Effizienz: „Die dunkle Seite des Mondes“

Gastautor Portrait

Eva Mahnke

Klimaretter.info

Eva Mahnke hat in Leipzig und Budapest Philosophie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Nach einem kurzen Exkurs in die Öffentlichkeitsarbeit für erneuerbare Energien hat sie schnell herausgefunden, dass sie das Thema Energiewende noch umfassender verfolgen will – und ist als Quereinsteigerin in den Journalismus bei Klimaretter.info gelandet. Sie schreibt außerdem für die Deutsche Welle und neues deutschland.

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21. Mai 2014
Wasserkraft

Bis zu 20 Milliarden Euro könnte Deutschland ab 2035 Jahr für Jahr sparen, wenn es jetzt anfängt, sich um das Thema Energieeffizienz zu kümmern. Wie man Bürger, Unternehmen und Kommunen zum Energiesparen bekommt, diskutierten Teilnehmer einer Veranstaltung der Denkfabrik Agora Energiewende im Rahmen der Berliner Energietage.

Friedrich Seefeld brachte „die dunkle Seite des Mondes“ zur Sprache. Der Leiter des Bereichs „Energieeffizienz und Erneuerbare Energien“ bei der Prognos AG spielte auf einer Veranstaltung der Denkfabrik Agora Energiewende am Mittwoch in Berlin auf den Titel eines Pink Floyd-Albums aus den 70er Jahren an. Eine Anspielung auf das Thema Energieeffizienz, das nach seinen Worten oft nur einseitig beleuchtet wird – wie der Mond, dessen von der Erde abgewandte Seite dem menschlichen Auge verborgen bleibt. Die Agora-Veranstaltung ist eine von knapp 50 Veranstaltungen auf den Berliner Energietagen, eine der jährlich stattfindenden Leitveranstaltungen in Deutschland zum Thema Energiesparen.

Bislang, so Seefelds Kritik, hätten Studien vor allem die Kostenersparnisse des Energiesparens für die Nachfrageseite beleuchtet. Im Dunkeln seien dagegen die Kostenersparnisse für das Gesamtsystem geblieben. Wie viel das ist, hat Friedrich Seefeld in Kooperation mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen im Auftrag von Agora Energiewende bereits vor einer Weile ausgerechnet: Ab 2035 könnte Deutschland jährlich bis zu 20 Milliarden Euro für Stromversorgung und Netzausbau einsparen, wenn es seinen Stromverbrauch bis dahin um 10 bis 35 Prozent senkt.

Wie bekommt man Deutschland zum Energiesparen?

Diese Zahlen liegen nun seit März auf dem Tisch. „Die 20 Milliarden sind real“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen, dessen Denkfabrik das brachliegende Thema Energieeffizienz in Deutschland voranbringen will. Wie aber bekommt man die deutschen Unternehmen, Haushalte und Kommunen dazu, die 10 bis 35 Prozent Energie auch tatsächlich einzusparen und die Systemkosten damit zu reduzieren? Etwas unternehmen im Bereich Energieeffizienz muss die Bundesregierung auf jeden Fall. Dazu zwingt sie die Ende 2012 in Kraft getretene europäische Energieeffizienz-Richtlinie, die die Regierung eigentlich bis Anfang Juni in nationales Recht umgesetzt haben muss – ein Zeitplan, den sie nicht wird halten können. Der Richtlinie zufolge muss Deutschland jährlich 1,5 Prozent Energie einsparen. Aber auch die eigenen Ziele der Bundesregierung erzeugen Handlungsdruck: Sie sehen vor, bis 2020 den Primärenergieverbrauch um 20 Prozent und den Stromverbrauch um zehn Prozent zu senken (beide gegenüber 2008). Erreicht hat Deutschland erst 4,3 Prozent Einsparung bei der Primärenergie beziehungsweise 1,9 Prozent im Stromsektor. Mit den vorhandenen Instrumenten wird die Bundesregierung Experten zufolge diese Ziele verfehlen. Was also ist zu tun?

PCVernetzungKleinDie schwarz-rote Koalition könnte einfach den vorhandenen Instrumentenmix aus ordnungsrechtlichen Vorgaben, zinsgünstigen Darlehen, finanziellen Zuschüssen und Informationsprogrammen ausbauen. „Wir plädieren jedoch dafür, auch neue Instrumente zu entwickeln“, sagt Barbara Schlomann, die am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) das Competence Center Energiepolitik und Energiemärkte leitet. „Will Deutschland seine Energieeffizienzziele bis 2020 erreichen, ist hierfür eine Erweiterung und Verbesserung des bestehenden Instrumentariums nötig.“ Vor allem müsse man prüfen, inwiefern neue Marktakteure die Energieeffizienz in Deutschland voranbringen könnten.

Mehr Akteure für das Energiesparen einbinden, das will zum Beispiel die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), die erst in der vergangenen Woche ihren zweiten Branchenmonitor vorgelegt hat. Sie schlägt vor, eine Art Auschreibungsmodell zu etablieren. Hierbei würde der Staat eine eigene Organisation mit der Umsetzung des Energiesparziels beauftragen. Diese Organisation wiederum dürfte sich Akteure suchen, die geeignete Effizienzmaßnahmen organisieren und umsetzen. „Bewerbungen könnten sich hier zum Beispiel Handwerkerkonsortien, Stadtwerke und Unternehmen“, erläutert DENEFF-Chef Christian Noll das Modell. „Dass das System funktioniert, haben die Schweiz, Portugal und auch einige US-Staaten bereits bewiesen.“ Welcher Art die Organisation ist, die die Energieeffizienz zentral organisiert, unterscheidet sich hierbei von Land zu Land: Während es etwa im Staat New York eine Regierungsorganisation ist, übernimmt in der Schweiz ein privatwirtschaftlicher Akteur diese Aufgabe. Welche Option für Deutschland geeignet ist, lässt Noll bewusst offen. „Wichtig ist uns, dass das Thema Energieeffizienz marktkonform umgesetzt wird.“

Wir brauchen eine Effizienzwende“

Auch Irmela Colaço vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist überzeugt: „Es reicht HolzGrassBirkenicht aus, nur hier und da frisches Geld in die bestehenden Programme zu packen. Was wir brauchen, ist eine Effizienzwende.“ Der BUND will dem Thema Energiesparen mit einem sogenannten Energiesparfonds neuen Schwung verleihen. Dieser Fonds soll als unabhängige Institution die bestehenden bestehenden Fördermaßnahmen bündeln und ergänzen. Außerdem soll der Fonds Akteure, die Energiesparmaßnahmen anbieten, unterstützen. Auch marktkonforme Elemente wie Ausschreibungen für innovative Energiesparangebote sieht das Modell vor, das das Heidelberger Institut für Umwelt- und Energieforschung (IFEU) im Auftrag der Umweltorganisation entwickelt hat.

Was die Bundesregierung von den vorhandenen Vorschlägen umsetzen will, konnte Stefan Besser aus dem Bundeswirtschaftsministerium, der ebenfalls an der Agora-Veranstaltung im Rahmen der Berliner Energietage teilnahm, noch nicht sagen. „Jetzt kommt es erst einmal darauf an, aus dem großen Set von Möglichkeiten etwas zu machen“, so Besser. „Damit fangen wir gerade erst an.“ Besser leitet im Wirtschaftsministerium das neue Grundsatzreferat Energieeffizienz, das für die Umsetzung der EU-Effizienzrichtlinie zuständig ist. Die Debatte zum neuen nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE), den sein Haus gerade erarbeitet, soll erst nach der Sommerpause stattfinden. Einen möglichen Kabinettsbeschluss kündigte Besser für das vierte Quartal an.

Einer der entscheidenden Brocken in der Debatte dürfte die Finanzierung der Effizienzmaßnahmen sein. „Am Ende wird jemand zahlen müssen“, betont Agora-Direktor Patrick Graichen. Wie schwierig es ist, für die Effizienz finanzielle Mittel locker zu machen, haben zuletzt die Koalitionsverhandlungen gezeigt. Im ursprünglichen Entwurf des Koalitionsvertrages standen noch Mittel für die steuerlichen Anreize zur energetischen Gebäudesanierung, die dann aber in der letzten Nacht den Verhandlungen zum Opfer fielen. Barbara Schlomann vom Fraunhofer ISI zufolge ist das ein Grund mehr, mit neuen Instrumenten für eine haushaltsunabhängige Finanzierung von Effizienzmaßnahmen zu sorgen. Denkbar sind hier zum Beispiel eine Umlage auf die Stromverbraucher, eine Energiesparabgabe auf Gas und Heizöl oder – wie auch bisher zum Teil schon – Erlöse aus der Versteigerung von Emissionshandelszertifikaten. Bislang wird die Verteilungsdebatte zu den Kosten der „Effizienzwende“ noch kaum geführt. Auch liegen die Antworten noch auf der „dunklen Seite des Mondes“.

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Dieser Artikel erschien auf www.klimaretter.info

Zu den Berliner Energietagen 2014

 

 

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  1. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Energieeffizienz ist ein großes Themenfeld. Wer sich dass von den privaten Haushalten leisten kann wird sich über weniger Verbrauch freuen. Man darf nicht vergessen das in den Ballungsräumen die Mieten sehr hoch sind und ein großteil der Verbraucher wahrscheinlich,nicht sehr viel Geld für energieeffiziente Geräte ausgeben kann. Diese Problematik muß man in den Griff bekommen. Die Sache Energieffizienz ist bei den großen Energieversorgern schon lange ein Thema und Energiesparmaßnahmen gehören zur Kundenberatung dazu. Was meinen sie wieviel Wohungen mit Elektroradiatoren geheizt warden eine wahre Energieverschwendung dies geschieht aber aus finanzieller Not. Zunächst sollten große Unternehmen damit anfangen und danach die Haushalte.

  2. Windmüller

    vor 4 Jahren

    @ Dominik Pöschel - Effizienz fängt im Kopf an. Ich habe seit Jahren eine Solaranlage auf dem Dach für Brauchwasser und Heizungsunterstützung. Schon vor 17 Jahren habe ich eine Miele Waschmaschine mit Warmwasseranschluss gekauft, die bis heute nicht einmal gemuckt hat. Die Spülmaschine läuft ebenfalls mit Warmwasser. Die Wärme kommt ja schließlich kostenlos vom Dach. Alles keine Hexerei. Zur Arbeit fahre ich oft mit dem Fahrrad. Ich lege keinen Wert auf ein teures Auto, dafür habe ich ein Fahrrad, das so teuer war, dass andere sich dafür einen Gebrauchtwagen kaufen. Dafür fahre ich auch jährlich 7000 Km mit dem Rad. Unter dem Strich immer günstiger, als ein Auto.
    Das Problem ist, dass sich Leute einen 40 Zöller ins Wohnzimmer packen, oder das neueste Handy zulegen, dann aber jammern, dass sie kein Geld für sparsame Technik haben.

  3. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Hallo Windmüller,

    ja Energieeffizienz fängt im Kopf an. Da muß der Gedanke vorhanden sein bevor er dann umgesetzt wird. Ich habe 15 Jahre Erfahrungen mit Kunden in Energieversorgung gesammelt. Glauben Sie mir ich finde es super dass Menschen wie Sie Ihrer Verantwortung gerecht werden in Sachen Umweltschutz und sorgsamen Umgang mit Energie vorleben. Durch meine Erfahrungen weiß ich dass ein großer Teil unserer Bevölkerung auch den Gedanken im Kopf haben die Umwelt zu schützen weniger Strom zu Verbrauchen nur die Umsetzung an den Finanzen scheitert. Wenn wir diese Bevölkerungsgruppe z.B. der Geringverdiener, oder alleinerziehender Mütter mit 1-2 Kindern, mit in die Energieeffizienz integrieren können haben alle gewonnen. Den nur wenn wir unseren Kindern das vorleben kann auch in der zukunft was draus warden und damit meine ich ALLE KINDER!!!

  4. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Hallo Herr Wagner, der kleine Teil wie Sie die von mir beschriebenen Personengruppen nennen ist für den Erfolg der Energiewende unverzichtbar. Wie soll dass den Ihrer Meinung nach funktionieren. Die einen in Deutschland können sich die Energiewende leisten und die anderen nicht. Viel wichtiger für die Zukunft ist das alle Personengruppen bei der Energiewende mitwirken. Nur wenn alle Gruppen an die folgenden Generationen den Gedanken weitergeben kann das auch erfolgreich sein. Jetzt muß von u8ns der Grundstein dafür gelegt werden und da sollte wir tunlichst vermeiden irgendwelche Gruppen als irrelevant zu bezeichnen. Nur die Beteiligung aller kann langfristig den Erfolg bedeuten. Auch wenn ich Politiker ware würde ich für eine Beteiligung aller bei der Energiewende sorgen. Ich habe selber Kinder und werde alles dafür tun das noch eine lebenswerte Umwelt erhalten bleibt

  5. Dominik Pöschel

    vor 4 Jahren

    Es gibt einfach viele zu Diskutieren beim Thema Energiewende. Ich finde dass die wichtigkeit der Energiewende doch von den meisten erkannt worden ist. Der zuerst beschrittene Weg hat sich als nicht richtig herausgestellt. Ich habe mir von der Reform des EEG mehr versprochen sogar Hoffnung reingesetzt. Es bei der Reform nicht das rausgekommen was ich persönlich mir davon versprochen hatte. Was solls jetzt müssen wir aus dem Guten das Beste machen eine erfolgreiche Energiewende. Ich denke Lobbyeinfluß wird immer vorhanden sein da unsere Politiker der Wirtschaft durch diverse Positionen in den Umternehmen zu Nahe stehen.

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