Die Energiewende braucht besseres Informationsmanagement!

Gastautor Portrait

Gerhard Oswald

SAP AG
24. März 2014

Informationstechnologie war und ist schon immer ein wichtiger Stützpfeiler für die Zuverlässigkeit unserer Energieversorgung. Operationelle Technologie (OT), wie z.B. Scada-Systeme, sorgt für den reibungslosen Betrieb der Kraftwerke und Netze. Informationstechnologie (IT), wie z.B. SAP-Systeme, unterstützt Geschäftsprozesse rund um Instandhaltung, Vertrieb, Kundenservice, Controlling, u.a.

Im Rahmen der Energiewende erleben wir nun eine drastische Änderung der Anforderungen an dieses über Jahrzehnte eingespielte Energiesystem. Die schwankende Einspeisung von immer größeren Energiemengen aus regenerativer Erzeugung in die Verteilnetze bringt die OT-Systeme immer mehr an den Rand der Belastbarkeit. Smart Metering und Smart Grids sorgen dabei für eine Explosion der Datenmengen. Auch der steigende Wettbewerbsdruck auf der Vertriebsseite sorgt für wachsende Anforderungen der Verbraucher an konsistenten Service über immer neue Kontaktkanäle. Brief, Telefon, PC, Smart Phone, Social Media: Der Kunde möchte die Wahl und muss in allen Kanälen konsistente Informationen vorfinden. Bedingt durch die großen Datenmengen und die zunehmende Kommunikation über Web-Technologien spielt dabei der Datenschutz eine immer wichtigere Rolle. (Der aktuelle NSA-Skandal tut dazu sein Übriges.)

Hier wird modernes Informationsmanagement gebraucht. Die alte Trennung zwischen IT und OT ist nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr müssen große Datenmengen aus unterschiedlichen Systemen zusammen gebracht und in Echtzeit analysiert und verarbeitet werden. Dadurch lassen sich bestehende Geschäftsprozesse verbessern und auch neue Geschäftsmodelle verwirklichen. So sind z.B. für Demand Response Programme oder virtuelle Kraftwerke Daten aus unterschiedlichen Quellen notwendig: Anlagendaten, Verbrauchsdaten, Geodaten, Einspeisedaten und Wetterdaten.PC Vernetzung

Das Zusammenwachsen von IT und OT wird durch moderne Informationstechnologien ermöglicht. In-Memory Datenbanken wie SAP HANA ermöglichen sowohl die Echtzeitverarbeitung von großen Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen als auch das Anstoßen von Prozessen und Aktionen, zum Beispiel für Demand Response. Mobile Geräte lassen sich direkt in die Abläufe integrieren, so dass auch Techniker im Außendienst stets über aktuelle Informationen verfügen und ihr Einsatz optimal gestaltet werden kann. Neue Lösungen lassen sich einfach in der Cloud bereitstellen, so dass der Implementierungs-und Wartungsaufwand minimiert wird.

Die technische Basis ist also verfügbar. Ihr konsequenter Einsatz erfordert allerdings ein Umdenken auch innerhalb der Versorgungsunternehmen. Über Jahrzehnte gewachsene und weitgehend isolierte „Einsatzinseln“, sowohl auf OT- als auch IT-Seite müssen in gemeinsamen Lösungen verzahnt werden. Um die Akzeptanz bei den Verbrauchern zu erhöhen, muss eine konsequente Datensicherheit sowohl gegen externe Angriffe als auch interne Verwendung der Daten gewährleistet sein. Hier sind gerade die großen Energieversorger gefordert, die durch ihre Erfahrung im Betrieb umfassender, übergreifender Energiesysteme neue Lösungen entwickeln und dadurch auch neue Geschäftsfelder erschließen kann. Die Erfahrung zeigt, dass weder die Versorgungsindustrie noch die IT-Branche alleine die notwendigen Lösungen entwickeln können. Die von EnBW und SAP geschlossene Partnerschaft ist ein Beispiel dafür, wie neue Entwicklungen gemeinsam vorangetrieben werden. Der Aufbau eines modernen Energiesystems, in dem Millionen Haushalte und Unternehmen bei Verbrauch und Erzeugung zusammenspielen, ist ein wichtiger Pfeiler für die Energiewende und das beste Beispiel, wie moderne Technologie zum Nutzen der Menschen eingesetzt werden kann.

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