Zwischen Windrädern und Forschungslaboren: Dänemarks Weg beim Klimaschutz

Christian Nerwoski

Doktorant

Christian Nerowski studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dortmund, wo er derzeit sein Doktoratsstudium der Elektrotechnik absolviert. Er engagiert sich weltweit für Energiewende-Themen und berichtet aktuell aus Dänemark.

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19. August 2026
Foto: Christian Nerowski

Ein Blick auf die Windkraft in einem Land, das Vorreiter sein möchte

Ein eindrucksvolles Erlebnisse während meines Aufenthalts in Dänemark hatte ich auf einer Zugfahrt entlang der Küste. Während mein Zug langsam aus Kopenhagen herausfuhr, tauchten am Horizont immer mehr Windräder auf. Einige standen auf Feldern, andere draußen im Meer. Für mich als Energieforscher war dieser Anblick faszinierend, denn er zeigte, wie sichtbar die Energiewende in diesem Land ist.

Bevor ich nach Kopenhagen reiste, um an der Technischen Universität Dänemarks zu forschen, hatte ich natürlich eine gewisse Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Ich hatte Studien über das dänische Energiesystem gelesen und wusste, dass das Land beim Ausbau erneuerbarer Energien eine Vorreiterrolle in der Welt einnimmt. Doch die Realität fühlte sich anders an, als es die Statistiken vermuten ließen. Auch an der Universität waren die Ziele im Hinblick auf den Klimaschutz ein Thema, z.B. in der Kaffeepause oder nach Feierabend. Wenn ich beim Mittagessen mit anderen Doktoranden sprach, wurde mir erklärt, dass der Klimaschutz in Dänemark ganzheitlich gedacht wird. Es wird z.B. versucht, alle vorhandenen batteriebetriebenen Kraftfahrzeuge als das anzusehen, was sie sind, nämlich Energiespeicher. Und als Energiespeicher sind sie dazu in der Lage, überschüssige Energie aus dem Stromnetz aufzunehmen, und bei Bedarf wieder abzugeben. Insbesondere in Kombination mit der Menge an Energie aus den unzähligen Windkraftanlagen kann dieses Verhalten sehr nützlich sein. Aber wie setzt man das konkret um?

Meine Forschung an der DTU - wichtige Erkenntnisse für die Dissertation

Foto: Christian Nerowski

Genau zu solchen und ähnlichen Fragestellungen wird an der DTU intensiv geforscht. In mehreren Projekten untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Stromnetze intelligent betrieben werden können. Das übergeordnete Ziel dabei ist, ein integriertes Energiesystem zu schaffen, bei dem Strom, Wärme, und Mobilität miteinander verbunden sind. Zurückzuführen ist diese Forschungsausrichtung u.a. auf das politisch gefasste Ziel, bis zum Jahre 2030 mindestens 70 % der jährlichen Treibhausgasemissionen (im Vergleich zu 1990) einzusparen.

Unter dieser Prämisse ist auch an der Fakultät für Angewandte Mathematik und Informatik der Wunsch entstanden, sich mit jenem ambitionierten Ziel auseinanderzusetzen. Auch die Mitarbeiterinnen undMitarbeiter des Instituts DTU Compute, an dem ich zum Forschen war, haben es sich zur Aufgabe gemacht, hochkomplexe theoretische Methoden zu nutzen, um diesem Gesamtziel ein Stückchen näher zu kommen. Zusammen mit meinem Gastgeber, Prof. Dr. Georgios Tsaousoglou, entwickelte ich während meiner Zeit vor Ort u.a. Regelungsalgorithmen weiter, die eines Tages der Spannungshaltung im realen Stromnetz dienen sollen.

Neben DTU Compute besuchte ich auch die Fakultät für Wind und Energiesysteme, kurz DTU Wind. Die dort verfolgten Ansätze sind um einiges praktischer und somit anschaulicher. Zusammen mit Doktoranden von Prof. Dr. Spyros Chatzivasileiadis diskutierte ich dort über die Nutzung ihrer Forschungslabore.

Der dänische Pragmatismus: Warum Kopenhagen Deutschland einen Schritt voraus ist

Wenn man als deutscher Ingenieur ins Ausland reist, bringt man oft einen Rucksack voller Skepsis mit. „Das geht bei uns nicht so einfach“, ist einer dieser Sätze, die ich im Kopf hatte. Doch nach einigen Gesprächen musste ich feststellen: Dänemark ist einfach pragmatischer als Deutschland. Beispielsweise ist die Laborinfrastruktur an der DTU vorzüglich, doch auch die TU Dortmund zuhause braucht sich nicht zu verstecken. Wir können in vielerlei Hinsicht mithalten, auch wenn das Tempo in der Umsetzung den wahrscheinlich größten Unterschied macht. Dänemark setzt auf frühzeitige Tests seiner Lösungen, um schnellstmöglich Emissionen einzusparen und wartet nicht, bis die eine „100 % – Lösung“ vorliegt. Von diesem Pragmatismus ließe sich bestimmt eine Scheibe abschneiden …

 

Quellen:

https://www.en.kefm.dk/Media/1/B/Climate%20Act_Denmark%20-%20WEBTILG%C3%86NGELIG-A.pdf

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