen.
Aber auch hier hatten wir kompetente Partner an unserer Seite, die uns ermutigten, auch die Nordseiten der Dächer mit Modulen zu belegen. Bei einer Dachneigung von nur acht Grad ist die Minderung des Ertrages auf der Nordseite denkbar gering. So konnten wir auch bei der Fotovoltaik-Anlage neue Wege gehen.

DEZ: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Begleitung der Maßnahmen durch die Öffentliche Hand?
Pernath: Hier haben wir volle Unterstützung durch die zuständige Sachbearbeiterin bekommen, alle Genehmigungen wurden zeitnah ausgestellt, die Kommunikation lief sehr gut. Bei der Unterquerung einer Autobahn ist man als Bauherr auf eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden angewiesen. Das war in unserem Fall gegeben.

DEZ: Passen die Programme für den Mittelstand? Erfolgten Beantragung und Abwicklung mit einem vertretbaren Aufwand?
Pernath: Die Förderlandschaft ist nicht immer einfach zu durchblicken. Hier empfiehlt sich durchaus eine Beratung durch externe Dienstleister. Die Förderung setzt die richtigen Anreize, damit Projekte umgesetzt werden, die der Umwelt nützen, die sich aber ohne Förderung nicht rechnen würden.

DEZ: Was haben Sie als nächstes vor, um die Umwelt zu entlasten?
Pernath: Es gibt überall Potentiale, die noch zu heben sind. Wir haben ein effektives Energiedatenmanagement mit der Erfassung aller Verbrauchsstellen installiert. Energieeffizienz ist Daueraufgabe, das ist kein Prozess, der irgendwann abgeschlossen wird.

DEZ: Herr Pernath, herzlichen Dank für das Gespräch. 

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