Neue Studie: Warum das „Heizungsgesetz“ zum Kulturkampf wurde

Gastautor Portrait

Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
14. Juli 2026
Frau mit Megafon
Foto: shutterstock

Was können wir aus den Kommunikationsfehlern des Heizungsgesetzes für die Akzeptanz der Energiewende lernen?

Die politische Auseinandersetzung um das Gebäudeenergiegesetz (GEG), umgangssprachlich meist „Heizungsgesetz“ genannt, war mehr als ein Streit über Heizungen. Sie entwickelte sich zu einem unschönen Beispiel dafür, wie mediale Berichterstattung die öffentliche Wahrnehmung einer klimapolitischen Maßnahme grundlegend verändern kann.  

Jetzt hat eine Studie die Berichterstattung über das „Heizungsgesetz“ untersucht.

Kommunikation des Heizungsgesetzes: Nicht das was, sondern das wie war entscheidend 

Die gezielte Darstellung von Themen innerhalb eines bestimmten Deutungsrahmens bzw. die bewusste Rahmung von Themen, um deren Wahrnehmung zu beeinflussen, wird als Framing bezeichnet. Die Informationen werden dabei so ausgewählt und dargestellt, dass bestimmte Interpretationen betont werden.

Definition

Ihre zentrale These ist bemerkenswert: Die öffentliche Debatte wurde nicht primär durch die Inhalte des Gesetzes geprägt, sondern durch die Art und Weise, wie über das Gesetz berichtet wurde. Das Ergebnis war eine Verschiebung der Diskussion – weg von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und langfristiger Modernisierung des Gebäudebestands, hin zu Kostenängsten, Konflikten und Identitätsfragen.  

Entscheidend ist deshalb nicht nur, was kommuniziert wird, sondern wie ein Thema geframt wird. 

Politik wird nicht nur durch Gesetze gestaltet, sondern auch durch Narrative.

Menschen bewerten politische Maßnahmen selten anhand juristischer Texte oder wissenschaftlicher Berichte. Sie beurteilen sie anhand von Medienberichten, Schlagzeilen, Bildern und wiederkehrenden Erzählungen (Narrativen). Entscheidend ist deshalb nicht nur, was kommuniziert wird, sondern wie ein Thema gerahmt („geframed“) wird.  

Im Fall des Heizungsgesetzes wurde die politische Maßnahme häufig nicht als Instrument zur Erreichung deutscher Klimaziele dargestellt. Stattdessen dominierte ein Frame, der das Gesetz als staatlichen Eingriff in den privaten Lebensbereich präsentierte.  

Vom Klimaschutzprojekt zum Symbol staatlicher Bevormundung

"Hammer" erschien allein in BILD mehr als 250-mal, "Heizungsverbot" in weiteren 800 Artikeln in der breiteren Presse, und Energieminister Robert Habeck wurde im BILD-Korpus 839-mal genannt, im Durchschnitt mehr als zweimal pro Artikel. Die Berichterstattung stützte sich stark auf Personalisierung, wirtschaftlichen Alarmismus und Behauptungen, das Gesetz sei ideologisch motiviert, während die tatsächlichen Bestimmungen, die weit moderater waren, als die Schlagzeilen vermuten ließen, vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhielten. Nur eine Handvoll Medien, meist Nischenmedien, untersuchten, was der Entwurf tatsächlich sagte.

Auszug aus der Studie

Besonders interessant ist, dass die Studie nicht einfach Boulevardmedien kritisiert. Vielmehr zeigt sie ein grundsätzliches Dilemma moderner Klimapolitik: Die Vorteile vieler Transformationsmaßnahmen sind langfristig, abstrakt und kollektiv. Die Kosten oder Veränderungen dagegen erscheinen kurzfristig, konkret und individuell. 

Der Nutzen einer Wärmepumpe besteht unter anderem in sinkenden Emissionen, geringerer Importabhängigkeit und langfristig stabileren Energiekosten. 

Die wahrgenommene Belastung besteht hingegen in Investitionskosten, Baumaßnahmen und Unsicherheit. 

Medial lassen sich kurzfristige Belastungen oft leichter erzählen als langfristige Vorteile. Genau daraus entsteht eine strukturelle Schieflage in der öffentlichen Debatte.  Das ist die Herausforderung, die sich moderne Klimakommunikation stellen muss.

Was hat die Münzwette mit dem Heizungsgesetz zu tun?

Im Zusammenhang mit Klimaschutzmaßnahmen werden oft die Konzepte Verlustaversion und Münzwette (Coin-Flip-Gamble) aus der Verhaltensökonomie genutzt, um Reaktionen der Menschen zu erklären. 

Beispiel Münzwette: 

  • Kopf: Du gewinnst 100 €. 
  • Zahl: Du verlierst 50 €. 

Obwohl der erwartete Gewinn positiv ist, lehnen viele Menschen die Wette ab, weil der mögliche Verlust emotional stärker wiegt als ein gleich hoher Gewinn. Dieses Phänomen nennt man Verlustaversion. 

Die Folgen für die Akzeptanz von Maßnahmen zum Klimaschutz

Ein besonders relevanter Befund der Studie lautet, dass Menschen durchaus gleichzeitig für Klimaschutz und gegen konkrete Klimaschutzmaßnahmen sein können.  

Die Ursache liegt nicht notwendigerweise in einer Ablehnung der Klimaziele. Vielmehr hängt die Zustimmung stark davon ab, wie politische Maßnahmen verstanden werden. 

Wird eine Politikmaßnahme als: 

  • gerecht, 
  • nachvollziehbar, 
  • wirksam und 
  • unterstützend

kommuniziert, steigt die Akzeptanz.
Wird dieselbe Maßnahme dagegen als: 

  • teuer, 
  • unfair, 
  • bürokratisch oder 
  • bevormundend 

wahrgenommen, sinkt die Zustimmung erheblich. Die Debatte um das Heizungsgesetz liefert hierfür ein Lehrstück. 

Die Kommunikation muss von Anfang an mitgedacht werden

Die vielleicht wichtigste Schlussfolgerung der Autorinnen lautet:

Häufig werden politische Maßnahmen zunächst entwickelt und beschlossen. Erst anschließend wird ein Kommunikationskonzept erstellt. Die Studie legt nahe, dass dies gerade bei Transformationspolitik nicht ausreicht. 

Wenn eine strategische Klima-Kommunikation unterlassen wird, füllen „die“ Medien, politische Gegner oder soziale Netzwerke die entstehenden Erklärungslücken mit eigenen Narrativen. 

Wer tiefgreifende Veränderungen im Energie-, Verkehrs- oder Gebäudesektor erreichen will, muss von Beginn an erklären: 

  • Warum ist die Maßnahme notwendig? 
  • Welche Alternativen gibt es? 
  • Wer trägt die Kosten? 
  • Welche langfristigen Vorteile entstehen? 

Fazit 

Nicht die technische Machbarkeit der Energiewende entscheidet über ihren Erfolg, sondern zunehmend die gesellschaftliche Akzeptanz – und diese wird maßgeblich durch Kommunikation und mediale Deutungsmuster geprägt. 

Die Studie ist eine Analyse der politischen Kommunikation in Zeiten der Energiewende. Ihr wichtigster Befund lautet: Die gesellschaftliche Akzeptanz von Klimapolitik entscheidet sich nicht allein an technologischen Lösungen oder Förderprogrammen. Sie entscheidet sich wesentlich daran, welche Geschichten über die Energie- und Klimapolitik erzählt werden. 

Die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz zeigt exemplarisch, wie ein technisch geprägtes Klimaschutzinstrument innerhalb weniger Monate zu einem Symbol für staatliche Bevormundung werden konnte. Für die Energiewende insgesamt ist das eine wichtige Warnung. Denn die großen Investitionen in der Energiewende stehen noch aus. Transformationsprojekte wie der Ausbau der Stromnetze, die CO2-Bepreisung und der Umbau der Wärmeversorgung werden in den nächsten Jahren auf die Liste der gesellschaftlichen Herausforderungen rücken. 

Erfolgreiche Klimapolitik braucht nicht nur gute Gesetze. Sie braucht strategische und zielführende Klimakommunikation: überzeugende Narrative, die erklären, warum Veränderungen notwendig sind, wie sie gestaltet werden und welchen Nutzen sie für Gesellschaft, Wirtschaft und jeden Einzelnen stiften. 

Zur Studie:

Diskutieren Sie mit

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Neue Studie: Warum das „Heizungsgesetz“ zum Kulturkampf wurde
5
1