Elektromobilität in Deutschland – Wo geht die Reise hin?

Gastautor Portrait

Professor Dr. Stefan Bongard

Hochschule Ludwigshafen am Rhein

Dr. Stefan Bongard arbeitet seit 2008 an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein als Professor für Betriebswirtschaftslehre und Logistik. Seit 2011 gehört die Elektromobilität zu den Lehr- und Forschungsfeldern des Lehrstuhls. Zentrale Anlaufstelle für Informationen rund um das Thema Elektromobilität ist die Online-Plattform www.elecarda.de, auf der auch die Ergebnisse der ECAR2-Studie zu finden sind.

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10. November 2014

Selten hat ein Thema so polarisiert wie „elektrisches“ Fahren. Während die Einen das Ende der Ära der Verbrennungsmotoren verkünden, sprechen die Anderen schon wieder vom Ende einer kurzen Randerscheinung. Und dazwischen das ganze Spektrum zwischen Euphorie und Ablehnung. Für die Wissenschaft ein wunderbares Forschungsfeld, das wahrhaft „elektrisierend“ und „spannend“ ist. Und eben nicht nur aus technischer, sondern auch aus wirtschaftlicher und ökologischer Perspektive.

Aus diesem Grund beschäftigt sich der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Logistik, Prof. Dr. Stefan Bongard, Hochschule Ludwigshafen am Rhein, seit 2011 mit Elektromobilität. Neben dem 2014 erschienenen Buch „Elektromobilität im motorisierten Individualverkehr bildet die ECAR-Studie zur Akzeptanz der Elektromobilität die Hauptaktivitäten ab.

Die zweite Auflage der ECAR-Studie, ECAR2, wurde u. a. von der EnBW unterstützt. Mit einer Befragung im EnBW-Intranet und durch das Energiewende-BLOG konnte das Meinungsbild von insgesamt 217 Teilnehmern erfasst werden. Alternativ angetrieben Autos
Grundsätzlich zeichnet sich die EnBW-Stichprobe dadurch aus, dass die Teilnehmer überaus interessiert an Elektromobilität sind. 78 % der Befragten gaben an, ein hohes Interesse an Elektromobilität zu haben. Das sind glatte 21 Prozentpunkte mehr als in der Referenzstudie ECAR1 (1.712 Teilnehmer, Dez. 2013 – Feb. 2014). Auch die Kaufbereitschaft ist überdurchschnittlich hoch. Während bei ECAR1 nur 27 % der Befragten eine hohe Kaufbereitschaft äußerten, haben die EnBW-Teilnehmer der ECAR2-Studie mit einer hohen Kaufbereitschaft von 37 % ein 10 Prozentpunkte höheren Wert. Damit ergibt sich für den ECAR-Index der EnBW-Teilnehmer ein sehr hoher Wert von 35,5 gegenüber dem ECAR-Index der Referenzstudie ECAR1 von nur 12,4.

Die demnach herrschende positive Affinität der Befragten drückt sich auch deutlich darin aus, wie viele der Befragten ein Elektrofahrzeug besitzen. Knapp 8 % der Befragten antworteten nämlich mit „Ja“ auf die Frage, ob man ein Elektroauto besäße. Das ist fast siebenmal mehr, als die Antwortquote in der Referenzstudie ECAR1 betrug. Neu im Fragenset von ECAR2 sind sog. Verzweigungsfragen. Falls man auf die Frage nach dem Besitz eines Elektroautos mit „Nein“ antwortete, wurde die Zusatzfrage eingeblendet, ob man denn wenigstens jemanden kennen würde, der ein Elektroauto besitzt. Erstaunlicherweise beträgt hier der Wert für „Ich kenne jemanden, der ein Elektroauto besitzt“, stolze 37,7 %.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Preis für Kraftstoffe und dem Thema Elektromobilität? Aufgrund der Endlichkeit der Ressource Erdöl und den Marktgesetzen für Angebot und Nachfrage müsste man diese Frage eigentlich bejahen. Erste Hinweise zu diesem Zusammenhang gibt die ECAR2-Studie.

Windkraftanlage (Bild Nr. 18544)Diejenigen Teilnehmer, die eine geringe Kaufbereitschaft für Elektrofahrzeuge angaben, wurden mit folgender Zusatzfrage konfrontiert: Ab welche Preisniveaus für herkömmlichen Kraftstoff würde man anfangen, sich ernsthaft mit dem Thema Elektrofahrzeuge zu beschäftigen? Eine erste Schwelle zum Nachdenken scheint schon bei Preisen von 2,00 Euro/l für Super und von 1,80 Euro/l für Diesel bei 5 % der Befragten erreicht zu sein. Die nächste Schwelle wird für die EnBW-Teilnehmer erreicht, wenn der Preis für Super auf 2,50 Euro/l und für Diesel auf 2,30 Euro/l steigt. 15 % der Teilnehmer gaben hierfür ein Votum ab. 22 % der Teilnehmer beschäftigen sich erst mit dem Thema Elektromobilität näher, wenn die Preise auf 3,00 Euro/l für Super und auf 2,80 Euro/l Diesel steigen. In Summe erklären also 42 % der Befragten (fast die Hälfte), dass ein steigender Kraftstoffpreis im Bereich von 2,00 bis 3,00 Euro/l Super und 1,80 bis 2,80 Euro/l Diesel dazu führen wird, dass sie sich mit dem Thema Elektrofahrzeuge beschäftigen. Angesichts derzeit fallender Kraftstoffpreise sind das keine guten Neuigkeiten für die Hersteller von Elektrofahrzeugen. Versöhnliche Nachrichten sind die Ergebnisse zu der Frage, ob man sich vorstellen kann, bei einer Überlandfahrt die Fahrt für Ladezwecke für ca. 30 – 45 Minuten zu unterbrechen. Glatt 40 % der Befragten antworteten, dass sie damit leben könnten. Und das ist nicht nur eine gute Nachricht für die E-Car-Hersteller, sondern auch für die Energieversorger.
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Die Ergebnisse der Studien werden hier veröffentlicht.

Diskutieren Sie mit

  1. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    So richtig ernst wird doch die E-Mobilität nicht genommen. Wir hier in Deutschland wo die Autoherstellung auf eine lange Tradition zurückblicken kann, werden doch von der Autoindustrie gar nicht richtig auf das Elektrische Pferd gesetzt. Die Autohersteller haben auch die Entwicklung der Batterien total verpennt. Letzte Woche habe ich gelesen das BMW seine Batterien in Asien kauft für seine Elektrofahrzeuge..... das sagt mehr als tausend Worte.... Bis jetzt habe ich noch keinen Grund gefunden Elektrisch zu fahren....

  2. Windmüller

    vor 4 Jahren

    In Deutschland läuft tatsächlich etwas falsch. Der BMW i3 ist in Deutschland ein Ladenhüter. In China und USA dagegen ist er so gefragt, dass BMW mit der Produktion nicht nachkommt.

  3. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Herr Windmüller in China wird der i3 nicht elektrisch sondern mit Kohle betrieben hahahahahaha.... Gerade die von Ihnen angesprochenen Ländern sind die größten Umweltsünder und CO2 Produzenten weltweit. In den USA macht man auch Fracking!!! Wenn in diesen Ländern nun ein paar E-Fahrzeuge mehr verkauft werden hat dass weltweit keine Aussagekraft und die Zeit läuft uns lt. Experten ja davon wenn wir die Erderwärmung stoppen bzw. um 2 Grad verringern möchten. Lassen Sie uns eine Antwort auf die Frage finden warum hier im Autoland Deutschland die E-KFZ so Stiefmütterlich behandelt werden.

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