Wie Trinkwasserbrunnen in Rom zum Klimaschützer werden

Isabella Nauen

Studentin

Isabella Nauen studiert Theaterwissenschaft & Performance Studies sowie Anglistik & Amerikanistik an der Ruhr‑Universität Bochum und verbringt ihr Auslandssemester an der Università degli Studi Roma Tre. In ihren Beiträgen beleuchtet sie gesellschaftliche, kulturelle und ökologische Fragen der italienischen Gegenwart.

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vor 2 Tagen

Was sind Nasoni und was macht sie so nachhaltig?

Zwischen all den Monumenten in Rom gibt es etwas, das viel unscheinbarer ist und trotzdem seit über 150 Jahren das Leben in Rom prägt: DiNasoni. Übersetzt heißt das so etwas wie „große Nase“, einen Namen, den sie ihrer Form zu verdanken haben. Bei den Nasoni handelt es sich um gusseiserne Brunnen, aus denen Tag und Nacht Wasser fließt. Und das Wasser, das aus ihrer Nase läuft, ist sauber und zum Trinken gedacht. Da die Nasoni gut frequentiert in der Stadt zu finden sind, kann man kostenlos den ganzen Tag entweder direkt aus den Brunnen trinken oder seine Flasche auffüllen, ohne neuen Plastikmüll zu produzieren. Sie sind also umweltfreundlich und sozial nachhaltig. Und während die alten Brunnen ununterbrochen plätschern, entstehen in der Stadt neue, intelligente Wasserstationen, die Wasser auf Knopfdruck Wasser spenden. Was einst als soziale Maßnahme begann, soll heute helfen, Rom in eine „Blue City“ zu verwandeln.  

Der Ursprung der Nasoni liegt im 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Nasoni beginnt im Jahr 1874, in einer Zeit, in der Rom schnell wuchs und sich modernisierte. Damals wollte Bürgermeister Luigi Pianciani das Trinkwassersystem verbessern und gleichzeitig die Gesundheit der Bevölkerung fördern. Ziel war es, kostenloses, sauberes Trinkwasser für alle bereitzustellen, was schon zur damaligen Zeit ein revolutionärer Gedanke war. Die ersten zwölf Brunnen wurden aus massivem Gusseisen gefertigt. Das dafür verwendete Material war langlebig, reparaturfreundlich und konnte im städtischen Gießwerk wiederverwendet werden. Es war also schon damals ein nachhaltiger Ansatz. Heute gibt es in der Stadt über 2.800 aktive Nasoni, verteilt über alle Bezirke. Viele davon sind über 150 Jahre alt und immer noch funktionstüchtig. 

Technik und Wasserquelle der Stadtbrunnen in Rom 

Das Wasser der Nasoni stammt aus denselben Aquädukten wie das Leitungswasser in den Haushalten.
Rom besitzt eines der ältesten und größten Wasserleitungssysteme Europas, was ein Erbe der antiken Römer ist. Das Wasser gilt als einwandfrei trinkbar und wird regelmäßig von der städtischen Wassergesellschaft Acea geprüft. Jede Probe wird auf über 250 chemische und mikrobiologische Parameter getestet. Damit gehört Roms Leitungswasser zu den bestkontrollierten Europas. 

Gute Umweltbilanz durch kurzen Wasserweg in die Stadt

Das Wasser der Nasoni legt einen erstaunlich kurzen, aber effizienten Weg zurück, denn es stammt aus natürlichen Quellen in den Apenninen, etwa 90 km nordöstlich von Rom. Durch Schwerkraftsysteme, also ganz ohne Pumpen nötig, fließt es in die Stadt. Das hat zur Folge, dass nahezu keine Energie für Transport oder Druckaufbau aufgewendet werden muss. Das spart eine große Menge an Strom ein. Also auch wenn die Brunnen ständig laufen, ist der ökologische Fußabdruck des Wassers selbst sehr gering, weil es ohne Energieaufwand transportiert wird.  

Nachhaltige Vorteile der Nasoni

Durch die Nasoni muss weniger Plastikmüll produziert werden und Flaschen können stattdessen neuverwendet und erneut aufgefüllt werden. Denn Rom zählt rund 30 Millionen Besucher*innen jährlich. Wenn nur jeder Zweite von diesen Besucher*innen eine 0,5-Liter-Flasche täglich mit Nasoni-Wasser nachfüllt, spart das jährlich geschätzt über 1.800 Tonnen Plastikmüll ein.
Das ist ein klarer Beitrag zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung. Außerdem haben die Nasoni den Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit. Denn das Wasser ist kostenlos und überall zugänglich, ganz unabhängig vom Einkommen. Gerade bei großer Hitze, die ja durch den Klimawandel zunimmt, sind die Nasoni eine wichtige öffentliche Gesundheitsmaßnahme. Zudem kommt der Aspekt der kulturellen Nachhaltigkeit. Die Brunnen werden nicht durch neue ersetzt, sondern erhalten und repariert. Manche Exemplare stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, also eine echte Kreislaufwirtschaft durch Wiederverwendung. Der Wasserfluss der Nasoni ist permanent, was zunächst verschwenderisch wirken kann, aber den Vorteil hat, dass keine Stagnation entstehen kann und Bakterienbildung verhindert wird. Außerdem hilft der kontinuierliche Durchfluss, den Wasserdruck im Leitungsnetz zu stabilisieren. 

Neue Generation: „Smart Nasoni“ & Druckknopf-Brunnen

In den letzten Jahren hat Rom begonnen, einige traditionelle Nasoni durch moderne Varianten zu ergänzen oder zu erweitern: Diese neuen Modelle funktionieren auf Knopfdruck oder Sensor. Statt ständig zu laufen, geben sie Wasser nur dann ab, wenn jemand wirklich trinkt oder eine Flasche auffüllt. Besonders an stark frequentierten Orten wie dem Kolosseum, der Piazza Venezia oder der Via dei Fori Imperiali wurden diese modernen Nasoni installiert. Einige dieser Stationen bieten sogar stilles oder kohlensäurehaltiges Wasser, das über ein Filtersystem läuft und das Ganze ist sogar trotzdem gratisViele dieser neuen Anlagen verfügen über digitale Wasserzähler, die erfassen, wie viel Wasser täglich entnommen wird. Diese Daten helfen der Stadtverwaltung, den Verbrauch nachhaltiger zu steuern. 

Quellen:  

Nasone – Circular Water Stories 

Three new ’nasoni‘ installed along the Via Sacra in the Parco Archeologico del Colosseo | Turismo Roma 

https://www.nasonidiroma.it 

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