Es wirkt wie ein energiepolitischer Rückwärtsgang mit voller Kraft: Die Bundesregierung rückt vom Vorrang klimafreundlicher Heizungen ab und spricht wieder häufiger über Gaskessel oder -thermen als akzeptierte Heizungstechnologie. Inmitten der Klimakrise. Inmitten steigender CO₂-Preise. Inmitten der Rückbaupläne für Gasnetze. Allein diese drei Aspekte sollten reichen, um eine klare Warnung auszusprechen: Wer jetzt in eine neue Gasheizung investiert, handelt gegen die Zeichen der Zeit – und wird es vermutlich bereuen.
Fast alle Länder in Europa nehmen sich der Realitäten bereits an und setzen deutlich stärker auf zukunftsfähige Heizungen wie Wärmepumpen. Deutschland tut gut daran nachzuziehen, wenn es den Anschluss nicht verlieren will und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren möchte.
Technik von gestern für eine Zukunft von morgen? Ein Trugschluss
Zwar erlaubt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) den Einbau neuer Gasheizungen noch eine Weile – doch erlaubt heißt nicht empfohlen. Das Gesetz schreibt vor, dass seit 2024 eingebaute fossile Heizsysteme ab 2029 zunächst zu 15, dann zu 30, 60 und ab 2045 zu 100 Prozent auf klimaneutrale Gase umgestellt sein müssen. Für ab Mitte 2026 und spätestens ab Mitte 2028 neu eingebaute Heizungen gilt sogar direkt ein Anteil von mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien.
Erneuerbare Gase, allen voran grüner Wasserstoff, sind jedoch teuer, knapp und auf absehbare Zeit kaum flächendeckend für Gebäudeheizungen verfügbar. Die Folge: kostspielige Investitionen, die keine Zukunft haben. Wer sich heute für eine reine Gasheizung entscheidet, setzt daher auf eine Technologie mit eingebautem Verfallsdatum, die das Ende ihrer Lebensdauer von über 20 Jahren nicht mehr erreichen wird.
Kostentreiber CO₂ und steigende Gasnetzentgelte – fossiles Heizen wird teuer
Durch die künftig abnehmenden Nutzerzahlen in den Erdgasnetzen steigen die Netzkosten für die verbleibenden Verbraucherinnen und Verbraucher an.
Auch aus einem anderen wirtschaftlichen Grund sind neue Gasheizungen eine Fehlentscheidung. Die CO₂-Bepreisung steigt Jahr für Jahr. Seit Januar 2025 liegt der Satz bei 55 Euro pro Tonne, 2026 werden es voraussichtlich 65 Euro sein. Und mit dem Einstieg in den europäischen Emissionshandel ab 2027 ist damit zu rechnen, dass diese weiter ansteigen – Preise zwischen 200 und 300 Euro pro Tonne in den kommenden Jahren sind durchaus möglich.
Für Hauseigentümerinnen und -eigentümer bedeutet das: Allein bei einem unsanierten 150-Quadratmeter-Haus mit Gasheizung können – selbst bei einem moderaten Anstieg des CO2-Preises um 15 Euro pro Jahr – bis 2040 über 20.000 Euro Zusatzkosten durch die CO₂-Abgabe entstehen; zusätzlich zu steigenden Gaspreisen. Wer heute auf Gas setzt, kauft sich mittelfristig in eine teure Abhängigkeit ein. Das gilt nicht nur persönlich, sondern auch volkswirtschaftlich. Deutschland und die anderen EU-Länder haben nur geringe eigene Erdgasvorkommen zur Verfügung – und sich außerdem in internationalen Verträgen auf den mittelfristigen Verzicht von fossilen Energieträgern verpflichtet.
Ein weiteres Kostenproblem: Durch die künftig abnehmenden Nutzerzahlen in den Erdgasnetzen steigen die Netzkosten für die verbleibenden Verbraucherinnen und Verbraucher an. Der Einbau einer Gasheizung lohnt sich auch deswegen in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr.
Wärmepumpe: erprobt, effizient, zukunftsfähig
Foto: Zukunft Altbau
Während Deutschland über Gas diskutiert, sind andere europäische Länder längst weiter. In Norwegen gibt es über 600 Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte, in Finnland über 500 – in Deutschland sind es gerade einmal rund 50. Deutschland belegt damit einen der hinteren Plätze in der EU. Dabei spricht viel für die Technik und deren Potenzial. Wärmepumpen nutzen kostenlose Umweltwärme, arbeiten effizient und werden mit jedem Prozentpunkt mehr Grünstrom im Netz klimafreundlicher.
Wärmepumpen machen darüber hinaus unabhängig von fossilen Preisschwankungen, lassen sich mit hauseigenen Solaranlagen kombinieren und passen zu vielen verschiedenen Gebäudetypen. Wer jetzt handelt, kann den Heizungstausch in Kombination mit eventuellen Sanierungsmaßnahmen gezielt Schritt für Schritt angehen – und sich zusätzlich noch hohe Fördersummen sichern.
Wärmenetze: eine Heizung fürs Quartier
Eine weitere zukunftsfeste Lösung ist der Anschluss an ein Wärmenetz. Bei Wärmenetzen wird die Wärme zentral erzeugt und über ein gedämmtes Rohrnetz in die Gebäude verteilt. Die leitungsgebundene Wärmeversorgung bietet enorme Vorteile: Wer sich an ein Wärmenetz anschließt, benötigt keine eigene Heizungsanlage samt Wartung und Schornsteinfeger, keinen Raum zur Lagerung von Brennstoffen, ist weniger abhängig von Preissteigerungen bei fossilen Energieträgern und wird sicher rund um die Uhr versorgt.
Besonders in städtischen Gebieten oder Neubauquartieren sind sie eine effiziente und zentrale Lösung für die klimaneutrale Wärmeversorgung. Auch hier gilt: Förderfähig, zukunftssicher, fossilfrei. Eine firmenneutrale Auskunft geben Gebäudeenergieberaterinnen und Gebäudeenergieberater sowie die Kommune vor Ort im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung.
Fazit
Mit der politischen Kehrtwende hin zu mehr Erdgas versäumen wir es, unsere Volkswirtschaft sicher und zukunftsfest umzubauen. Erneuerbare Energien und Speicher sind die Technologien der Stunde. Der Kurswechsel darf daher nicht zur individuellen Fehlentscheidung führen. Wer jetzt in eine neue fossile Heizung investiert, heizt nicht nur vom ersten Tag an gegen das Klima und gegen die eigene Lebensgrundlage, sondern auch gegen den eigenen Geldbeutel.
Die Zeichen stehen auf Technologien, die bleiben, wie Wärmepumpen, Wärmenetze und Maßnahmen zur energetischen Sanierung. Alles andere ist ein riskanter Umweg. Wer heute noch in eine neue Gasheizung investiert, entscheidet sich gegen die Zukunft. Denken Sie nach vorne statt zurück.
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