Technologie ist eines der großen Themen von COP30 in Belém, Brasilien. Kaum ein Bereich zeigt so deutlich, wie eng Forschung, Politik und Praxis inzwischen verzahnt sind. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie hilft, komplexe Klimadaten zu verstehen, Risiken besser vorherzusagen und Ressourcen gezielter einzusetzen. Doch entscheidend ist nicht allein die Technik, sondern wie sie genutzt und zugänglich gemacht wird. Zwei Beispiele zeigen das: die Forschung des Woodwell Climate Research Center und der Technologietransfer von Google.org – und die Gründung des neuen Artificial Intelligence Climate Institute in Brasilien.
Forschung trifft Praxis: KI bei Woodwell und Google.org
Künstliche Intelligenz für den Klimaschutz ist längst Realität. Forschungseinrichtungen kombinieren Modelle mit lokalem Wissen, um konkrete Probleme zu lösen. Private Unternehmen bringen Know-how und Ressourcen ein, die gemeinnützige Organisationen oft nicht haben.
Das Woodwell Climate Research Center nutzt maschinelles Lernen, um Waldbrände im Amazonasgebiet und in den borealen Regionen besser zu verstehen. Durch die Auswertung von Satellitenbildern lassen sich Brandflächen präziser erfassen. Feldmessungen zu Schweregrad und Tiefe der Brände werden mit Geodaten verknüpft, um die CO₂-Emissionen großer Gebiete zu berechnen. Hybridmodelle aus maschinellem Lernen und Prozesssimulationen liefern Prognosen über künftige Brandmuster und Klimarückkopplungen. Ziel ist es, Brände zu verhindern, statt nur darauf zu reagieren. Frühzeitige Informationen helfen bei Patrouillen, Wiederaufforstung und Politikmaßnahmen. Woodwell schult zudem lokale Fachkräfte in GIS und arbeitet mit indigenen Gemeinschaften zusammen, damit die Modell-Ergebnisse den tatsächlichen Bedingungen entsprechen.
Google.org zeigt, wie der Privatsektor diese Arbeit beschleunigen kann. Der philanthropische Arm des Großkonzerns betrachtet KI als digitale Infrastruktur für das Gemeinwohl. Stipendien und Förderprogramme gleichen aus, dass gemeinnützige Organisationen bisher nur rund drei Prozent ihres Budgets für KI aufwenden. Offene Modelle und frei verfügbare Tools ermöglichen es, Lösungen an lokale Bedürfnisse anzupassen. Besonders wichtig ist das Fellowship-Programm: Google-Mitarbeitende arbeiten bis zu sechs Monate Vollzeit in Non-Profit-Organisationen und entwickeln dort Datenschnittstellen, Frühwarnsysteme oder Anwendungen für Nutzer. Frühere Projekte befassten sich mit Sicherheitssystemen oder Arbeitsmarktdaten. Das zeigt, dass ehrenamtliche Ingenieursarbeit im großen Maßstab echte Systeme hervorbringen kann – keine Pilotprojekte.
So entsteht Fortschritt Schritt für Schritt. Forschung liefert Methoden. Gemeinschaften definieren den Nutzen. Unternehmen und Stiftungen bringen Wissen, Rechenleistung und Zeit ein. Gemeinsam machen sie KI zu einem Werkzeug für echten Klimaschutz.
Während Forschung und Privatsektor zeigen, was heute schon möglich ist, legt die Politik auf COP30 die Grundlage, damit solche Ansätze weltweit Wirkung entfalten können.
Artificial Intelligence Climate Institute: Offizieller Start bei der COP30
KI prägt bereits unseren Alltag. Damit sie beim Klimaschutz Wirkung entfalten kann, müssen Kosten und Fußabdruck sinken und Zugangshürden fallen.
COP30 stellt Technologie in den Mittelpunkt ihrer Agenda und verkündete ein zentrales Ergebnis: die Gründung des Artificial Intelligence Climate Institute (AICI). Initiiert vom brasilianischen Kommunikationsministerium in Zusammenarbeit mit Anatel, der UNESCO und der ITU, soll das Institut digitale Ungleichheiten verringern und praktische KI-Kompetenzen für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungs- und Schwellenländern aufbauen.
Die COP29 High Climate Champion Nigar Arpadarai betonte zwei Punkte: KI prägt bereits unseren Alltag. Damit sie beim Klimaschutz Wirkung entfalten kann, müssen Kosten und Fußabdruck sinken und Zugangshürden fallen. Das AICI versteht sich daher nicht als Schaufenster für Technologie, sondern als Plattform für Effizienz und Teilhabe.
Als Pilot für das Institut wurde ein Workshop veranstaltet, der vom 13. bis 17. Oktober 2025 in Belém stattfand. Rund zwei Dutzend Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Stiftungen, NGOs, Privatwirtschaft und Wissenschaft nahmen teil. Sie arbeiteten zu Themen wie Energie, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Innovationspolitik, Kapazitätsaufbau und Zusammenarbeit mit indigenen und lokalen Gemeinschaften. Mehr als 20 Expertinnen und Experten hielten Grundlagenvorträge zu KI-Methoden, Anwendungsfeldern im Klimabereich, ökologischen Auswirkungen, ethischen Fragen und bewährten Praxisbeispielen. Fachsitzungen befassten sich mit Energie, Extremwetter, Katastrophenmanagement, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Biodiversität. Fallstudien von GeoABS+, Imazon und GainForest zeigten, wie sich KI-Methoden in konkrete Projekte übersetzen lassen. Aus dem Workshop entstand ein aktives Netzwerk, das über eine WhatsApp-Gruppe fortbesteht und bereits neue Projekte wie einen Brasilien–Guyana-Austausch plant.
In der Ankündigungssitzung hob das Ministerium gemeinsam mit Anatel das Thema digitale Inklusion hervor. Die ITU verwies auf die Verbindung des AICI mit dem Green Digital Action Track und bestehende Trainings- und Stipendienprogramme. Sie betonte die Bedeutung gemeinsamer Standards, um KI-Praktiken nachhaltig zu gestalten. Die UNESCO beschrieb ihre Rolle als Wissensplattform, die bestehende Initiativen bündelt, typische Fehler identifiziert und Erkenntnisse für das Institut aufbereitet.
Nächste Schritte für 2026 und 2027
- Aufbau institutioneller Expertise in den beteiligten Organisationen.
- Entwicklung praxisnaher Lösungen für Regionen ohne moderne/fortgeschrittene Infrastruktur.
- Aufbau von Partnerschaften mit Regierungen, Entwicklungsbanken, Stiftungen und Unternehmen und Universitäten, die über die COP30 hinaus Bestand haben.
Die Botschaft war klar: Kapazitäten im Globalen Süden stärken, Standards verantwortungsvoll gestalten und KI dorthin bringen, wo sie konkrete Klimawirkung erzielt.
Unter den Rednerinnen und Rednern waren Frederico de Siqueira Filho (brasilianischer Telekommunikationsminister), Tomas Lamanauskas (Stellvertretender Generalsekretär, ITU), Nigar Arpadarai (COP29 High Climate Champion), Guilherme Canela v(UNESCO), Maria João Sousa (Climate Change AI), Fabro Steibel (ITS Rio), Pedro Ivo Ferraz da Silva (UNFCCC TEC) und Renata Tedeschi (Instituto Tecnológico Vale).
COP30 zeigt: Wenn Forschung, Technologie und Politik zusammenarbeiten, kann KI zu einem echten Hebel für Klimaschutz und Gerechtigkeit werden.
Primär Quellen
COP30 panel ‘Smarter than the storm: The future of AI in Forecasting & Proactive Response’, Belém, 10 Nov 2025, Name of the Speakers not officially shared.
COP30 panel ‘COP30 Announcement: Artificial Intelligence Climate Institute’, Belém, 10 Nov 2025, Speakers: Mr. Tomas Lamanauskas, Deputy Secretary General, International Telecommunications Union (ITU); Mr. Guilherme Canela, Director for Division for Digital Inclusion and Policies and Digital Transformation, United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (Unesco); Dr Maria João Sousa, Executive Director, Climate Change AI;
Ms Celina Bottino, Project Director, Institute Technology and Society (ITS Rio); Mr Pedro Ivo Ferraz da Silva, Coordinator for ST&I, Climate Department, Ministry o Foreign Affairs of Brazil; Dr Renata Tedeschi, Instituto Tecnológico Vale, student of the pilot workshop
Externe Quellen
https://www.climatechange.ai/events/ai_climate_institute/repository
https://www.woodwellclimate.org/project/changing-boreal-fire-regimes/
https://blog.google/outreach-initiatives/google-org/googleorg-fellowship/
https://www.climatechange.ai/events/ai_climate_institute
Max Mustermann
vor 3 WochenSehr interessant, vielen dank für den Einblick Tom!
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