Bericht vom Debattenabend Elektromobilität

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
13. Oktober 2017
Die Diskussionsrunde Debattenabend Elektromobilität

Kaum ein Thema wird aktuell intensiver diskutiert als die Elektromobilität. Zukunftsvisionen kollidieren hierbei schnell mit der oft noch herausfordernden Realität der Elektromobilität im Alltag. Darüber diskutierten Experten aus Politik, Entwicklung und Wirtschaft unter der Moderation von Alexandra von Lingen diese Woche beim Debattenabend der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg im Rahmen des internationalen Electric Vehicle Symposiums auf der Messe in Stuttgart.

Die Politik bestimmt nicht die Marktentwicklung der Elektromobilität

Die Elektromobilität und mit ihr auch das autonome Fahren sind für Dr. Albrecht Schütte, MdL, Bestandteil der Wirtschaftstransformation durch die Digitalisierung. Schütte sieht dabei für die Politik drei Aufgaben: Vor allem müssen die Grundlagen gelegt werden, im juristischen Bereich, durch Standardisierung und in der Bereitstellung der Infrastruktur. Als zweiten Punkt nennt Schütte das Begleiten des ökonomischen Wandels, um zukunftsträchtige Wirtschaftszweige im Land zu halten. Vor allem aber ist ihm bei diesen tiefgreifenden Veränderungen wichtig, die Menschen mit ihren Ängsten und Sorgen mitzunehmen.

Eine Regulierung über Verbote hält Schütte dagegen nicht für Ziel führend. Auch betont er, dass Marktentwicklungen noch nie durch die Politik bestimmt worden sind. Konsequenterweise legt Schütte großen Wert auf die Technologie-Offenheit. Wasserstoff und andere alternative Antriebsarten im Verkehr dürften im Wettbewerb der Null-Emissionen-Mobilität nicht benachteiligt werden. Zur politischen Gestaltung gehöre hinzu, dass die Wirtschaft bestmöglich mit der Forschung vernetzt sei. Zudem gelte es Start-Ups zu unterstützen, um die Region zukunftsfähig zu halten.

„In Zukunft wird die Autowäsche das Teuerste beim Service sein“

Dr. Michael-Viktor Fischer, Geschäftsführer der SMATRICS GmbH & Co KG, ist ein Enthusiast des E-Autos. Der passionierte Tesla-Fahrer sieht die Naturverbundenheit unserer Nachbarn als Grund, warum die Elektromobilität in Österreich weiter voran geschritten sein als in Deutschland. Zudem unterstützt Österreich den Kauf von Elektrofahrzeugen durch steuerliche Anreize. Und schließlich profitierte das Land auch von dem hohen Anteil an erneuerbaren Energien. Doch die Entwicklung werde die gesamte Mobilität beeinflussen. Alle europäischen Hersteller stünden unter dem Druck der strengen CO2 –Werte der EU. Ab 2021 dürfen neu zugelassene Pkw in der EU im Schnitt maximal 95g CO2/km ausstoßen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel bzw. 4,1 Liter Benzin.

Bedenken vieler Skeptiker teilt Dr. Fischer keineswegs. Der technische Fortschritt aus den letzten Jahren lässt ihn zu dem Schluss kommen, dass „in wenigen Jahren E-Autos die gleiche Reichweite und die gleiche Ladegeschwindigkeit haben werden“ wie die Verbrenner zurzeit. Auch geht Dr. Fischer davon aus, dass Elektromobilität langfristig signifikant günstiger sein wird. Die Kaufpreise gleichen sich an. Aber die Unterhaltskosten der E-Autos seien deutlich geringer. So fallen unter anderem Ölwechsel und der Austausch von Getriebe oder Zündkerzen weg: In Zukunft werde die Autowäsche das Teuerste beim Service sein. Einen großen Komfortgewinn verspricht er sich auch vom induktiven Laden.

Eine Probefahrt mit dem eTruck begeistert jeden Kunden

Früher, sagt Ralf Bartelmeß von der Vorentwicklung der E/E Integration Trucks bei der Daimler AG, wäre er belächelt worden mit dem Plan, einen Lastkraftwagen mit elektrischem Antrieb zu bauen. Auch heute gebe es noch große Bedenken. Sei die Reichweite des 25 Tonnen LKWs mit 200 km nicht zu klein?
Für viele Kunden sei das genug. Gerade bei innerstädtischen Lieferungen kommen die Nutzfahrzeuge mit dieser Strecke aus. Zudem seien viele Kunden bereit, die täglichen Abläufe auf die Erfordernisse der Elektromobilität hin anzupassen. Ein starker Faktor sei die Emotionalität: Alle Kunden, die zum ersten Mal mit einem E-Truck fahren, seien vom Fahrerlebnis begeistert. Was Bartelmeß von der Politik fordert: Er appelliert für eine faire Verteilung der Kosten für den Verteilnetzausbau, um eine effektive Ladung der Nutzfahrzeuge zu ermöglichen.

Das E-Auto in den Alltag integrieren

Timo Sillober, Leiter Products, Digital, Sales & Marketing bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, weist auf einen falschen Ansatz der öffentlichen Debatte hin. „Wir wollen etwas Neues erschaffen. Halten aber fest an unseren alten Gewohnheiten.“ Kaum jemand brauche eine Reichweite von 1.000 Kilometer am Tag. Die durchschnittliche Fahrleistung eines Pkws am Tag betrage 40 Kilometer. Schon die jetzige Fahrzeuggeneration der Elektroautos decke 90 Prozent des Bedarfs ab. Dennoch fokussiere sich die Öffentlichkeit auf die Reichweite und die Ladezeiten. Realität sei, mit einem E-Auto spare man schon heute Zeit. Niemand müsse im Stadtverkehr an die Tankstelle fahren. Geladen werde es nachts oder tagsüber am Arbeitsplatz. Die EnBW sehe es als ihre Aufgabe an, die elektrischen Automobile in den Alltag der Menschen zu integrieren.

Sillober verwies auf den Gewinn an Lebensqualität, den die Elektromobilität bedeute. Der gesamte Verkehr in der Stadt werde nahezu geräuschlos sein. Dies wird Attraktivität des Wohnens an stark befahrenen Straßen erhöhen.

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  1. Windmüller

    vor 1 Jahr

    Wenn man die E Mobilität nach vorn bringen will, muss man nur jedem Autofahrer mal die Möglichkeit geben, ein E Auto Probe zu fahren. Wer einmal E Auto gefahren hat, will nie wieder Verbrenner fahren. Meine Frau fährt seit ein paar Tagen einen Zoe. Der Unterschied zwischen E Auto und Verbrenner ist wie der Unterschied smartphone gegen graues Telefon mit Wählscheibe.

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