Eigenverbrauch von Smartmetern

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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23. Februar 2015
Hubertus Grass, Energiewende

„Smartmeter treiben den Stromverbrauch nach oben“. Wieder so eine Meinung, die durchs world wide web kursiert und der man aus dem Stand heraus wenig entgegen zu setzen hat. Haben die smarten Dinger den dummen Fehler, über ihren Eigenverbrauch die Stromnachfrage anzuheizen? Die Annahme liegt auf der Hand, denn sie können wesentlich mehr als der derzeitige Stand der Technik, die 3-phasigen Ferrariszähler.

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Die ständige Überwachung unseres Hausanschlusses durch ein Smartmeter, die Sammlung der Daten und besonders deren drahtlose Übermittlung kostet Energie. Eine Studie, herausgegeben vom österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, hat untersucht, welche Auswirkungen der Eigenverbrauch von Smartmetern und der zugehörigen Infrastruktur auf den Strombedarf insgesamt hat.

Die Ergebnisse verblüffen: Die gemessenen Eigenverbräuche der Smartmeter variieren im Bereich zwischen 1,4 W bis 4,6 W für 3-phasige Smartmeter. Im Vergleich dazu benötigen der 3-phasige Ferrariszähler 3,9 W und der 3- phasige elektronische Multifunktionszähler 4,2 W bis 4,6 W. Und selbst wenn man den zusätzlichen Verbrauch addiert, der beim Telekommunikationsanbieter und in der Datenverarbeitung anfällt, wird ein intelligenter Roll-out eher den Eigenverbrauch der Zählerlandschaft senken als steigern (s. S. 98 und 99 der Studie, wo dies für die Schweiz und Österreich durchgerechnet wurde).

Das Internet befördert eine Kultur, in der sich starke Meinungen schneller verbreiten als Wissen oder fundierte Gedanken. Reich wie ein Ozean an Wasser ist das Internet an aktuellen Ergebnissen aus Forschung und Wissenschaft. Doch genau wie unsere Meere für die Entsorgung von Plastik und andere Abfälle missbraucht werden, ergießt sich jeden Tag zu jedem Thema ein Strom von Meinungen und Halbwissen ins Internet. Respekt dem, der den Kopf über Wasser halten kann. Ich glaube, Galileo Galilei hätte nicht getwittert.

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