Vietnam – zwischen Smog-Dunst und E-Auto-Boom

Felix Notheis

Student

Felix Notheis studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der AKAD University und war als Energie-Reporter der Stiftung Energie & Klimaschutz in Südostasien unterwegs. In seinen Beiträgen beleuchtet er Umwelt- und Energiethemen in den Philippinen, Thailand und Vietnam und berichtet über Müllprobleme und informelle Recyclingstrukturen, die Waldbrandgefahr während der „Burning Season“ sowie die Smog-Krise und den Aufstieg der Elektromobilität vor Ort.

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vor 5 Tagen
Foto: Kaden Taylor / unsplash.com

Vietnam ist ein aufstrebendes Schwellenland, dessen jüngere Geschichte stark vom Vietnamkrieg – oder wie er hier genannt wird, dem „amerikanischen Krieg“ – geprägt ist. Gleichzeitig ist das Land insbesondere in den Metropolregionen durch einen äußerst dichten und auch chaotischen Verkehr gezeichnet. In der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi existieren Schätzungen zufolge nahezu ebenso viele Fahrzeuge wie Einwohner – etwa acht Millionen. Für Außenstehende kann es zur Herausforderung werden, überhaupt eine Straße zu überqueren. Der Verkehr stellt eine der zentralen Ursachen für die Luftverschmutzung in Hanoi dar, man spricht inzwischen von einer Smog-Krise. Auch in anderen großen Städten Vietnams zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Elektromobilität gilt als eine wichtige Chance, dieser Entwicklung entgegenzutreten. 

Hanoi – eine der zehn dreckigsten Städte der Welt

Zum Zeitpunkt dieses Berichts wurde in Hanoi ein Luftqualitätsindex (AQI) von 283 gemessen. Zeitgleich lag der Wert in Berlin bei 60. Ein AQI von 283 wird als „sehr ungesund“ eingestuft. In vietnamesischen Schulen wurden sämtliche Aktivitäten im Freien gestrichen. Mehr als die Hälfte der Luftverschmutzung ist auf Emissionen des Straßenverkehrs zurückzuführen. Hinzu kommen industrielle Emissionen durch z.B. Müllverbrennung innerhalb der Stadtgrenzen. Während im Zentrum der Großstädte die kommunale Müllabfuhr die Entsorgung übernimmt, wird Hausmüll in Randbezirken und ländlichen Regionen häufig eigenständig verbrannt, was die Luftqualität zusätzlich beeinträchtigt. Im Jahr 2025 zählte Hanoi zu den zehn am stärksten belasteten Großstädten weltweit.  

Um der Smog-Krise entgegenzuwirken, setzt Vietnam eine Reihe von Maßnahmen um, die insbesondere auf eine klimafreundlichere Mobilität abzielen.

  • Förderung der Elektromobilität 
  • Verbot von Motorrädern und Mopeds mit Verbrennungsmotor ab 2026 
  • Hohe Besteuerung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor 
  • Einführung emissionsarmer Zonen in städtischen Gebieten 
  • Ausbau und Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs 

Elektromobilität als Weg aus dem Smog

VinFast-Elektro-PKW Foto: Felix Notheis

Eine zentrale Chance zur Transformation der Mobilität stellt der rasch voranschreitende Ausbau der Elektromobilität dar. Der vietnamesische Elektrofahrzeughersteller VinFast ist im Inland Marktführer. In vielen Städten ist es mittlerweile wahrscheinlicher, in ein Elektrotaxi als in ein Taxi mit Verbrennungsmotor einzusteigen. Taxiunternehmen stellen ihre Flotten zunehmend vollständig auf Elektrofahrzeuge um. Das Stadtbild wird heute von den charakteristischen türkisfarbenen VinFast-Elektro-PKW geprägt. Während in Deutschland Reichweite und Ladeinfrastruktur häufig als entscheidende Hemmnisse wahrgenommen werden, bestellen vietnamesische Taxiunternehmen ganze Flotten batterieelektrischer Fahrzeuge. Diese Dynamik zeigt, dass sich in Vietnam ein Mobilitätswandel vollzieht. 

Problematische Ladeinfrastruktur ist Herausforderung

Foto: Felix Notheis

VinFast dominiert seit rund einem Jahr den vietnamesischen Markt. Bis Oktober 2025 lieferte das Unternehmen insgesamt 124.264 Fahrzeuge aus, davon allein im Oktober über 20.000. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden in Deutschland rund 430.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen; allein Volkswagen setzte im November knapp 48.000 Fahrzeuge ab. Prognosen zufolge könnte Vietnam bis 2030 rund eine Million neue Elektrofahrzeuge erreichen. Der rasante Zuwachs an E-Fahrzeugen erfordert einen ebenso schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur. VinFast ist aktuell der größte Betreiber von Ladesäulen und betreibt nahezu 150.000 Ladepunkte im ganzen Land – Deutschland verfügt über etwa 180.000 öffentliche Ladepunkte. Trotz dieser beachtlichen Zahl mangelt es vielerorts an leistungsfähigen Ladesäulen, da ein Großteil lediglich 30 oder 60 kW Ladeleistung bietet. Die schnellsten Stationen erreichen 150 bis 250 kW, während in Deutschland bereits 300- bis 400-kW-Lader verbreitet sind. Ein interessanter Aspekt: Die ersten zehn Minuten an VinFast-Ladesäulen sind kostenfrei, danach steigt der Preis pro Minute. Gleichzeitig stellt die enorme Belastung des lokalen Stromnetzes, insbesondere in Großstädten, eine Herausforderung dar. Wer schon mal nach Südostasien gereist ist, dem ist mit Sicherheit das dichte und oft unübersichtlich wirkende Stromleitungsnetz aufgefallen. Ein strukturelles Hindernis, das sich auch im Ausbau der Ladeinfrastruktur bemerkbar macht.

Wenn die Mobilitätswende zur sozialen Herausforderung wird

Neben technischen Fragen geht es auch um soziale Gerechtigkeit. Für viele Vietnamesen, die nahe der Armutsgrenze leben, bedeutet das geplante Verbrenner-Aus einen tiefen Einschnitt. Denn Motorroller sind das zentrale Fortbewegungsmittel des Landes. Die Umstellung auf elektrische Fahrzeuge stellt daher für viele Haushalte eine spürbare Belastung dar. Entsprechend werden die geplanten Maßnahmen von Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen. Dennoch hält die Regierung an ihrer Strategie fest: Die Förderung der Elektromobilität gilt als ein wichtiger Weg, um langfristig die Smog-Belastung zu reduzieren und dem Klimawandel entgegenzuwirken. 

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