Die Steinkohle im Energiemix

Gastautor Portrait

Professor Dr. Franz-Josef Wodopia

Gesamtverband Steinkohle e.V.

Franz-Josef Wodopia ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Steinkohle (GVSt), in dessen Dienst er zum ersten Mal bereits 1986 eintrat. Der diplomierte Volkswirt stand 16 Jahre, von 1989 bis 2005, im Dienst der IG BCE. Er ist Vizepräsident von EURACOAL, Brüssel, der europäischen Vereinigung für Stein- und Braunkohle.

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20. Oktober 2014

Die Steinkohle spielt im Energiemix unserer Volkswirtschaft zwar nicht mehr eine herausragende Rolle wie vor einigen Jahrzehnten, doch leistet sie noch immer einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Rohstoffversorgung. Weltweit betrachtet hat die Bedeutung der Steinkohle in den letzten 15 Jahren sogar zugenommen.

In Deutschland betrug der Steinkohlenverbrauch im letzten Jahr 61 Mio. t SKE. Das waren knapp 13% des gesamten Primärenergieverbrauchs, womit die Steinkohle nach dem Mineralöl und dem Erdgas den dritten Rang im Energiemix belegte. Speziell bei der Stromerzeugung, auf die gut zwei Drittel des Steinkohleneinsatzes entfällt, lag der Anteil der Steinkohle bei 19%. Auch hier lag sie auf dem dritten Rang – jedoch hinter der Braunkohle und den erneuerbaren Energien. Für die Stahlproduktion sind Kokskohle und Koks, die zusammen heute rd. 30% des hiesigen Steinkohlenverbrauchs ausmachen, nach wie vor unverzichtbare Rohstoffe. In dem einst von ihr dominierten Wärmemarkt erfüllt die Steinkohle dagegen nur noch eine Nischenfunktion.

Nach dem jahrzehntelangen Anpassungsprozess des deutschen Steinkohlenbergbaus wird der Strommast (Bild Nr. 8177)inländische Steinkohlenbedarf inzwischen weit überwiegend durch Importkohle gedeckt, konkret 2013 zu 87%. Die heimische Förderung auf den verbliebenen drei Bergwerken ist im Vorjahr zum ersten Mal seit 150 Jahren in den einstelligen Bereich gesunken und betrug nur noch 7,7 Mio. t SKE. Bereits 2007 ist von der Politik das sozialverträgliche Auslaufen des subventionierten Steinkohlenbergbaus in Deutschland zum Ende des Jahres 2018 beschlossen (und 2011 endgültig besiegelt) worden. Bis Ende 2018 wird der deutsche Steinkohlenbergbau seine noch bestehenden Lieferverpflichtungen erfüllen, ab 2019 muss dann der inländische Steinkohlenmarkt komplett durch Importe versorgt werden. Auf die subventionsbedürftige Nutzung der beträchtlichen heimischen Reserven wird dann verzichtet.

Nicht nur der Umfang, sondern auch die Lieferantenstruktur der Kohlenimporte nach Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Seit einigen Jahren ist Russland das führende Lieferland vor den Lieferungen aus den USA und Kolumbien. Russland liegt insbesondere bei den Kraftwerkskohlenimporten, die rund drei Viertel aller Steinkohlenimporte ausmachen, mit einem Anteil 2013 von 29% vorne. Auf Lieferungen aus Kolumbien entfielen 21%, auf US-Kraftwerkskohle 20%. (Etwas anders gelagert ist das Bild bei der Kokskohlen- und Kokslieferanten.) Die Wahl der Lieferquellen richtet sich natürlich neben der Preisgünstigkeit der verfügbaren Angebote (einschl. der Transportkosten) nach den qualitativen Anforderungen der deutschen Nutzer. Zu beachten ist gleichzeitig, dass die Steinkohle als Brennstoff seit Jahren einen tendenziell  immer deutlicheren Preisvorteil gegenüber dem Erdgas aufweist.

Speziell die Kraftwerkskohle wird auch vor dem Hintergrund der Energiewende noch lange eine Rolle in Deutschland spielen. Neben dem unmittelbaren Beitrag zur Strom- und Wärmeversorgung bleiben Kohlekraftwerke zur Flankierung des politisch gewollten Ausbaus der regenerativen Stromerzeugung und des Atomausstiegs vorerst unverzichtbar.

Heizkraftwerk (Bild Nr. 9378)Steinkohlenkraftwerke verbessern die Versorgungssicherheit, weil ihre Standorte relativ nahe an den Verbrauchszentren liegen und ihre Brennstoffquellen einen hohen Diversifizierungsgrad auf einem funktionsfähigen Weltmarkt aufweisen. Sie tragen zudem durch niedrige variable Kosten und hohe Flexibilität zur Kostendämpfung im Stromsektor bei. Überdies leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Systemstabilisierung, indem ihre Kapazitäten einen effizienten Ausgleich zu den fluktuierenden Erneuerbaren schaffen können. Und durch Einsatz moderner Techniken (Clean Coal) sowie Einsatz von KWK können sie auch zur CO2-Reduktion erheblich und „ETS-kompatibel“ (ETS = Emission Trading System) beitragen. Erforderlich ist dafür jedoch so bald wie möglich ein technologieoffenes, wettbewerbsorientiertes Strommarktdesign unter Einschluss der Kraftwerksleistung.
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Redaktionelle Hinweise:
Zum Gesamtverband Steinkohle
Der Energiemix aus der Steckdose
In dieser Reihe bereits erschienen:
Kohle – ein Baustein der sicheren Energieversorgung

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  1. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Ist hier versehentlich ein falscher Artikel gelandet ? Das ist hier doch angeblich der Dialog Energie Zukunft. Die Energiezukunft soll zurück zur Kohle lauten ?

  2. Hubertus Grass

    vor 4 Jahren

    Hallo Herr Windmüller,

    in Diskussionen zur Energiewende schimpfen alle über die Kohle. Aber alle wissen: Wir brauchen sie (noch).
    Wie lange?
    Wie viel?
    Darüber sollten wir mal reden....

  3. Windmüller

    vor 4 Jahren

    Hallo Herr Grass
    Es ist schon klar, dass wir nicht gleichzeitig aus der Kernkraft UND der Kohle aussteigen können. Die Kohle wird noch einige Jahrzehnte nötig sein, um Grundlast zu liefern. Das stelle ich auch nicht in Frage. Problematisch ist jedoch, dass Kohlekraftwerke nur bedingt lastgangfähig sind. Nach meinen Beobachtungen stellen BHKW die bessere Alternative dar. Es ist schön zu sehen, dass viele Hallen- und Freibäder auf BHKW setzen. Auch Brauereien wie Warsteiner oder die Krombacher
    Brauerei setzen neuerdings auf Kraft Wärme Kopplung. Die Krombacher Brauerei hat vor drei Monaten eine Anlage mit 2 MW installiert.

  4. Hubertus Grass

    vor 4 Jahren

    Zur Frage der Lastgängigkeit hat der geschätzte Kollege Thorsten Zoerner einen schönen Beitrag nach seinem Besuch im RDK 8 geschrieben, den es sich lohnt zu lesen. http://blog.stromhaltig.de/2014/10/mit-kohlekraftwerken-dem-lastgang-folgen/#more-6794

    Sicher sind, wo möglich, BHKWs ökologisch und ökonomisch vorteilhafter als reine Stromkraftwerke. Zwischen Starkwind und Flaute liegen in Deutschland schon jetzt über 30 GW, die lassen sich nicht allein mit BHKWs abdecken.

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