Waldbrand-Saison in Thailand – Eine Bedrohung für Mensch und Dschungel

Felix Notheis

Student

Felix Notheis studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der AKAD University und war als Energie-Reporter der Stiftung Energie & Klimaschutz in Südostasien unterwegs. In seinen Beiträgen beleuchtet er Umwelt- und Energiethemen in den Philippinen, Thailand und Vietnam und berichtet über Müllprobleme und informelle Recyclingstrukturen, die Waldbrandgefahr während der „Burning Season“ sowie die Smog-Krise und den Aufstieg der Elektromobilität vor Ort.

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01. Juli 2026

Chiang Mai ist Epizentrum der Burning Season

Chiang Mai gilt als eine der beliebtesten Städte im Norden Thailands. Umgeben von dichten Wäldern, Bergen und Nationalparks zieht die Region jährlich zahlreiche Touristinnen und Touristen an. Zu Beginn jedes Jahres wandelt sich das Bild der einladenden Urlaubsregion jedoch drastisch. Während der sogenannten Burning Season von Februar bis April liegt die Stadt oft tagelang unter einer dichten Rauchschicht. Die Sicht ist eingeschränkt, die Luft riecht nach Asche, und gesundheitliche Beschwerden nehmen deutlich zu. Die Hauptursache liegt in der landwirtschaftlichen Praxis des Abbrennens von Feldern nach der Ernte. 

Warum Bauern ihre Felder abbrennen

Die Ursprünge dieser Praxis reichen weit zurück: Bereits vor Tausenden von Jahren wurde Brandrodung in der Landwirtschaft eingesetzt. Auch heute nutzen viele Bauern in Nordthailand das kontrollierte Abbrennen ihrer Felder, um Erntereste schnell und kostengünstig zu beseitigen. Die entstehende Asche dient kurzfristig als Dünger, zudem können die Flächen rasch für die nächste Aussaat vorbereitet werden. Besonders in der trockenen Jahreszeit erscheint diese Methode effizient. Alternativen wie mechanische Bodenbearbeitung oder der Abtransport von Pflanzenresten sind für viele Kleinbauern finanziell kaum umsetzbar. Was lokal als praktikable Lösung erscheint, hat jedoch gravierende langfristige Folgen: Lebensräume von Tieren und Pflanzen werden zerstört, die Bodenqualität verschlechtert sich, und durch die hohe Freisetzung von CO₂ wird der Klimawandel zusätzlich beschleunigt. 

Wenn Brandrodung außer Kontrolle gerät

Die Burning Season fällt in die trockenste Zeit des Jahres. Niedrige Luftfeuchtigkeit, hohe Temperaturen und ausgedörrte Vegetation begünstigen die unkontrollierte Ausbreitung von Bränden erheblich. Besonders problematisch ist dabei die Nähe vieler landwirtschaftlicher Flächen zu Wäldern und Dschungelgebieten. 

Im April 2025 wurden zeitweise rund 150 aktive Waldbrände allein in den nördlichen Provinzen Thailands registriert. Die Folgen zeigen sich deutlich in der Luftqualität: Im nahegelegenen Chiang Dao wurden PM2.5-Feinstaubwerte von bis zu 240 µg/m³ gemessen. PM2.5 bezeichnet besonders feine Partikel mit einem Durchmesser von maximal 2,5 Mikrometern, die tief in die Lunge eindringen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen können. Zum Vergleich: Der gesetzliche Grenzwert in Deutschland liegt bei 25 µg/m³. 

Mit solchen Messwerten zählen Chiang Mai und die umliegende Region während der Burning Season regelmäßig zu den Gebieten mit der weltweit schlechtesten Luftqualität. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Atemwegserkrankungen. Schulen sagen Sport- und Freizeitaktivitäten im Freien ab, viele Menschen schützen sich mit Atemschutzmasken. Berichten zufolge haben die anhaltenden Waldbrände und die extreme Luftverschmutzung allein Anfang 2025 fast zwei Millionen Menschen wegen Atemwegserkrankungen in thailändische Krankenhäuser gebracht. 

Lokale Projekte als Hoffnungsträger

Außerhalb der Großstadt, in kleineren Dörfern, die besonders stark von den Waldbränden betroffen sind, zeigen lokale Initiativen konkrete Lösungsansätze. In einem kleinen Dorf nördlich von Doi Saket, rund 30 Kilometer östlich von Chiang Mai, haben Einheimische ein Projekt ins Leben gerufen, das aktiv der Waldbrandproblematik entgegenwirkt. Während der Trockenzeit sind die umliegenden Wälder von trockenen Blättern, Ästen und Gestrüpp bedeckt. Dieses leicht entzündliche Material erhöht das Risiko und die Intensität von Waldbränden erheblich.  

 

Das Projekt dient dazu, trockene Blätter, Äste und Gestrüpp systematisch zu sammeln. Am Rand eines beliebten Aussichtspunktes wurden dafür Sammelbehälter aufgestellt. Besucherinnen und Besucher sowie Einheimische werden gezielt dazu eingeladen, das herumliegende Pflanzenmaterial zu sammeln und in vorgesehenen Behälter zu bringen. Auf diese Weise wird die Waldbrandgefahr unmittelbar reduziert. 

 

Biomasse statt Brandbeschleuniger

Darüber hinaus verfolgt das Projekt einen weitergehenden Ansatz. Das gesammelte organische Material wird kompostiert und für die Nutzung als Biomasse aufbereitet. Ziel ist es, die Menge leicht entzündlicher Biomasse in den Wäldern zu verringern und gleichzeitig einen nachhaltigen Nutzen für die Dorfgemeinschaft zu schaffen. Die Maßnahmen umfassen unter anderem: 

 

  • kontrollierte Holzernte zur Verringerung der Brandlast 
  • Sammlung von Laub und Pflanzenresten 
  • Herstellung von Kompost für die lokale Landwirtschaft 
  • Nutzung von Biomasse als alternativen Brennstoff 

 

Durch dieses lokale Projekt wird nicht nur das Risiko von Waldbränden deutlich reduziert, sondern es entstehen zugleich ökologische und wirtschaftliche Vorteile für die Dorfgemeinschaft – etwa durch Kompost für die Landwirtschaft und die Nutzung von Biomasse als nachhaltige Energiequelle. Eine nahegelegene Forest Fire Control Station zeigt die aktuelle Waldbrandgefahr an. Wie auf dem Bild zu sehen ist, wurde die Gefahr im Januar 2026 als gering (low) eingestuft, kann jedoch im Verlauf des Monats März ein extremes Niveau erreichen. 

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